Meine hilflose Natur – offenbar pure Machtlosigkeit

Bis 28.10.2022 habe ich keinen roten Faden in meinem Leben wahrnehmen können. Ich kämpfte mich bemüht von Krise zu Krise und egal welche Technik/Methode/Übung/Praktik ich nutzte, an den Knotenpunkt kam ich nicht. Da offenbarte sich der Motor für mein Leben: ALLES was ich innerlich wie äußerlich getan wie unterlassen habe, diente nur dazu nie wieder zur Gänze körperlich gefühlt Hilflosigkeit zu erleben. Wirklich alles jede Übung, jede Ausbildung, jede Anstrengung, jede Motivation, jede Arbeit, jeder Beitrag, jede Suche, jedes Bemühen, alles Gelernte, Gesportelte, Gelesene, Gefragte, Vermiedene, Verschwiegene, Verdrängte… . Und so kam der erschöpfte, erniedrigte Impuls aus der mich realisierenden Seelentiefe auch Hilflosigkeit im Körper sein lassen zu wollen. Den Druck gegen die Ohnmacht rausnehmen und die zeitlebens bestandene Hilflosigkeit bis zum größten Ausmaß in der frühsten Kindheit wieder erlauben. Den Kampf gegen die Hilflosigkeit beenden. Was damit losgetreten wurde beinhaltet dieser Beitrag. Und er wird ein Gemisch aus Deutsch und Englisch, Außen- und Innensicht, Lyrik und Analytik rund um den Kern, meine Ohnmacht.

Seither lebe ich MIT statt gegen meine Hilflosigkeit. Auch die Hilflosigkeit Worte zu finden die verstehbar sind, die Mitgefühl eröffnen statt Ablehnung hervorrufen. Mein Körper hat gelernt, wenn ich rede wird alles noch viel schlimmer, schmerzhafter, einsamer… schweigend werde ich geduldet (wenn ich leiste). Mir wurde bewusst, dass ich die Überzeugung in mir trage „Erst wenn ich große Not habe, darf ich was wollen (bitten bis fragen).“ das ist so krass weil ich dadurch bis heute Not erschaffe, nur um mir etwas Wollen erlauben (und es nicht angestrengt unterdrücken bis wegmachen zu müssen) zu dürfen.

pure truth touching every cell

supporting to feeling my helplessness to belong to somebody

I was running away from this feeling all my life

now holding me

close

in helpless lonelyness

breathing

with the heart beat as guidance

dark, and dense

wet as earth

pain all over

grievance

stabs of shame

feeling every decision I made against

every day I spent with the demon

in my brain giving chase to helplessness

hold it now

stop craving for someone

just holding my own

So rollten sie ein bis über mich die Ohnmachtserlebnisse. Tief in meiner Hilflosigkeit erhob sich die Machtlosigkeit selbst zu meinem Lehrer und Führerin. Schreiben und Mitteilen immer wieder Kontakt machen, um meinem Kopf nicht durchgehen zu lassen, mich mit du musst es (alleine) schaffen zu terrorisieren.

Wenige Tage später am 3.11.22 kam es zu einer Terminfixierung mit einen Fernsehsender, der meine Blog studierte und von einer Mitbetroffenen aus der Selbsthilfegruppe die Möglichkeit eröffnete, ein Interview (anonymisiert und wertschätzend) zum erlebten Kindesmissbrauch zu geben. Mein Körper hörte das, bekam die Bedrohung des Sprechverbotes mit, die Zellen reagierten und schoben wellenartig immer wieder Übelkeit, Schwindel, megastarke (Regel-)Blutung raus. Ich schob das ab auf mein generelles Kranksein und probierte weiter „Alltag“ zu leben, bis es mich am Samstag Abend drauf endgültig zusammenbrechen ließ. Einfach allein daheim ein zweites Mal (zuvor schon einmal beim Mathe helfen total betäubt für mich) umgekippt und nicht mehr aufkommen.

Am nächsten Morgen hab ich es geschafft die Rettung zu rufen. Die Männer kamen bald, hievten mich auf die Liege und waren nett mit meinen Ängsten und der Scham. Im Spital viel warten und reichlich am Spüren immer so halb nur im außen wach dicht innen lauschen, bis da die Täterstimmen wieder klar hämisch lachend da waren: „Wenn du sprichst gibt es einen Unfall und den überlebst du nicht.“. Da war klar: Scheiße ich hab das unbewusst selber verursacht und nun bin ich da alleine in einer Einzimmerwohnung mit Stufen, einem Hochbett, wackelig mit Krücken mich immer wieder fallend erlebend.

Der Liegegips hält das Bein mit den mehrfachen Mittelfußbrüchen und ich habe keine Ahnung wie ich die nächsten Wochen klar kommen kann. Kopferl sagte alle Termine ab und rennt mit Fehlermeldungen „tu was“ an die Wand, Herz fühlt sich so unendlich traurig, Körper will weg, zu jemand hin und da ist keiner. Ich habe noch nie so viel Einsamkeit, genauer hilflos Alleinsein und darin eingewoben Traurigkeit erlebt. Es ist dran, es gehört gefühlt und dennoch möchte ein Teil nicht nur mit mir im nichts tun können sein.

Mein erwachsenes Ich möchte nicht mehr schweigen, ich will reden dürfen, meine Wahrheit sprechen. Als Strafe hat es mir das genommen was mich immer überleben ließ, meine gesunden Beine, die Möglichkeit zu jemanden zu gehen, meine Versorgung sicher stellen und von etwas weggehen was mich quält und ängstigt (vormals meine Mutter). Mein Bewegungszwang ist zur Ruhe gezwungen. Ich spüre den Bein- und fühle den Herzensbruch, und bin machtlos.

Ich spüre mich, bin mit mir, atme ein und aus, langsam und tief, lehne mich an. Es ist ein Jahr der Konfrontation mit meiner eigenen Dunkelheit, mit Einsamkeit, großer Hilflosigkeit und Leere (vor mir und in mir). Bitte bis flehe schluchzend mich spüren zu lassen, dass ich nicht allein bin. Verbinde mich. Erzähle von mir. Teile mich mit. Lege alles nackt offen wie es ist. Empfange den Satz „Es gibt kein Gegenteil von Glück. Denn Glück schließt Unglück mit ein.“ und will nichts (kluges) mehr hören. Ich brauche „nur“ jemanden, der sich neben mich setzt und mit mir atmet. Mir den Raum fürs Fühlen hält und mich sieht wie ich bin.

Am Montag Morgen kam die beinamputierte Nachbarin im Rollstuhl (!) als erste auf mich zu mit der Frage, ob sie mir was vom Einkaufen mitnehmen kann. Mit Rollstuhl ist man mobiler als mit Krücken. Unfassbar, so viele Menschen mit gesunden Beinen und ausgerechnet jene, die keines mehr hat, kommt aktiv einfach so auf mich zu. Sie eröffnet neue Erfahrungen von Hilflosigkeit. Vielleicht denkt mein Kopferl, wenn ich mich traue, frage, bitte und meine Bedürftigkeit zumute, hilflos meine Tür öffne, werden weitere kommen. Es denkt weiter in Fragen:

Wann wo mit wem

DARF ICH AUFGEBEN

mich anzustrengen,

angestrengt zu überleben?

DARF ICH (ÜBER)LEBEN AUFGEBEN?

Darf ich mich aufgeben?

Es folgen Höllenqualen, kalter Bewegungsentzug, die Ohnmacht totenwollende Wallungen, flashbacks in den ruhelosen Nächten, Verstopfung und Tagebuchzeilen. Eine Auswahl:

evil darkness… diminish god and the devil… god is unknowable

I´m not gona hold my tongue anymore. I´m not following the advice to never speak up to anybody.

I´m writing in english because in this language I´m more of an adult. In german I easier collapse into child modes. The unheard is making troubles. Body memory waves as I can´t move anymore.

I suffer a lot now, because I have to feel what has been repressed. I´m full of little dead parts coming alive in flashbacks. Leaving me in pure weekness without any power over anything. The weeker I get the more comes up and back: the rapes and the confusing rituals, the promises after this moment of pain it will end, it never did, the rules always changed, enchaned begging to be killed, no merci.

