Werden und Vergehen

Ich werde weiter tiefer, weicher, wahrhaftiger

im Körper spürend wahrnehmen,

und manchmal werde ich das finden,

was sich in mir fühlend gestaltet hat,

ohne mein Zutun, ohne mein Denken,

und es wird leuchten.

Und ich werde glauben,

dass meine Gestalt ein Ausdruck der Liebe ist.

Es wird werden und okay sein,

ganz gleich was passiert, weil es nichts geben wird,

aus dem ich nicht lernen kann, tiefer zu lieben,

von einem bis zum anderen Ende

meiner traumtänzerischen Seele.

 

Ein Jahreswechsel getragenes Rückschau, tiefe dankbare Innenschau und mutige Ausschau halten geleitet von den folgenden Fragen (Ja es ist ausführlich geworden, weil ich es sooo genieße an einem Auge wieder klar sehen und lesbar schreiben zu können. Meine Augen sehen so gerne mit diesem universellen, bedingungslosen Blick und meine Hände schreiben so gerne mitten aus dem Erleben.):

Was waren meine besten Beschlüsse?

Was waren gefühlt meine schmerzvollsten Momente?

Was waren gefühlt meine Glitzermomente?

Wann habe ich mich durch wen wirklich gesehen und gefühlt gefühlt?

Welche Situationen haben mich an mein So-Sein und meine Richtigkeit erinnert?

Was nährt, hält mich wirklich im Leben?

Was wünsche ich mir?

Wonach sehne ich mich?

Was sind für mich noch Herausforderungen, an denen ich gerne wachsen möchte?

Was will ich wirklich und ist jetzt wesentlich für mich?

Will noch was Ausdruck finden?

 

Was waren meine besten Beschlüsse?

In die Klinik zur Traumatherapie zu gehen und mich dort komplett einzulassen mit allem was ich bin, habe, sich zeigt, vor allem auch meine Liebe zu zeigen, mich darin und damit komplett offenzulegen. Diese Erfahrung in der absoluten Liebe ganz offen Mensch zu sein und im Leben zu bleiben. Das lange ersehnte, erträumte Heilungsbiotop hat sich für drei Monate für mich geöffnet. Es war der beste Ort meines bisherigen Lebens, viel besser als die Karibik, Thailändischen Inseln, der Gipfel des Kilimanjaro und die amerikanischen Nationalparks zusammen.

 

Was waren gefühlt meine schmerzvollsten Momente?

Die Klinik verlassen müssen, wieder raus in das unsichere, überfordernde, unbeschütze Leben und ein paar Tage davor von meiner Bezugspfelgerin verlassen werden, vor allem weil es all die Verlassenwordenseinserfahrungen aus der Vergangenheit mit hochholte und dann Monate nur Trauerarbeit von mir gefordert war. Schönschlimm, tränenmeerreich, jede Träne ein Perle in meiner Krone, tsunamiwellentief gebeutelt werden bis letztlich schutzlos unbedrohbar realisieren „das schlimmst ist schon passiert“ ab jetzt kann mich alles und jeder verlassen, es ist überlebt und haltbar.