Children are the weak spots. Parts of me gave up, many little deaths inside. It´s a lie that I survived. Only broken peaces without a core or a save island. Only body collapse and emotional outbreaks.

This is a culture of abuse. Toxic power structures all over. Power is based on lies.

All over substitutes for true love – only to repress the fear of being without love empty within self.

Violence releases fear. Every killing is a mercy killing.

I´m a great killer of myself. Generating pure darkness.

Maybe all the lies I´ve been told are true and I´m evil.

There is no good divine force. No reflection of light.

Innocence was never seen in me. There is no reference of true love within me.

As long as you are a victime you can hold on to some kind of innocence.

I´ve never been a go(o)d girl. Guilty by birth, guilty out of existing at all.

I love(d) the evil. The abusers were giving me what I needed: Touch, being wanted…

Rapists look for love. They bring their most vulnerable part of self, the parts where there is no love at all, in contact. As a child that has been raped by „holy men“ I know that they did. They showed their unloved sexual wantings and forced me to love it. I attached to the perpetrators and put them inside fearing myself.

I don´t find a single therapist who wants to know my truth.

Only some rare humans can keep themselves emotionaly open in my presence.

Who is open to what I´m dealing with?

I´m not in the need of any theory. Nobody needs to rationaly be with me. It doesn´t help.

As I feel the feelings I know whats real. Than the experience is mine.

Once I´m touched, my body is real in this moment.

A hug is a privilege. Especially for the devil.

Menschen reagieren und Antworten kommen von innen wie außen. Ihr mich bejahen hält mich am Leben. Jetzt immer wieder nur jetzt werde ich versorgt. Grenzen verschieben sich in meiner gefühlten Grenzenlosigkeit. Ich kann nichts tun und doch geht das Leben weiter. Mich Leiden sehen damit der innere Druck aufhört ist das Täterintrojekt der Menschen, die sich regulierten und ihren Druck abließen im mir Schmerzen zufügen. Vielleicht ist Trauma die wahre Religion. Vielleicht bin ich gerade notgedrungen Totengräberin für Selbstbilder.

Ein abgrundtiefes Ja.

Die Schatten der (Innen)Welt annehmen.

Der Schatten ist das Licht.

Das Leben ist nicht für sondern gegen mich.

Wenn es aushaltbar wäre, wäre es nicht die Hölle.

Vertrauen ins Leben ist nicht angebracht.

Es tunkt mich in die in die schlimmen Trigger, Flashbacks und Glimmer.

Vielleicht bin ich heil am Ort des Traumas

und alle Reinszenierungen machen mir das erlebbar.

Das Leben ist eine kosmische Superorgie und

der Prozess führt zum Tod.

Ist der Tod die Lösung?

Vor dem Abgang will die Wahrheit gesprochen werden. Mein Erleben nach außen tragen ist mein Beitrag! Und so fand das Interview von meinem Krankenbett aus statt. Ich habe gesprochen, meine Geschichte so weit ich sie bewusst habe offengelegt UND wurde interessiert, mitfühlend, achtsam gehört. Meine Wahrnehmung wurde wirklich für wahr angenommen! Nun ist da ein es nicht nur „überlebt haben“ meine Wahrheit zu sprechen, sondern zutiefst dankbare, freudige Lebendigkeit für knapp drei Stunden Interview über die Hölle aus Missbrauch, Vernachlässigung, Traumatisierungen, Krankheiten, Gewalt, Ignoranz. Eine neues Leben in dem ich nicht mehr schweigen muss.

Schamschattenarbeit statt Selbstliebepflaster. Wenn ich mich selbst lieben würde, brauchte ich keine Selbstbilder mehr. Traumata somatisch fühlen und integrieren ist Selbstliebe. Das bewegte, bemühte, alles gebende Selbstbild war nötig, um mich zu schützen. Es gab mir eine Art von innerer Sicherheit Hilflosigkeit von mir weghalten zu können. Noch etwas tun zu können.

Jetzt erlebe ich die körperlich Hilflosigkeit in nie dagewesener Intensität. Ohnmacht und ausgeliefert sein ist die körperliche Fühlaufgabe. Ich bin wie als Baby hilflos ausgeliefert ob und wer zu mir kommt, kann nirgends hingehen. Da ist nur mehr meine hilflose Natur. Und viel Traurigkeit, ein Betrauern meines Bewegungsverlustes, darunter das Meer der Tränen der alten Bindungsverluste. Angehaftetsein an Bewegung als Überlebensstrategie, weil hilflos (nicht) in Beziehungen zu sein noch schlimmer zu erfahren ist. Jetzt löst sich das Heftpflaster Bewegung ab und die Wunde Vereinsamung liegt offen dar.

Jetzt findet dieser hilflose Moment in mir statt. Ich kann nicht mehr weglaufen, muss bis kann bei mir bleiben egal was und wer (nicht) kommt. Keine Möglichkeit der Versorgung entgegenzugehen. Kein abwehren und kein weglaufen mehr. Die Bestie in mir erträgt das Ausgeliefertsein nicht und will die reale Hilflosigkeit töten (also mich).

Gleichzeitig ist jetzt Zeit, Raum und Hilfe da. Ich bin nicht mehr allein. Es gibt Menschen die mich genauso wollen wie ich bin. Es braucht mein bitten und erlauben von ehrlichem Kontakt. Das Neue sind Bezugspersonen mit aufrichtigen Interesse. Jene wo ich meine Schmerzen und die Bedürftigkeit da sein darf. Die sich von meinem „da ist nichts (mehr) möglich“ nicht ab- bis erschrecken lassen. In ihren Herzen ist keine Kritik vorhanden sondern Wertschätzung und Mitgefühl. Diese Kontakt sind das heilsame Momentum. Allumfassender Dank an Anja Reiche, Christa Greis, Verena Bernhard, Ingeborg Lösch und Eva Lenz ((für das ganze Team von Puls4 das endlich das Thema Kindesmissbrauch, auch aus Betroffenensicht, selbst ans österreichische (!) öffentliche Licht bringt).

We all walk each other home.

Den Menschen ausgeliefert sein erwachsen erfahren.

Heute kann ich sprechen und lerne meine Bedürftigkeit mittzuteilen.

Mich hingeben ist die Fühlaufgabe im zutiefst hilflosen menschlichen Leben.

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Leiden

Mein Leiden

Mein Lebensfluss war und ist geformt durch körperliche und seelische Schmerzen mit mehr oder weniger hoch gehenden Wellen an unter Krankheiten, Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung, Ängsten leiden. Mein Leiden wurde und wird vom Mutter nicht wahr- und vom Vater nicht ernst genommen. So ignorierte ich mich darin über Jahrzehnte bis es so intensiv allgegenwärtig war (wie in den letzten beiden Jahren) und ist, dass es zum Zentrum der Wahrnehmung wurde. Mitunter auch aus dem Widerstand heraus die schmerzhafte Präsenz im Körper abgeschalten in Betäubung mündet(e). Dissoziieren ist die Gnade beim Sterben nicht dabei zu sein. Die Schmerzen, Ängste, Rage des gefolterten Kindes und der vergewaltigten Jugendlichen kommen mit den Triggern und verschaffen mir Raum für den Abgrund. Mit jedem Trigger wächst meine Liebe. Ich wurde zur Laborratte meines Nervensystems geleitet von einer Seele in der gemordet, gefoltert, verraten, beschämt, ignoriert, erniedrigt, unterworfen wird. Mit meinem Selbsthass zu diskutieren funktioniert nicht. Die Welt darf (m)ich hassen. Und so todesmutig wie ich bin schreibe ich nun zum Thema „Leiden“ ganz gleich wie viel Ablehnung ich damit hervorrufe. Mehr als die Worte meines Vaters „suhl dich nicht in deinem Leid, du hattest es doch gut“ bei gleichzeitiger fehlender Erinnerung wird mich nichts treffen.

Leiden und Schmerz entstehen, wenn gegen die Prinzipien des Lebens, des Vertrauens und der Liebe verstoßen wird. Schmerz ist kein angreifender Feind, sondern ein treuer Bote, der vom eigenen Körper ausgesandt wird, um auf eine Gefahr hinzuweisen. Verstehbare, auf eine Ursache zurückzuführende, Leiden sind ebenso wie vermeidbare erträglicher als unerklärliche, unwandelbare. Schmerzen können bekämpft werden, doch das Leid kann man nicht lindern, denn die Umstände, die dazu führen können nicht mithilfe eines Rezeptes oder Konzeptes geändert werden. Viele körperliche Leiden sind auf ungelöste innere Konflikte zurückzuführen und oft das Ergebnis eines Konfliktes zwischen den eigenen Bedürfnissen und der Realität. In einer ungerechten Welt sind innere Leiden nicht zu vermeiden und zutiefst menschlich. Je gewissenhafter, sensibler und intelligenter wir sind, umso größer ist das Risiko (viel) zu leiden. Ich möchte anmerken, dass es gesund und positiv ist, Leid zu empfinden, den dazu braucht man zwei der besten menschlichen Fähigkeiten: Sensibilität und Mitgefühl. Es ist zum Beispiel unmöglich zu lieben, ohne auch zu leiden.

Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage warum wir leiden. Zuallererst leiden wir, weil wir Menschen sind. Wir leiden auch, weil wir nicht immer sonderlich bewusst handeln. Genauso leiden wir, weil wir in Gemeinschaft leben und oft Opfer der Entscheidungen oder des Verhaltens anderer sind. Und schließlich leiden wir auch aus Solidarität und Mitgefühl im Angesicht des Leidens anderer Menschen. Wir leben alle in derselben verdorbenen Welt. Folglich bleibt die Notwendigkeit das Problem des Leidens über das eigene Leid hinaus zu ergründen.

Leid begegnet einem individuell. Der Schmerz ist persönlich, noch privater als die Gedanken und Gefühle, den die sind mitteilbar, der Schmerz aber nicht. Leid stellt einen geschlossenen Kreis dar, der von außen nicht zugänglich ist und von innen nicht veräußerbar. Die Einsamkeit ist einer der Verbündeten des Leidens, der am schwierigsten zu ertragen ist. Sich auszudrücken ist ein menschliches Grundbedürfnis. Beim Schmerz ist meist ein nicht wissen, wie wir das tun können und dürfen erlebbar. Die Sprache des Leidens ist das Schweigen. Ein wesentlicher Teil der Künste ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden menschliches Leid sichtbar zu machen. Viele der Bilder und Texte die im letzten Jahr aus mir heraus kamen zeugen davon. Das aktuelle Bild oben unter dem Titel „verletzende Verboten & verbotenes verletzt-sein“ subsumiert die verinnerlichten Erfahrungen.

Das einzige Mittel gegen Leiden ist sich ihm zu stellen, es auf sich zu nehmen und die Realität zu akzeptieren wie sie ist. Unser Schwachsein ist und bleibt ein Teil des menschlichen Zustandes. In schwierigen Momenten brauchen wir Hilfe. Hilfe auf uns, genauer unsere Schmerzen zu achten, gelassen zu werden wie wir sind und im unvermeidbaren Leiden Beistand zu erfahren. Nichts kann ein Leiden so lindern, wie das Bemühen damit zu sein und es zu begleiten. Es braucht Mut das Leiden bis zum Schluss auf sich zu nehmen. Und es braucht das Bewusstsein dafür, dass Leiden schmerzhaft, fallweise unausweichlich und mit unter lange andauernd sowie letztlich tödlich ist. Albert Schweizer braucht es auf den Punkt: „Das Leiden ist für die Menschheit ein furchtbarerer Tyrann als der Tod selbst.“

Die schwierige Frage „Warum existiert das Böse?“ geht Hand in Hand mit der Frage „Warum gibt es das Gute?“. Manche religiösen und spirituellen Richtungen sehen im Bösen die Abwesenheit des Guten. Sprich relative und mehrdeutige Konzepte. Womöglich nur böse Erscheinendes und Etappen auf dem Weg zum Guten. Diese Ansicht teile ich nach allen eigenen gemachten Erfahrenen nicht. Es gibt das Böse und es hat Lust an den Qualen und Leiden anderer. Christen meinen der „freie Wille“ sprich die gottgegebene Entscheidungsfreiheit beinhaltet das Risiko, dass Menschen „böse“ handeln. Das macht insofern Sinn, weil wir sonst weisungsgebundene, gehorsame Marionetten ohne Wahlmöglichkeiten wären. Daraus folgt, dass, wenn alles Gottes Wille ist, auch das Leid teil seines Planes für die Menschen ist. Bekannt sind auch die sogenannten geistigen Kriege in denen das Böse, einem Eindringlich gleich, als großer Feind Gottes bekämpft wird und somit nicht sein Werkzeug ist. Die Bibel schreibt davon, dass Gott Liebe ist und das bestimmte Formen der Korrektur mit der Liebe Gottes vereinbar sind. Wenn Gott die Liebe ist, heißt es hat er Interesse daran uns zu erziehen, zu bestrafen und zu züchtigen. Mir wird dabei übel, weil es eine Sache ist zu korrigieren, womöglich auch zu strafen, aber eine ganz andere zu missbrauchen wie es in diesen Kontexten (wie selbst erfahren) geschieht. Religiöse und spirituelle Überzeugungen offenbarten mir sowohl das Beste als auch das Schlechteste.

Ein Gott, der im Angesicht des menschlichen Leides gleichgültig bliebe, wäre ein Monster. Für mich gibt es keine verheerendere Erklärung für das leid als jene, die es auf eine Strafe Gottes zurückführen. Es lässt in tiefe Verzweiflung und Einsamkeit versinken die Gründe für ein Leiden dem Leidenden in die Schuhe zu schieben. Man darf die Opfer nicht mit den Schuldigen verwechseln. Oft sind es nicht dieselben! Da bleibt viel mir unerklärliches in den Dimensionen des Bösen. Es hat reichlich über das Menschliche hinausgehendes, viel Unmenschliches und Übermenschliches. Die Herausforderung des Leidens ist nicht im Suchen nach Antworten zu verenden, sondern auch leidend am Leben zu bleiben, trotz allem was wir nicht wissen. Letztlich geht es nicht darum das Leid zu erklären oder zu verhindern, sondern darum es mit bewusster Präsenz zu füllen. Wenn wir mit uns selbst und dem Leiden ehrlich sein wollen, müssen wir zugeben, dass selbst unsere besten Erklärungen nicht wirklich überzeugen. Es gibt zu viele wichtige Umstände, die wir nicht kennen. Auch weil Leid neben der Unzulänglichkeit auch der Freiheit und Fülle der Liebe entspringen kann. Das erlösende Moment ist dabei nicht das Leiden, sondern das Lieben.

In Wahrheit sterben am Ende alle Menschen aufgrund des einen oder anderen Übels. Es gehört viel mehr Charakterstärke dazu, eine lange Krankheit zu ertragen als gesund zu sein. Manchmal stellt ein Leiden den Charakter auf den Prüfstand, es zerstört oder veredelt. Im erbarmungslosen Schmelztiegel des Leidens entwickeln wir, wie in keiner anderen Lebenssituation, unsere Fähigkeit, uns widrigen Situationen zu stellen und unseren Charakter formen zu lassen. Es gibt kein Heilmittel für eine Krankheit mit der man sich gut versteht. Abhängigkeit und Selbstzerstörung „befreien“ davon sich ungelösten Problemen zu stellen. Das Leiden an sich ist immer etwas Schlechtes, selbst wenn es in manchen Fällen als ein Vorrecht oder Segen erlebt wird. Leiden um des Leidens willen hat keinen besonderen Wert. Die Schmerzen und die Angst vor noch mehr Leiden lähmen. Die Spannung zwischen der Notwendigkeit sich der Realität zu stellen und der Unfähigkeit sie zu ertragen quält. Im niedergedrückten Leiden unter widrigsten Umständen lebend ermöglicht maximal – aus Verantwortung dem Leben(den) gegenüber – zu Überleben. Um weiter zu leben braucht es die Hilfe anderer Menschen! Wer leidet braucht vor allem die Möglichkeit, den Schmerz zum Ausdruck zu bringen, UND jemanden, der ihm den Raum hält, zuhört ohne zu urteilen oder eine Predigt zu halten.