Die flashback-Kette, welche die gesamte sexuelle Missbrauchserfahrungen in diversen settings gleichzeitig aus der Abspalltung ins bewusste Erleben zurückholte. Fraqumente kannte ich, Erinnerungsblizze, Körperflashbackzustandsmomente aber nicht die ganze grausame Wahrheit im Körper. Komplett desorientiert Stunden im Buschwerk am Ende des Klinikgartens kauern und ausgerechnet von einer fast blinden Mitpatientin, die sonst nie dort hingeht, gefunden werden. Nicht sprachfähig und schon gar nicht auf die Beine zu bringen wartet sie mit mir, hielt mich bis irgendwann so einigermaßen wieder eine gesteuerte Bewegung möglich war. Dann brachte sie mich ins Zimmer in einer Geduld die engelsgleich war. Dort unter dem Tisch am Boden liegen, weil mir das Bett vom Inneren (Täterintrojekte) nicht erlaubt war. Dann zwei schlaflos Nächte auf und ab gehen und mit jedem Geräusch wie ein verletztes Rehkitz im Wald ohne Mama aufschrecken, weil ausgerechnet jener Pfleger (der auslösende Trigger mit Versuch Kontakt in Not zu bekommen mit „nein helfen kann ich ihnen nicht, Zuwendung gibt’s keine“ und „ich kann ihnen nur den Psychiater holen“) zweimal alleine Nachtdienst hatte und dann zu den Pflichtzimmerkontrollen gar nicht kam. Untertags ferngesteuert Plan erfüllen und immer wieder in den Filmen verloren gehen und mich zurückholen, irre Parallelwelten, pure Angst, Panikattacken bei jeder Selbstberührung, primär im Zimmer in mir alleine winseln, bluten (real und emotional) und winden. Vor allem das Realisieren der selbstaufgebauten Illusion, dass meine Mutter es halt nicht wahrnahm aufgrund ihrer Erkrankungen, zerbröseln zu erfahren und erkennen, sie war bewusst und aktiv dabei, hatte sogar Lust aus meiner Qual bezogen. Dann darin gefangen total fertig, nur noch Terror seiend eine Woche lang vegitieren ohne Ausdruck, nur Fluchtenergien bis endlich meine Bezugspflegerin aus dem Urlaub zurück war und mich damit haben wollte. Ich mich ihr damit anvertrauen konnte und gehalten wurde, um zu realisieren „es ist vorbei“ und „ich bin jetzt beschützt“ was einer der größten Integrations- und Erneuerungserfahrungen meines bisherigen Lebens darstellt.

 

Was waren gefühlt meine Glitzermomente?

Das Lieben wurde in mir wieder komplett freigelegt, das nur lieben wollen, Liebe sein, durchflutet, verbrannt, benannte werden von der Liebe in einer absoulten, allumfassenden, reinen, kindlich und weisen Art gleichzeitig. Mein Liebespotenzial in aller Kraft wie Starkstrom mich aus der Suizidalität, Depressivität, chronischen Müdigkeit und Erschöpfung ins Leben spülend erfahren. Es blieb als verlässliche Empfindung, alles unterspülender Zustand. So verlässlich, dass ich es nur Gott zuschreiben kann. Das Erfahren der göttlichen Liebe in meinem Menschenherz begleitet von einer Vielzahl an direkten Gotteserfahrungen, die zunehmend dichter und andauernder werden. Die Tiefe und Liebe, die ich schon als kleines Kind hatte, ist mein Leitfaden geworden.

Da waren und sind sichere, heilsame Kontakte (Christine, Anja, Petra, Anita, Jeanine, Marie-Paul, Ingrid, Patrick), die begleiten, mich wollen, lieben, dableiben und mir Bindung und Beziehung lehren, die nicht missbraucht, belehrt, benutzt, sondern auf dem gemeinsam Seinwollen beruht. Diese Momente der tiefen, wahrhaftigen Begegnungen sind das Wertvollste, was ich geschenkt bekommen habe.

Mich immer wieder durch einen wundervollen Menschen gefühlt zu fühlen war und ist meine Erfüllung. Zuwendung, Verbundenheit, Sicherheit sind DIE Geschenke und gleichzeitig ein innerer Zustand, der mich braucht, in meiner ganzen Bewusstheit, Liebe und Verantwortung. Gegen Jahresende habe ich erstmals aus mir heraus gespürt, dass ich gut genug bin für meine Liebe ohne Vergeben, Verändern, Leisten, Lassen schlicht genau so wie ich da bin. Und daraus entstand in großer Not des temporär mein Augenlicht verlieren (durch einen neuerlichen multiplen Herpesschub in meiner Hornhaut) meinen Schutz leben wollen, mich beschützen, behüten, bewahren versuchen und die erste Sicherheitszone aus meiner eigenen Kraft und Klarheit heraus meine Wahrnehmungen und Zuständen zu vertrauen entgegen allen Ärztediagnosen.