Wenn du heilen kannst, heile; wenn du nicht heilen kannst, lindere; und wenn du nicht lindern kannst, tröste (mich). Die unmittelbare Linderung in einem Leiden erfahre ich durch bedingungslosen Halt und wohlwollende Nähe anderer fühlender Menschen. Wenn ich mich begleitet fühle, verhindert es zwar nicht den Schmerz, aber es hilft, die Einsamkeit und das Gefühl des Verlassenseins zu überwinden. Das größte Leid ist, alleine zu sein, nicht geliebt zu werden, niemanden zu haben. Das schönste Geschenk ist menschliche Nähe, wenn sie von Herzen kommt. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass der schlimmste Schaden, der einem Menschen zugefügt werden kann, der Liebesentzug ist.

Zum Schluss der mir meist gegenwärtige „Wunsch zu sterben“ den ich kaum in Kontakt bringen kann. Hier und jetzt ein schreibender Versuch meinen letzten Strohhalm, die Entscheidung in der Hand zu haben, nicht mehr weiterleben zu wollen. Meine Finger klammern sich daran in meinem Kampf(unfähig) mit dem Leiden. Der Wunsch, sterben zu wollen, kommt, wenn das Leben aufgrund des andauernden Leidens unerträglich, unüberwindlich zur unerbittlichen Qual geworden ist. Am Ende ohne die nötige Kraft zu kämpfen, ohne Sinn der eigenen Existenz und ohne Willen so weiterzuleben wie es die Realität ist. Sprich wenn ich endlich nicht noch länger leiden möchte, möchte ich das Recht sterben zu dürfen haben. Wenn ich vom Leiden müde geworden bin, stelle ich mir den Ruhezustand des Todes, mit dem ich die Schmerzen und Probleme zurücklassen kann, als Erleichterung vor. Der Gedanke, dass Gott seine Geschöpfe auf ewig quält, ist mit der Vorstellung eines gerechten und guten Gottes nicht vereinbar. Wenn es einen Gott gibt, der nur unser Bestes will und nicht unser Leiden, kann dies nicht im Gegensatz zu Gottes Willen sein. Den letzten Schritt möchte ich Sterbende bewusst machen, doch alle vorletzten bitte gemeinsam gehen.

Die letzten Worte kommen lyrisch auch weil mir rückgemeldet wurde, die „Gedichte“ sind noch am ehesten erträglich im von mir zu Lesenden:

Sitting at the grave

waiting for life to be

embracing the dark

these are the days

I just want to escape

from my faith.

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Black Humor writing

Zu Beginn aus vollem Herzen ein Danke für das Bildnis des Schießaltars von Niki de Saint Phalle! Es inspiriert mich zu großen Träumen und kommt auf meine Löffelliste: Mit farbbestückten Waffen auf Altäre schießen in bedeutsamen Gotteshäusern. Das wäre genial! Da spüre ich pure Lebenslust allein in der Vorstellung.

Nun zu den Einblicke ins humorvolle Schreiben, dem letzten Modul des „passion writing“ Jahreslehrgangs im writersstudion (unendlichen Dank für das Stipendium an den Kurier und alle im Team des writersstudio www.writersstudio.at). Es war ein mutiger Schritt diesen Block zu wählen, weil ich mich spaßbefreit wahrnehme. Eine Herausforderung in meiner depressiven Grundstimmung mit schmerzenden Körper nach Humor ausgerichtet zu schreiben, die mir durchaus gelungen ist. Das hat primär mit dem schwarzen Humor zu tun, der mir zutiefst eigen ist. Ein ganz finsterschwarzer Humor zeigte sich, bekam Ausdruck und hat dankbare (!) Annahme gefunden. Im kleinen intimen wunderbar eigenverantwortlich und mütterlich gütig von Gabi Höckner geleiteten Wochenblock entwickelte sich viel aus dem Tabu heraus in den Ausdruck, der sogar freudvoll bereichernd war. Mutig möchte ich nun hier eine klein wenig größere Öffentlichkeit daran teilhaben lassen.

Vorab schicke ich eine Triggerwarnung an alle die mit Aggression, Wut, Kraftwörtern ein Thema haben, lasst es an dieser Stelle. Für alle jene die mit mir Wutteilhabende sind, oder womöglich gerne wüten können möchten, nur keinen Zugang zu dieser Lebenskraft haben, genießt die Lektüre! Es ist ein Forschen über die Ränder der schwarzen Löcher.

Humor ist flüssig. Wir lächeln und finden uns lächerlich. Unsere Erbärmlichkeit ist unsere Größe. Das Leben ist nicht etwas, das ekstatisch zu bejahen, sondern komisch anzuerkennen ist. Es geht um die Schöpfung. Etwas das das Schicksal anempfiehlt, eine radikale Auslöschung von Verbotenem. Jedes die Wahrheit aufdeckende gebrochene Tabu ist Teil meiner Heilung. Wer bin ich mich mit Schweigen zu strafen, nur weil irgend jemand es tut bzw. getan hat? In Luft sich auflösende fremde Daseinsgründe. Einzig die Frage „Halte ich meine radikalen Ideen aus?“ limitiert den Ausdruck. Der höchste Wert ist es die Wertlosigkeit anzunehmen. Der Widerstand hält fest an der Abwehr. Die Annahme löst sich vom Gegner. Dann wendet sich alles dem Kriegsgeschehen selbst zu. Widerstandsmauern über Generationen erbaut, lasse ich fallen und bringe Schande über die Vorfahren. Welch eine Gefahr die Selbstentdeckung! Der Weg des geringsten Widerstandes ist der freie Fall. Annahme eröffnet den freien Fall ohne absehbare Landung. Im Widerstand zum Jenseits „Welt werden“ und Form annehmen. Ich kann nur im Widerstand zu Gott vom Größeren angenommen werden.

Zum Warmlesen ein Limerick:

Das eigene Nichtig-sein im Niemandsland des Selbst aufnehmen.
Aufsteigende Angst vor Nichtexistenz paart sich mit absteigender Existenzangst ohne Benehmen.
Unverständliche Stimmen schreien.
Die Erlaubnis nichts und niemand zu sein.
Der höchste Wert ist die Wertlosigkeit anzunehmen.

Mobilisierend folgt eine Ode an die eigene Unzulänglichkeit… ein Loblied für das Opfer

Erlegt, verletzt, beschmutzt, missbraucht so liegst du in mir dar. Ohnmächtig abwartend was als nächstes weh tut. Du brauchst nichts zu tun, weil du paralysiert im Schmerz nichts tun kannst.

Das Arme wird geschützt, getragen, gelagert in Sorgfalt und ein wenig geschont; von der Gesellschaft verschont. Es darf weinen, auch mal mehr als nur kurz. Die Tränen sind echt und da so lange es sie braucht. Es kann wüten ohne Ziel und trifft meist sich selbst. So richtet es nichts an und richtet nichts aus. Es lebt die hehre Haltung der Schuldlosigkeit und wird nicht zum Täter in der Welt. Nur an sich selbst.

Mit Jesus Christus als Vorbild lässt es sich gut für das Jenseits leiden. Du mein Opfer leidest und nichts hilft dir wirklich. Teilnahmslos an jeder Inszenierung darfst du nichts zu Stande bringen. Halleluja bald wirst du die Früchte des Ausgehaltenen ernten.

Das Rettende als ferne Illusion lässt dich abwarten und hoffen. Es geht vorbei, alles. Du kannst auf die Erlösung hoffen, wo ich hoffnungslos verzweifle. Auch wenn ich dich verberge, vergehst du nicht. Du bleibst mir als Gegenüber, wenn ein solches fehlt.

Totstellen bis der Tod eintritt. Ich denke an ein Ende. Ich bedarf eines Endes. Das Ende des unerträglichen Schmerzes. Doch du bleibst, verkörperst und suchst es. Wirst du mich im Übergang begleiten? Gar wehrlos leiten?