 

Wann habe ich mich durch wen wirklich gesehen und gefühlt gefühlt?

Von meiner Bezugspflegerin Christine (in der Klinik) und Anita (online), den Therapeutinnen Petra (vor Ort) und Silvia (in der Klinik), von der wunderbaren Anja Reiche immer wieder immer tiefer immer öfter (danke für jedes ausgetauschte Wort, jede Sprachnachricht) immer mehr in Gott, Csilla (HDbegleitung) als Essenzenhüterin, Sigrid (Tamarbegleiterin) und Ingrid (Amtswegebegleiterin) als weltliche Stützen, von den Lebensfreundinnen Marie-Paul, Jeanine, Michaela, Urszula, Stefanie, Alexandra und immer wieder im Wiener fünf Rhytmen tribe allen voran Romana und Patrick.

 

Welche Situationen haben mich an mein So-Sein und meine Richtigkeit erinnert?

Die telepathische tiefe Eingestimmtheit mit einem Pferd bei der tiergestützten Therapie, die Annahme von Christine, Anja, Petra, Jeanine in all meinem Sein von total klein eng verfinstert bis zu multidimensional hell leuchtend. Jedes „es ist okay, das ist okay, du bist okay“ von Seiten der Pflege selbst im total dissozierten, heulkrampfenden, reinszenierenden Zuständen. Vor allem erstmals getröstet werden, erstmals ins Bett gebracht werden, erstmals erfahren ein Mensch (danke sooo sehr Christine) weint für mich mit mir über mich, über meine Härte, die innere Gewalt und die eigene Berührung.

Die Körperpsychotherapie bei Petra mit ganz viel somatischer Spiegelung, Körperkontakt, gemeinsam Spüren und Sein, dieses eingestimmt, fühlig spürend, echt interessiert zusammen sein und entstehen lassen. Die Offenheit, Ehrlichkeit und Wiederholbarkeit von Berührungserfahrungen haben viel in mir im Inneren erreicht, was im außen gesucht wurde. Da waren so viele neue innere Zustände im Erleben: Wünschen dürfen und Zeit haben die Körperbedürfnisse durch die Schamschichten in Kontakt zu bringen, dann Raum dafür zu haben und sogar Erfüllung erfahren auf basale bis magische Weise. Rücken an Rücken sitzen sie in meiner Wirbelsäule spüren und diese Erfahrung immer wieder machen bis sie so präsent war, dass sie mich durch den Alltag begleitete und mittrug in meinem alleine auf mich gestellt Sein. An ihrer Schulter lehnend bei den Körperflashbacks die Hand zum Halten angeboten bekommen und die ganz neue Erfahrung machen sie bleibt da und präsent in meinem Kontrollverlust. Mein Körper kann einem anderen Menschenkörper vertrauen! Viele Momente in denen erstmals physisch erfahren wurde, wie meine Schwäche nicht mehr bedrohlich ist, sondern Raum und Halt bekommt, ich durfte wirklich schwach am Boden liegen in Verzweiflung und wurde gelassen, sogar gehütet. Unausdrückbare Verzweiflung in ihren Händen meine Stirn und Augen gehalten endlich weinen, loslassen, aufgeben, den harten Blick lassen können. Da sein wie ein Embryo eingerollt am Teppichboden, kalt, verhungernd, isoliert, zitternd und ein Bein etwas rauslugend mit ihrem Fuß berührt spüren wie gleichzeitig diese alte Isolation wirkt und real Kontakt da ist, kostbare flüsternde Worte des okay seins, erstmals meine Verbindungsunfähigkeit in Kontakt erfahren ohne Beschuldigung, Beschäftigung mit Übung, strafenden Worten der Selbstverursachung, Abwendung sondern erlaubt und atmend nur gesehen, mitgehalten und darin beschützt werden. Daraus entstand ein mich beschützen wollen und können, wirklich mir meinen Schutz geben, mich behüten wollen und damit dass was bisher nur anderen zuteil werden konnte für mich selbst entwickeln.