Für alle die noch mehr lesen wollen eine humorige Kurzgeschichte:

Gott*Göttin in der Therapiestunde nach einer göttlichen Verzweiflungstat

GottGöttin seufzte, furzte, fluchte… seufzte über seine Schöpfung, furzte auf die eigenen (10+) Gebote und fluchte über den freien Willen. Dann drückte ersiees auf den roten Knopf mit der Aufschrift „great reset“. Ein kosmisches Gewitter ohne Anfang und Ende zog alles Materielle zusammen. In sich selbst hinein – Menschen veräscherten in Sekundenbruchteilen – und zueinander. Alles strebte in Lichtgeschwindigkeit dem nächsten schwarzen Loch zu. Zurückziehen, zusammenziehen, versammelt werden. GottGöttin sammelte sich. Der Krümel seiner Schöpfung „Erde“ genannt wesenleer eingeschmolzen mit samt der explodierenden Sonne im temperaturlosen schwarzen Loch. Verdichtet zu einer schwarzen stecknadelgroßen Perle blieb etwas übrig.

Gott*Göttin seufzte, furzte, fluchte… seufzte über seine eigene Zerstörungskraft, furzte auf neue Visionen und verfluchte sein Schöpfertum(n). Es reicht. Nichts mehr. Nie mehr. Niemand. Nichtexistenz und Intelligenzbefreiung! Schrie es im Nichts, das er darzustellen versuchte. Existenzielles Nichts. Die schwarze Perle hielt den göttlichen Schallwellen stand und blieb in nanopartikelgröße zusammengeschrumpft fester Bestand. Eine Vollblockade festhaltender Existenz, wie ein letzter Samen aus dem wieder Schöpfung entstehen könnte. Widerstand klein beharrlich, reglos. Präsenz als Rebellion gegen Gottes Wort.

Gott*Göttin seufzte, furzte, fluchte… seufzte über seine Ohnmacht im realisieren der Nichtexistenz, furzte in Richtung des Verstecks des Etwas und fluchte in einer Tour: Nichts gelingt, nicht einmal das Nichts. Irgendetwas hört immer nicht zu. Irgendwer bin ich immer. Es reicht! Ich will nicht mehr. Ich will nichts mehr. Sterben, bitte bitte bitte lass mich los. Entlasse mich aus der Schöpfung.

Seither durchbohrt unendlich klein auf überabzählbar vielen Bahnen eine schwarze Perle Gott*Göttin. Schmerzhafte Unsterblichkeit… das nichts bleibt Utopie. Die Grenzen des Schöpfers ist die Nichtexistenz.

Als mein persönlicher Höhepunkt, hervorgebracht nach ausgiebigen Schimpfvorbereitungen, eine hasserfüllte Schmährede:

Liebe Mächtige hier spricht die Ohnmacht zu euch!

Ihr widerlichen Wund-erwirker und scheinheiligen Wunder-wirker zuerst lasse ich euch warten und zwinge euch die wortbefreite, lösungslose, stille Zuhörerposition auf… .

Dann sperre ich euch in künstlich geschaffene Plastikeinzelhaftzelte zu eurem eigenen Schutz.

Ihr Macht- und Unrechthaber euer Wohl liegt nun in den Händen der taub-blinden Galgenbauer. Vom Volk der Richter und Henker bekommt ihr Kopfhörer die euch mit Lärm beschallen, wenn nicht gerade meine salbungsvollen Worte zu euch vor dringen.

Ich verabscheue euch auf allen nur erdenklichen Ebenen. Euch vertrauen ist Komplexitätsreduktion. Ich bin lieber ein labiler hilfloser Forscher als ein stabiler machtgeiler Trottel. Verruchte Humanitäter eure Westen sind besudelt mit Kinderblut. Ihr schmerzgeilen Gierschlünde kauft und verkauft Existenzen. Von eurer eigenen Scheiße sollt ihr leben.

Ihr Machtbolzen im Dauergrinsen, nun wird es euch vergehen. Falls ihr betäubten Machtjunkies noch nicht ausgenüchtert seid, kommt ihr jetzt auf Entzug. Kernlose Fasadenpfleger und ahnungslose Regelhüter werden euch kitzeln, wenn ihr einzuschlafen droht. Zur Not an euren triebgesteuerten Pimmeln. Zwischenhändler des Geistes ihr selbsternannten Geistlichen werdet es wohl genießen. Erinnert es doch an euer pastorales Scheinleben in den syphilisbehafteten Riten. In der Verteilung der Oarschlochpunkte steht ihr bei mir an oberster Stelle. Dicht gefolgt von all den wegschauenden verantwortungslosen Weltenbeobachter*innen.

Ihr Narzissten an höchsten Stellen voller Ellbogennaturell, die ihr uns ohnmächtige Masse dazu zwingt euch zu dienen, euch gilt meine hasserfüllte Ohnmacht. Selbst die Kinder wollt ihr in entmenschlichten Gefängnisanstalten zu eurer Gunst ausbilden. Nun hört ihr ihr Wehklagen als Hintergrundchor begleitet von winselnden zahnlosen Versuchshöllenhunden.

Nur ein kleine lange Weile, dann kommen die spritzenden Unwohltäter aus der Riege des Pharmazeuten. Sie lieben es chronisch krank zu halten, diese ballkleidtragenden Vielfliegerinnen. Giftspritzende geile Geldmasse. Dekorateure des Untergangs euch meine ich. Für die Frauen unter euch, die gefühllosen Genitalien dürfen hier und heute, zum wohl ersten Mal, ausbluten. An der eigenen blutigen Wahrheit beißt ihr euch jetzt die akkuraten schneeweißen Kunstzähne aus.

Hier am Schlachtfeld meiner Ohnmacht gibt es keine Mikroaggression. Es geht richtig zu Rachesache mit einer Videosequenz vom Feinsten: Genitalverstümmelungen als bezahlte Werbung für Unterdrückung von der ersten Minute an.

Ihr Sinnlosigkeiten kaufender Abschaum, wertvernichtenden Bürokraten, saukopferten Befehlsempfänger ich gönne euch eine Charityminute Stille…

Nun zwinge ich euch wieder meine Ohnmacht auf. Genau so wie ihr es Jahrtausende vorgelebt habt. Unterdrückung vom Feinsten für den kriegstreibenden mächtigen Abschaum hier. Ihr spermagerüchigen Bußabnehmer, schleimigen Verordnungsschreiber die uniformierte Spatzenpost wird euch nun einzeln in Stücke beißen und zu verzehren versuchen.

Hmmm ich rieche die mir wohlvertraute Todesangst. Urnenparty! Hebt die Gräber für die Machtmissbraucher aus!

Entleerung, wer hat sich hier angepinkelt? Einer der bezahlten Beitlschlecker unter euch Ehrgeizhälsen. Gratuliere gewonnen ihr kommt schneller zum Tod, seid zuerst dran. Ihr Lochbenutzer für eure schwanzgesteurten Bewegungen euch gelten meine vorletzten Worte: Das hat nichts mit Vereinigung zu tun. Es ist ein Übergriff.

Ich kotze mich aus im Eisprung Gottes. Ihr verpfändet für ein Selfie die Zukunft eurer ungeborenen Kinder und nun krepiert endlich auch mein letztes Mitleid mit euch. Neoliberale Leistungsleichen vom Rest eurer Macht wird nichts bleiben, weil meine Ohnmacht jetzt gleich abtritt. Dramatiker unter euch mit dem Motto „das größte Drama bekommt die meiste Aufmerksamkeit“ euer Verwesen wird ausgestellt. Gehabt euch Unwohl zu meinem Wohl!

Und zu guter Letzt für die ganz mutigen harten Humorknochen ein Moritat (Schauer-Ballade):

Anstellen für die Kreuzigung,
freiwilliger Zulauf in Vereinigung.
Todessehnsucht gepaart mit Lebensüberdruss,
ersehnte Erlösung im Paradies als Vorstellungsgenuss.

Frauen werden aussortiert,
und als Sklaven zum Dienen deportiert.
Mädchen werden bevorzugt behandelt,
und als Waren gehandelt.

Männer werden aussortiert,
und als Arbeitskräfte dekoriert.
Jungen werden ausgewählt,
und als Kandidaten vorgestellt.

Es brüllt „nein“,
diese Angst finden sie fein.
Gefesselt vermessen,
sein Leben ist zum Vergessen.