Es wirkt eine leise und vorsichtige Änderung der Betrachtungsweise von dem , wie ich als Mensch hier auf der Erde wirkend bin. Vielleicht bin ich ja wirklich genau so richtig und auch genauso gemeint von der Schöpfung mit all diesen funktionalen Defiziten, dieser extremen Fühligkeit und krassen Wahrnehmungen, die mich oft belastet haben. Mit meiner Traurigkeit, die eine Mariannengrabentiefe hat, die mich wunderschöne Texte schreiben lässt. Das Problem fing an, als ich mich zu vergleichen begann mit „normalempfindsamen“ Menschen und versuchte mitzuhalten und mich mit Teilen identifizierte, die dazugehören wollten zu den Menschen. Dadurch verlor ich mich, fühlte und machte mich falsch, strengte mich in so vielem an im Versuch mich für (meinen) Menschen akzeptabel und richtig zu machen. Angenommen alles verletzliche, empfindsame, durchlässige, überforderte, mutidimensionale wäre genau richtig so und wertvoll für die Schöpfung und gewollt von den Menschen, das wäre so eine Erleichterung. Es steht als Option im Raum, ist vorsichtig da und noch sehr zart.

 

Was nährt, hält mich wirklich?

Letztlich 24/7 ich selbst, dazu die kontaktoffenen, ehrlich interessierten, fühlig spürenden Menschengeschenke Anja, Christine, Petra, Jeanine, Marie-Paul, Patrick, Gregor, Csilla, Anita…

Ansprechpersonen bei denen ich als ganzer Mensch willkommen bin mit allem was ist und wie ich drauf bin. Mich mitteilen dürfen und können über Bilder, Texte, Worte und gehört, gesehen, wahrgenommen werden.

 

Was wünsche ich mir?

Geborgenheit zu erleben in mir, gehalten in meinen Emotionen in körperlicherer Nähe leben, ein Liebesumfeld mit sichere Menschen in Heilräumen mit Beständigkeit, wo ich alle Masken ablegen und sein kann. Authentizität innen wie außen, die mir Sicherheit in meiner Existenz gibt. Ich wünsche mir die Wahrhaftigkeit grundsätzlich reifen zu lassen und das Fundament des Seins zu leben.

Das Lieben verdient meine Tiefe und sehnt sich nach deiner. Ich will von mir gewollt sein mit meinem Lieben und so Gott will damit empfangen werden. Da ist die ganz große Sehnsucht, ja Leidenschaft zu lieben und gleichzeitig geliebt zu werden. Heilen im Sinne von ganz da sein, mit allem präsent, haltend und gehalten, berührbar und berührt. Der Wunsch ist lieben und geliebt werden gleichzeitig am selben Ort in meinem Körper zu erfahren.

Verbundenheit in mir erfahren, sowie Verbindungen nach innen und außen, oben und unten verkörpern, menschliche Liebe, Seelenwelten und Gottesführung gleichzeitig realisieren. Wirklich im Vertrauen leben, wirklich tief Gott, dem Leben, den Menschen, und meinen Prozessen trauen.

Liebe, Zartheit, Hingabe erfahren und erleben wie sie meine Härte auflöst und den Kampf befriedet,

in dem die Liebe körperlich erlebbar wird und alles fehlende erfüllend entspannt.

 

Wonach sehne ich mich?