Nacktes Zittern in Zeitlosigkeit,
unsere Augen treffen sich in der Ewigkeit.
Ich sehe hin nicht weg,
und spüre den dichten Dreck.

Ans Kreuz gebunden,
den Kopf nach unten gedreht vorgefunden.
Nägel in blutleere Glieder geschlagen,
mein Herz schlägt mit seinem Versagen.

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Der freie Tanz der Affen

Über Verstandeswirren, Liebessehnsucht, Spürbewusstsein und Klarheit fühlen

Mich selbst bewahren und darbringen!

Alles und jeden empfangen, vor allem mich ohne Barrieren!

Ein Sklave ist jemand, der darauf wartet, dass jemand kommt und ihn befreit.

Erwartungen sind oft Ursprung von Enttäuschungen.

Was bleibt sind bewusste Intentionen und Offenheit.

Egal was ist, es gilt die Reise so wie sie ist zu akzeptieren.

Die Freiheit in mir erlaubt keine Grenzen, die nicht deine sind. Die Grenzen im Außen sind ein schlecht gespieltes Spiel, dem ich mit Wahrheit begegnen kann. Selbst wenn dies im Spiel Lüge bedeutet. Der Lüge mit einer Lüge zu begegnen, um Wahrheit hervorzubringen ist legitim. Jedes Gesetz zieht Verbrechen nach sich. Wer war zuerst da? Das Gesetz oder der Verbrecher?

Ich fühle Wut. Der Selbstwert entscheidet darüber, ob Ärger produktiv oder destruktiv eingesetzt wird. Ich kann mich und andere nicht verteidigen, wenn ich nicht bereit bin zu kämpfen und zu töten. Auch nichts sagen kann andere töten und Teile von mir sterben dabei auf jeden Fall. Der vermiedene Kampf ist der einzig sichere Kampf. Der geht sicher verloren, man selbst geht verloren und die anderen auch. Kämpfen und töten können – nicht müssen – macht stärker. Kämpfen ohne (selbst) verletzen geht das? Liebe und Kriegerin sein ist das möglich? Kann man/ich in Liebe töten? Zusammensein, braucht das Schutz? Liegt hinter jedem Schutzbedürfnis eine Angst? Mein Verstand meint ich werde nicht darum herum kommen zu verletzen, verletzt zu werden, Schaden anzurichten und Fehler zu machen. Herz was soll ich machen statt Kämpfen?

Jeder Versuch das psychopathisch getriebene Spiel zu verstehen scheitert. Verrücktes verstehen zu wollen führt in den Wahnsinn. Für Frieden zu kämpfen ist wie für Stille zu schreien. Ich brauche eine stärkere Medizin als Wut, Empörung, Drama, Unterdrückung und ohnmächtige Helfer. Ich brauche für die Verwirklichung der Freiheit die Freiheit der Anderen! Der Ausgang ist die Umkehr des Eingangs. Wenn der Eingang Abwehr heißt, nennt sich der Ausgang Annahme. Mein Geist ruft eindringlich: Denk nicht an die Anderen, fühle (nur für) dich! Annahme findet nicht in Gedanken, sondern durch fühlen im Erfahren des eigenen Körpers statt.

Die zentrale Frage ist: „Halte ich es in mir aus?“. Dieses „JA ICH DARF GESCHEHEN“ ist mit jedem Atemzug relevant und macht den erlebten Unterschied. Ich darf Hemmungen haben, schwach sein, Grenzen setzen, Angst erleben. Alles in mir darf sein. Da ist theoretisch nichts ist in mir was nicht enthüllt werden darf. In den Abgründen der Seele, im Verborgenen, Verdrängten, Unterdrückten wohnt vielleicht auch Gott in mir. Ich bin in meiner menschlichen Ohnmacht, die Krankheiten und die Depressionen loszuwerden, in Gottes Hand.

Depression entsteht, wenn die Lebensenergie gedrosselt, unterdrückt und gegen sich selbst gerichtet wird/ist. Auch sie darf sein, weil sie allgegenwärtig ist. Ich darf tief in ihr sein, in ihr (aus)ruhen und nichts sein. Depression und Erschöpfung sind keine Schwäche, sondern ein „zu lange stark“ gewesen sein. Ein Zustand wo man lieber schläft als die wache Realität zu erfahren. Die Zeit des Schlafens ist besser, weil ich jedes Mal wieder in einen Alptraum aufwache. So schlafe ich mitunter in meiner Dauererschöpfung die Schmerzen weg nur um mich nicht unentwegt beim Wahrnehmen meiner selbst anzustrengen. Im Wachsein ist da mitunter ein eisiges Nein des Ekels zum Leben. Wenn ich etwas tue aus reiner Lust, ist ein anderer Teil von mir angeekelt.Gibt es Erregung die nicht schadet?

Ärzte werden mich nicht heilen, Therapeuten werden mich nicht gesund machen, Medikamente werden mich nicht auskurieren, nichts davon wird mich besser machen. Es reicht ein Mensch der mich ganz sieht, annimmt und hält. Ich tue weh im Hinschauen und Dasein lassen. Nur ich kann mich damit heilen in dem ich mich sein lasse… in der Sackgasse und im Niemandsland. Endlich die Erwartung aufgeben, dass mein Leid zu teilen etwas bewirken würde, wenn es doch darum geht es zu selbst zu erfahren und mich damit zu bejahen. Wenn ich keinen Ausweg mehr habe und kapitulieren kann, dann geht das mit dem Entspannen. Auch eine Mauer steht einfach nur da ohne sich zu erklären bis sie zerfällt.

Weitung bedeutet den Schmerz der Enge zu erfahren. In meinem Fall zieht es sich kreisend zusammen: Die innere Kritikerin wertet mich ab und setzt mich unter Veränderungsdruck. Die Rebellin tritt auf den Plan und wehrt sich mit Auflehnung. Das führt mich ins innere Kind woraufhin ich wieder die innere Kritikerin höre. Ein Teufelskreis. Wenn ich ehrlich bin, bin ich anstrengend und eine Zumutung. Vor allem für mich! Da ist so viel Gewalt und Schmerz zu fühlen und zu spüren in der Auseinandersetzung mit mir. Ein grausames hin und her und Energie verschwendendes zick zack aus Einsamkeit und Nähe nicht aushalten können.

Das wogegen mein Mensch sich ganzkörperlich sträubt, ist die Wehrlosigkeit. Ich habe noch nie bewusst Hilflosigkeit gespürt obwohl ich es dissoziiert oft war. Ich kenne nur die Angst davor und die Abwehr dagegen. Am meisten wehre ich mich gegen die Liebe, denn sie ist der Schlüssel zur Wehrlosigkeit in mir. Die Liebe macht mich hilflos. Und da ist gleichzeitig eine Sehnsucht nach diesem liebend wehrlos sein mit der Gefahr wieder (schwer) verletzt zu werden. Ich sehne mich so sehr nach liebevoller Gegenwart, die nichts will und alles von sich gibt. Ich brauche eine Liebe in der ich da bleiben kann mit meinem Schmerz und der Abwehr. Körper an Körper emotional verbunden da sein, bleiben und spüren. Wehrlosigkeit ausprobieren und vielleicht die befreiende Annahme in der ausgelieferten Unfreiheit des Verbundenseins erleben. Als Erwachsene einfach nur empfangen wie ein Säugling die Muttermilch fürchtet und sehnt es in mir. In absoluter Abhängigkeit die nährende Liebe der Mutter empfangen, würde die emotionale Unterernährung aufheben und den Kreislauf der Liebe schließen.

Doch wenn ich tatsächlich geliebt werde, kommt manchmal so viel an die Oberfläche, dass ich mich lieber hasse als zu lieben, weil ich so das Hochkommende verschließen kann, bevor es mich überwältigt. Ab einem bestimmten Maß an Nähe fühle ich Todesangst, so dass ich das Gefühl habe „ich muss mich damit isolieren“. Ich möchte dann eigentlich, dass der Andere da beleibt, aber die Isolation sagt mir „ich bin ohnehin alleine und kann nicht in intimen Kontakt sein“.