Die Sehnsucht (aus)zuhalten, ist manchmal nicht leicht. Wenn ich sie nicht mehr ersticke, betäube, ignoriere oder überspiele, ist sie eine größte Helferin auf dem Weg in das Neue. Meine Sehnsucht wohnt in der Seele, im Herzen. Ich glaube, in dieser Kluft zwischen dem, was ich bin und dem was die Seele sich über die Herzgefühle wünscht, liegt tiefste Lebendigkeit. Die Kapazität, diesen drängenden Schmerz, dieses Bedürfnis nach mehr (nährende Nähe, wahrhaftige Zuwendung, zärtliche Berührung), zu halten, ist für mich Hoffnung. Und Hoffnung tut total weh, weil sie danach strebt, alles von mir mitzunehmen, nicht nur die Teile, die ich mitzunehmen ertrage, sondern auch die, die ich hasse, verachte, nicht erreiche und die mich in dem was ist (war) halten. Ich glaube, es geht darum, die Teile in mir, die sich verstecken wollen, nicht zu verlassen.

Ich brauche ganz viel Sanftheit mit mir und Liebe für mich, um mit den zerstückelten, verletzten, verlassenen, vereinsamten Anteilen in Zartheit zu sein. Es ist möglich die Lebendigkeit im Schmerz zu sehen und anzunehmen, letztlich ist es die Kraft in mir, die leben will. Die Kraft, die weiß, dass es da mehr gibt. Nicht die „besseren Zeiten“ sind Gott, sondern alle Zeiten. All die inneren Prozesse versuchen mein Vertrauen in das Menschliche und das darin geborgene Göttliche wachsen zu lassen bis ich es in allem erlebe. Meine Sehnsucht entspricht der göttlichen Ordnung. Sie speist sich aus der Quelle und will sich in Seelenverbindgsräume ergießen und darin die Lebenseinsamkeit heilen erfahren.

 

Was sind für mich noch Herausforderungen, an denen ich gerne wachsen möchte?

Das wirklich hinsehen, benennen, spürbar da haben aus dem erlebten Verstehen ist in meiner Innenwelt das große Neue des letzten Jahres. Ich kenne das Gefühl der einsamste Mensch der Welt zu sein aus den ersten 40 Jahren meines Lebens. Nichts und niemand ist sicher, niemand bleibt/kommt/kehrt wieder vor allem wenn ich in Not oder schwach bin war ein Dauerzustand. Selbst wenn wer da war wirklich gespürt, gesehen und gefühlt wurde ich fast nie. Die Einsamkeit überschattet(e) mein ganzes Erleben, machte mich kalt, isoliert und tief traurig. Die zentrale Wunde der Verlassenheit, außen wie innen emotionale Vernachlässigung und Ablehnung. Mutterseelenalleine drückt es am besten aus, nicht gefragt, gefühlt, gesehen, unbeantwortet. Isoliert in mir selber und dann nochmal abgekapselt, teilweise unfähig mich mit dem zu verbinden was in mir ist, tief alleine. An Silvester kam es wieder hoch voller Angst, der Körper hatte Angst, die Seele wusste um die Verbindung, das Herz fühlte sie und der Körper zitterte sich durch die lärmende Nacht obwohl ich ihn behütete, wärmte, sicher daheim schützend verbarg vor Schrecken, Kontrollverlust, unbegreifbar lustigen Menschenkontakten. Mein Fluchtwesen war wie ein Eichhörnchen in einer Panik. Selbstannahme, mich darin, mir Halt und Schutz geben, in einer Deckenburg wie ein Embryo einrollen, mich wärmen, regulieren was möglich ist, etwas mit Brei essen kompensieren bis endlich erschöpft einsam einschlafen möglich war.

Das Herzstück aller meiner Traumata ist ein Gefühl der Isolation, der Trennung, der Einsamkeit. Folge ich mir bis zum verheerenden Kern, bis zum Herzen der Dunkelheit, treffe ich unweigerlich auf die Verlassenheitswunde, den Schmerz aller Schmerzen. Verlassen von Mutter, Vater. Vergessen und missverstanden von der Welt. Aus dem Himmel verstoßen und von der Gottheit getrennt. Getrennt vom Leben. Natürlich ist das eine Illusion. Ich bin nie getrennt vom Wasser, von den Bergen, den Wäldern, den diamantenen Tropfen des Morgentaus, nie getrennt von dem Einen. Ich wurde immer geliebt (nur nicht von Menschen). Das schreckliche Herz der Dunkelheit war immer mein eigenes, wunderschönes Herz, so zerbrechlich, so kraftvoll, so liebenswert, so real.

Diese Einsamkeitsnot wie isolierte feste Trauerknoten in der Brust wünscht sich ein Gegenüber dass mit da ist, verstehend, zuhörend, spürend, fragend ohne Druck zu machen. Alte Einsamkeit integrieren und Verbundenheit jetzt körperlich erleben. Mein Körper braucht Berührung, um die Einsamkeit da sein lassen zu können. Berührte Füße die bleiben spüren, steinhartes Becken stabilisiert, Bauchdankbarkeit und schwer um die Knoten in der Brust atmen. Dableiben mit meiner Einsamkeit in Kontakt und okay sein. Nichts wird weggeredet, mit Veränderungsideen unter Druck gesetzt oder als Illusion spiritualisiert.

Die Hereinforderung und Kostbarkeit wirklich gesehen, empfangen und gespürt zu werden von mir UND von einem Gegenüber, das versteht aus eigener Erfahrung weiß, wie es sich anfühlt. Zu mir stehen und kommunizieren ist eine große Aufgabe. Sie kann nur gelingen, wenn da auch Raum ist dafür. Ich bin so tief dankbar, dass ihr da seid lauschende, spürend, fühlende, sprechende Menschen. Es ist eine besondere Gabe die Fähigkeit, anderen zu erlauben, genau so zu sein, wie sie sind. Zerbrochen. Ganz. Traurig. Wütend. Exstatisch. Ängstlich. Verloren. Erwacht oder schlafend. Wie auch immer. Mit jeder Faser des Wesens zuzuhören, um sie mit den Sinnen zu empfangen, um ihnen zuzuhören wie die wilden Tiere des Waldes. Um sie in ungestörter, faszinierter Aufmerksamkeit einzuwickeln. Sie in eine stille, warme Gegenwart zu hüllen. In diesen kostbaren Momenten des Zusammenseins entsteht eine Verbundenheit in mir wo bisher nur Abwesenheit war.

 

Wachsen möchte ich in diese Art des für mich „heiligen Gegenwärtigseins spüren so wie ich bin“. Es ist unverkennbar, das zentral Neue meines letzten Jahres. Es kann nicht hergestellt werden. Es kann nicht vorgetäuscht werden. Es ist äußerst selten und heilig. Es ist nichts weniger als bedingungslose Liebe. Ihr Seelenschwestern Anja, Christine, Petra, Jeanine habt sie mir als Erfahrungen geschenkt, mich erleben lassen, dass mein einsamer Mensch heute verstanden, gefühlt, gespürt, gesehen und gewollt wird. Darin liegt eine Versöhnung mit meiner Gebrochenheit. Sie wird Vollkommen, wenn sie in Kontakt ist, ganz da ist, wirklich heilt und die innere Zerstückelung umfließend verbindet. Wir können zusammen weinen, zusammen gehen, unseren Schrecken, unser Entsetzen, unsere Scham, unsere Hoffnung und unsere Ehrfurcht teilen. Ich erkenne deine Sehnsucht als meine eigene und meine eigene Sehnsucht als deine. Liebe ist ein Erkennen. Meine Liebe anerkennen. Mich erkennen lassen. Und erkannt werden. Tiefes einander Erkennen und vor allem auch die Gewissheit: Ich bin nicht alleine in meinem Anders sein.

Da war so viel Einsamkeit, in mir selbst isolierte Knoten, so viel unteilbare Wahrnehmung und Orientierungslosigkeit unter Menschen, ein nur unter Anstrengung vielleicht kurz Verbindung gebären können, dieses schmerzende in der Menschenwelt unerkannt alleine zu sein, obwohl da viele sind. Meine Wahrnehmung ist krass anders, mein Körper spürt fein und somatisiert sofort, das Herz fühlt tiefer und freut sich schwächer bis gar nicht in Oberflächlichkeiten, mein Geist trackt die Störfrequenzen und kann sie nicht ausblenden.