So kommt die zentrale Frage wieder ins Spiel: Möchte ich wirklich ganz mit mir selbst in Kontakt kommen, oder möchte ich nur mit mir in Kontakt kommen, um mit jemand anderem in Kontakt sein zu können? Diese brennend, harte Frage lüftet selbst in der Zuwendung zu mir die versteckte „um zu jemand anderen zu gelangen“ Absicht. Wer bin ich ohne irgendjemand und ohne Kompromisse? Antwortlos realisiere ich die Vergeblichkeit des Strebens und kann wirklich aufhören an mir Beziehungsunfähige und Bindungsängstliche herumzuwerkeln. Da ist sie die Scham eine große verborgene Macht samt unterdrückter Fühllosigkeit für meine Ohnmacht. Liebe unerreichbar und Begehren verboten. So leben mich meine Traumatisierungen im schamhaften Rückzug meines fehlerhaften Einzelfalls als peinliche sex- wie lieblose Ausnahme. Ich spiele schon mein ganzes Leben mit meinen Wunden. Nun ertrinke ich halt auch in meinen Wunden und das ist okay, besser als sie zu überspielen.

Vom eigenen Bewusstsein hängt ab, welche Entwicklung, Räume und Erfahrungen möglich sind. Wovon du dich abwendest – auch das Leben – zerfällt. Ohne Energie hat nichts Bestand in der Welt. Wir sind Staub mit Bewusstsein. Warum sollten wir uns vom Staub trennen? Ja ich habe eine Traumaidentität und kann sie nicht loslassen. Ich kann den präsenten physischen und emotionalen Schmerz nicht aus mir heraus lösen und Hingabe und Vertrauen realisieren. Die Wunden sind und waren da, um mich aufzuwecken und bewusster zu machen. Mich verwundet sein lassen und schauen was das Leben bringt wie nimmt. Fühlen und spüren so gut es geht und mit den alten aufbrechenden wie heilenden Narben nichts tun. Still mit mir sein, mich erlauben, meinen Grenzen begegnen und Räume erschaffen die mir gut tun. Den Schutz anerkennen, meine Form annehmen und erforschen was in meiner (fehlenden) Energie machbar ist.

Kunst ist eine Möglichkeit um Erstarrungen zu lockern, den Empfindungskörper anzusprechen und sich mit dem eigenen Leben zu verbinden. Mich von außen bewegen, tragen und anregen lassen, um die inneren Möglichkeiten die Wahrnehmung zu gestalten zu erweitern. Inneres Erleben wach und sichtbar gestalten durch die Verbindung mit dem Empfinden. Den Empfindungskörper in der Existenz lebendig halten. Das Leben ist der unmittelbare Ausdruck des Schöpfers und deshalb aufzunehmen, zu achten und zu schützen. Empfangen heißt das Prinzip (über)menschliche Hilfe in Demut anzunehmen.

Mich bejahen und in die Trauer über das Sosein hinein sinken. Das Fehlende genauso wie Verlorene der Liebe zu- und loszulassen.In den Beziehungen liegt der Tempel des menschlichen Wesens. Am meisten brauche ich in den dunklen Nächten der Seele das Gehaltenwerden im alles erlaubenden Gastgeber. Wer liebt mich genug, um mir den Raum zu halten und mit mir da zu bleiben wo ich (nicht) bin? Das Weibliche in mir gehalten erfahren, als tiefes Mysterium anerkannt erleben, mit der offenen Brust nährend, schützend, geborgen mich erfahren. Das schönste und schlimmste was mir passieren kann ist die Liebe. In menschlicher Person im Vollausdruck meinend, sagend, lebend, spüren lassend, zeigend „ich bin für dich da“. Es könnte der energetische Tod sein und mich auslöschen oder auch erst wirklich gebären. Und dennoch will ich es empfangen, erleben, aufnehmen. Das Alte tun und sein funktioniert nicht mehr und das Neue ist noch nicht da. Ich bin im Niemandsland. Alleine bleibe ich darin stecken! Wer hält mir die Hand, wenn alles innerlich zusammenfällt?

Wo kann ich letztlich bleiben? Nur bei mir selbst! Wo kann ich mich entfalten? Nur in mir selbst! Ich brauche meine Neins, um die Jas wieder spüren zu können. Reifes Menschsein bedeutet alles zu fühlen und alles zu sehen. Kein wegsehen, nichts heranziehen und niemanden ablehnen hat als Ergebnis ein ganzes Dasein. Ein dem Leben anvertrautes, stilles Einvernehmen mit jeder menschlichen Regung. Freiheit ist alles zu erleben was auftaucht und nichts mehr abspalten zu müssen. Spüren und erfahren statt wollen und nicht wollen. Hinter vielem meinem Wollen und Nichtwollen liegt Verletzung. Jenseits davon findet sich vielleicht das Heile. So gesehen ist nichts unheilbar, wenn ich mir wertfrei begegne.Wertfrei würde ich den Sterbeprozess genauso schätzen können wie den Geburtsprozess. Wenn das „es recht machen Wollen“ fällt, fällt das Gefühl des „falsch Seins“. Falsch sein ist die Verführung und das recht machen Wollen die Lüge! Mein Lebensgefühl des falsch Seins wurzelt in der Idee es richtig machen zu können!

Möchte ich mich mit einer Idee von falsch und richtig selbst beurteilen? Nein! Also wahrnehmen und spüren was ist. Wieder den Widerstand meiner Wahrnehmung gegen mein einfaches Sosein. Mein ganz simples Leiden war/ist, mich anders haben zu wollen, als ich bin. Um mich mehr zu mögen, um mich weniger schmerzend vorzufinden, um okay zu sein mit mir. Und um mich – auf der tiefsten Ebene – verbunden zu fühlen.Welch ein Schleierfall des Bewusstseins anzuerkennen, dass ich niemals meinem Ichsein entkommen werde. Weil ich es nicht kann. Das enthebt mich allem weiteren Streben nach dem Unmöglichen. Ich werde mich niemals so erfahren, wie ich mich „besser“ oder sogar „vollkommen“ wünsche. Das lässt fallen und einsinken in mein ein-faches Dasein als Ich-selbst. Mehr muss nicht sein. Mehr muss ich nicht wissen, um mich etwas zu entspannen, sodass ich mich sein lassen kann, wie ich eben gerade bin. In diesem Entspanntsein ist auch Platz für jedes Unentspanntsein. Was für ein Ausatmen!

So bekommt das ganze Spektrum der Polaritäten Raum und ich erfahre mich als Barbara. Genau so. Manchmal intelligent mit weisen Worten und großen Beobachtungen und manchmal tief berührt vom Kleinsten und Einfachsten und Jedem und still und schweigsam und betroffen. Das Leben ist unfassbar und ich selbst bin es auch. Momente der Erleichterung wo kein Widerstand mehr gegen die Ich-Erfahrung ist, wie sie ist und ich mich genau so zeigen kann, wie ich bin. Ob das irgendjemandem gefällt oder nicht. Das ist Erleichterung ohne doppelten Boden. Es ist eine bodenlose Bedingungslosigkeit. Momente des nicht mehr vom Leiden an mir selbst geplagt nur mehr pure Traurigkeit und Schmerz erfahren.

Akzeptanz und fühlen des Schmerzes, meiner hilflosen Realität, die jahrzehntelang verbotene Trauer über all den zu körperlich ausgehaltenen Qualen aus der Abspaltung schmelzend tropfenweise bewegen. Ich komme zurück in den Körper und komme als Körperin hervor. Damit in Beziehungen auftauchen und Liebe für meinen abgrundtiefen inneren Kampf erfahren ist das Neue. Mein Schmerz ist die nach innen angestaute Wut, der Hass, der Ekel, letztendlich sogar auch meine Kraft und Macht, von denen ich Angst habe und mich abwehre. Indem ich das wahrnehme, mich damit mitteile, gesehen und angenommen werde, kann ich mich selbst immer mehr so nehmen, wie ich bin. In die emotionale Verwirrung erlöst sich „das Böse“ in mir zu dem, was es ist: ein Teil des Ganzen das ich bin. Haltlos realisiert die Haltsuche, dass mich nur die Ganzheit halten kann. Ein Universum für die Ganzheit meiner Affen, zum freien tanzen – zum befreiten tanzen. Ich danke der Leserschaft ohne Ende für ihr immer noch mit mir sein.