Meine Wahrheit war da, aber sie konnte nicht fließen, nirgends landen, das Feld reagierte nicht, kein mitgekriegt werden und dann richte(te) ich die kollektive Ablehnungs- und Ignoranzenergie gegen mich. Spürte erstickend die kollektive Hand vor meinem Mund, dokterte vergeblich an mir rum für annehmbares Menschsein, kochte im Selbsthass. Im ins Leere teilen, frustriert unverstehbar bleiben, unbeantwortbar isoliert leben gärte ich über Jahrzehnte. Super zerstörerisch, destruktiv ohne Alternative, weil da kein zweites alles spürende, fühlende, erkennende, hinsehende Nervensystem war.

Bis ja bis da jemand mich fand (die erste war in der Klinik meine Bezugspflegerin und kaum draußen war es wieder der alte unverbundene einsame Scheiß und endlose Verlassenseinsmonate). Ehe ich so richtig von Anja erkannt wurde, benannt, gerufen, in die Hörbarkeit getragen, das ganze Sein in Kontakt erfahren dürfen. Endlich Menschen mit einem tiefweithohen Bewusstseinsraum da, in den ein wir sich in alle Richtungen, Universen, Engen des Menschseins ausgedehnt zusammen erfährt. Endlich fließt die Wahrhaftigkeit aus und in die scheintote Leere meiner Erlebniswelt.

 

Was will ich wirklich und ist jetzt wesentlich für mich?

Alle konditionierten Götter töten für die Wahrheit der eigenen direkten Gotteserfahrung und damit endlich, unendlich, endlich Menschen vertrauen können. Es braucht kein Konzept/ System/ Gottpleasing. Ich, ihr und er will mich wie ich bin, echt und ganz. Da ist überwältigende Schauerehrfurchtsfreude in meinem System über dieses hier und jetzt in meiner Wahrheit gewollt zu sein. Ich war noch nie so lebendig. Spüre das vormals unerreichbare „ich bin sicher hier“ unter Menschen. Und der Körper sehnt sich danach das auch in körperlicher Nähe zu erleben. Als Geistseele verkörpert meine Wahrhaftigkeit leben und damit nicht mehr alleine sein! In geborgener Gemeinschaft meine Wahrnehmung wertgeschätzt erfährt.

 

Will noch was Ausdruck finden?

Oh ja: SelbstLIEBE ist das größte Experiment.

Selbstliebe, ich will mich darin versuchen. Traue mich in einen Versuch mich nicht mehr aus Gotteswillen auszuschließen. Mir seine Liebe in mir erlauben, auch wenn ich mir meine Liebe in seiner Bedingungslosigkeit verweigere. Diese (ur)alte Abhärtung, die mir das Selbst lieben verweigert, hält fest.

Ich habe mich an Gott und die Welt hingegeben, an alle und alles, nur nicht an mich. Hingabe verletzte mich, weil sie mich aufgab und selbst das niemanden zum bleiben bewegte.

Die Hingabe war hilflos, alternativlos, ein emotionales verbluten. Es war Nothingabe, nicht echte freiwillige Hingabe, weil die Einsamkeit unerträglich war. Es sollte einfach nie wieder weh tun oder sich so einsam anfühlen wie damals. Dafür sind alle Mittel recht gewesen, hingeben, vergeben, aufgeben, tot stellen, dissoziieren, manipulieren, anstrengen bis zum Umfallen, lieb sein und bös sein je nach Präferenz des Gegenübers. Alles drauf aus zu vermeiden wieder alleine zu krepieren, alles besser als alleine im sterben festzustecken. Mein Körper kenne diese Hölle des Selbstmissbrauch bis in jede Zelle.

Jetzt kann ich darin sein, die verweigernde Festigkeit meines Schoß spüren, die traurige Verzweiflung der Verschlossenheit fühlen, den wollenden Geist hören und warten bis mein Körper echte Hingabe freigibt, vielleicht auch nie. Auch wenn es noch so schmerzt im einsamen Herz verdient mein Körper Freiwilligkeit, Langsamkeit und Spürsinn.

Spüren wie sich meine Lebendigkeit vertieft, bis sie wie jetzt nicht mehr tiefer geht und aus dieser Tiefe meines Mariannengrabendaseins lebt. Auf dem die Nacktheit meines Lebens gestrandet von der Lebensanstrengung erschöpft ruht. Dort ganz tief in der Erde warte ich auf Kontakt.

Das Gefühl von Haut auf Haut erinnern und das Fieber der Leidenschaft spüren. Zittern und Donnern im Leib. Ein Schweigen aus Furcht und Glück. Der Körper kennt das Beben aus Kindertagen. Ich bin der fernste Stern und meine unmittelbare Haut fehlt. Jede Grenze, jeder Schutz fehlt, aufgegeben nur mehr überleben. Die Hingabe hat mich verraten, weil ich sie getan habe, anstatt mich allein sein zu lassen.

Ich will leben, endlich, endlich, unendlich, endlich, in dem, was ich tun will, schon immer tun wollte, aber vor Angst nicht konnte. Ich will mich leben, mich mir hingeben. Da ist so viel Energie gebunden und gleichzeitig eine tiefe Erschöpfung. Ich will, dass nichts zwischen uns kommt, auch nicht die schlausten Ratschläge und die teuersten Glaubensbekenntnisse. Ich will nur leben und spüren, dass ich bin, bedingungslos, auch in der Einsamkeit. Die Bedürftigkeit nicht mehr zurückhalten, den Kampf Alleinesein zu erleben nicht mehr bekämpfen, die Unverbundenheit nicht mehr unter Bindungsdruck setzen, das Todmüde nicht mehr aus dem Bett zwingen, die Einsamkeitskörperangst in Fluchtbewegungen ausagierend nicht mehr fürchten.

Selbstliebe also, ein Versuch der wahren Liebe zu mir. Meine wahre Liebe kennt nur geben, und will nichts zurück dafür. Sie ist bedingungsloses Teilen, mich verschenken, erwartet niemals dank und freut sich doch überschäumend, wenn sie empfangen wird. Hier und jetzt von mir mich nehmen, reines nehmen.

Wirkliche Liebe nimmt meine Bedürfnisse an.

Wahre Liebe will mich wie ich bin.

Wahre Liebe will sich geben, sich mir hingeben, mich mir hingegeben sein.

 

Die wahre Liebe wartet auf mich, auf meine freiwillige Hingabe. Danke dafür!

Danke dafür, dass ihr mich lest, erkennt und liebt so lange bis ich es selber kann, das mich Lieben und in allem angenommen seien. Einander und ineinander die Qualität des wahrhaftigen Liebens sehen, hören, spiegeln, spüren, fühlen und erleben zu können, das ist die Erfüllung für mich. Wir sind Geschenke für einander in jedem Kontakt. Wir bewirken einander, behüten und verkörpern die Liebe. Liebe heilt jedes Weh und ich bin die Liebhaberin (meiner selbst). Es ist nicht in Worte zu fassen wie essentiell wir Liebenden sind.

 

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Ein Gedanke zu „Werden und Vergehen“

  1. Danke Dir für dein so umfassendes Mitteilen.
    Vieles davon findet in mir Resonanz. Am unmittelbarsten trifft dieser Satz: „Zu mir stehen und kommunizieren ist eine große Aufgabe. Sie kann nur gelingen, wenn da auch Raum ist dafür…“
    Für mich ist es einer der frustrierendsten und einsamsten Zustände, mit Menschen in einem Kontakt zu sein, in dem kein Raum für dieses wahrhaftige Sein ist. Und eine meiner größten Ängste ist die, dass meine innere Wahrheit nicht ok ist, kein Gegenüber findet, ins Leere läuft,eben keine Resonanz findet…

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