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Als ich das erste Mal…

Ein vertrauter Mensch… den Suche ich. Meine Mutter war die unberechenbarste, unzuverlässigste Frau, die ich mir auf der Erde aussuchen konnte. Sie ist die personifizierte Grenzüberschreitung, das Gift in meinen Venen. Gewaltsam, narzisstisch, gefühllos… gefangen im sich selbst nicht spüren und ihr Denken sein. Nur Not in ihrer Gegenwart – ungefühlt, ungespürt, unreguliert, im besten Fall ignoriert werden. Alle Notfallmuskeln sind selbst haltend angespannt. Nur weg! Wegkrabbeln zuerst, weglaufen später, in die Arme von wem auch immer. Und sonst ersticken, erstarren, ausgeliefert in mir unzugänglich da sein erleben. Bis ja bis sich die Tür öffnet und ich aus dem Körper raus kam. Immer öfter, immer dauerhafter. So erlöst mich meine Abwesenheit vom Unerträglichen der eigenen Anwesenheit. Der eigene Körper wurde zunehmend ein fremder, missbrauchter, verlassener Ort.

Freiwillig krabbelte ich in fremde (un)menschliche Schöße. Als ich das erste Mal Sex hatte, konnte ich noch nicht schreiben. Keine Ahnung wann der rituelle sexuelle Missbrauch begann und ich meine Unschuld verlor. Auf jeden Fall konnte ich noch nicht für mich sprechen. Da sind Körperempfindungen und aufblitzende steckenbleibende Bilder ohne verfügbare Worte. Von Beginn an ausgehungert nach zugewandter Einstimmung, das Nervensystem im Daueralarm, waren meine Erregungsknöpfe leicht drückbar. Ein erst paradiesisches Erleben von endlich den fehlenden Kontakt gestillt bekommen, ehe es kippte und die ersehnten Verbindung übererfüllt alles flutete und mich überwältigte. Zu viel Emotionen, zu viel Gefühl, zu viel Körperlichkeit, zu viel Berührung… ich konnte gefühlt nirgends hin mit dieser Fülle, die durch mich wallte. Lustschmerz bis die enorme Erregung mich aus dem Körper schoss. Dann war sowie so alles mit mir machbar. Auf der anderen Seite war da niemand, der mich erwartete. Ich war ein willkommenes Opfer, verfügbar und erfahren im schmerzerfüllten Sein. Ich war auch sexuell erregt. Seltsamerweise war es einfach grausam, und es war auch schön. Jeder Mensch suggeriert: Missbrauch ist nur grausam und man muss ihn nur grausam finden. Wenn es grausam war, kann es nicht auch schön sein, und wenn es schön war, kann es nicht auch grausam sein. Es gibt beides und etwas dazwischen. Genau das beschreibt meinen Schmerz, meine Zerrissenheit und ist die Ursache des andauernden Schamgefühls für alles Lustvolle.

Als ich das letzte Mal Sex hatte war ich eine von wenig Alkohol betrunkene Jugendliche, rätselhaft abwesend im blackout. Das danach Aufwachen offenbart nur ein erinnerungsloses fremdgefoltert worden sein. Ich konnte schreiben und sprechen. Ich habe die Berührungen zugelassen. Mein nein war nicht verstehbar. Ich fühlte mich danach so alleine, einsam, hilflos, pervers, ekelhaft und total falsch; vor allem meinen Körper. An die Stelle von theoretisch erlebbaren positiven sexuellen Gefühlen sind Ekel hervorrufende, traurige und machtlose Empfindungen gerückt. Das innere Kind besteht nur noch aus Verwirrung und Angst, gefangen zwischen den Gefühlen, die so vielfältig und laut in mir schreien.

Die Erwachsenwerdende war in allem Körperlichen und Emotionalen komplett überfordert. Doch der Verstand war gut ausgeprägt. Und so beschloss er radikal Grenzen zu setzen: Nie mehr Kontrollverlust, Autonomie! Ab jetzt ist Kontrolle angesagt. Über alles was kontrollierbar ist, also ich selbst. Kein Alkohol mehr und keine Männer. Ich kann das nicht was sie Liebe, Beziehungen, Hingabe, Anvertrauen nennen die Menschen. Lernen, mehr Sport, das Essen auch gleich regulieren. Jedes Wort, jeden Blick den ich aussende auf die Goldwaage legen. So wie ich eigentlich bin den Menschen vorenthalten. Nur mehr das allernötigste von Innen nach Außen geben. Mich lieber so geben wie ich denke, dass sie mich gerade so verkraften können. Alleine ist es sicherer. Einsam zwar aber der Körper lernt schon damit umzugehen. Ja er lernte es. Harte Muskeln, klarer Blick, lernendes Gehirn, kontrollierende Instanzen in der eigenen Führungsriege. Studieren, arbeiten, lernen, lehren, sporteln, hungern, helfen, funktionieren in der Welt. Ich habe es gelernt außer mir zu sein. Der Versuch mich aufzulösen unter dem eigenen Druck ist aber gescheitert. Besser war es also nicht.

Als sexuelles Wesen musste ich meine Unschuld opfern. So bin ich sexuell kindlich nicht erwachsen geworden. Als biologisch Erwachsene versuchte ich meine Schuld mit Selbstkasteiung und Kontrolle abzutragen. Selbstverraten verlor ich endgültig die Unschuld, weil ich mir selbst die Schuld für alles was mir passierte gab und mein Sein verurteilte. Schuldig machte ich mich an mir und war meine eigene Richterin. Der nackter Körper drückt alles für mich aus. Die erfahrenen Qualen, die Selbstgeißelung, die Schmerzen der fremden und eigenen gespielten gewaltigen Musik, die verzweifelte Suche nach etwas Erlösenden. Ein Neues in meinem Körper sein bei dem ich raus darf, rein kann. Ein menschlicher Ort an dem sexuelle Energie aufsteigen kann, Sexualität im Eingestimmtsein erlebbar ist, und gemeinsam berührt zur Ruhe kommen geschieht.

Jetzt bin ich in meiner Vergangenheit verkörperte Not. Und treibe mich an zurückzufinden in den Körper. Gleichzeitig ist da Schmerzabwehr und Widerstandsnot. Dennoch die Räume der Außerkörperlichkeit verlassen und die Türen in den Körper suchen. Ganz etwas Neues ausprobieren, wie nach Jahrhunderten ein altes, verlassenes Schloss wieder begehen. Alle Zeichen des Verfalls sind zugegen: Viel überwuchernde Natur, verfallene Mauern, fensterlose Räume, kleine lautlos umher huschende Wildtiere, fehlende Dachschindeln bezeugen große Löcher, bei Schnecken endende Schleimspuren, Wendeltreppen ins Nichts. Es ist zu einem wuchernden, undurchschaubaren, kafkaesken Schloss geworden. Ein Pfuscherei mit windigen Anbauten und doppelten genauso wie fehlenden Böden. Ein von Machtstrukturen durchzogenes und durch unterschiedlichen Instanzen überwachtes seltsam mutiertes Panoptikum. Ein Ungetüm, für das ich nicht zur Verantwortung gezogen werden möchte.

Alles theoretisch Vertraute, zu mir Zugehörige, ist von Fremden Geglaubtes. Die Sehnsucht blieb, das innere Flehen nach Loslassen, Vertrauen, Verbindung ohne Gewalt. Ich suchte sie bei so vielen. In mir soll ich sie suchen. Dafür müsste ich in mir sein und bleiben können. Mein Körper ist ein traumatisches Schlachtfeld. Darauf genauer darin spielen sich Weltkriege ab. Dort soll ich den Weg rein finden? Der Weg löst sich schon auf, wenn ich nur einen Schritt mache. Die Überflutung im Kriegsgeschehen hilflos bezeugen. Ich kann das nicht. Ich kann mich in mir nicht alleine aufhalten. Hilfe, etwas in mir brüllt unentwegt um Hilfe. Ich höre es, hilflos. Wie heilt ein Mensch ohne zugewandte Menschen. Ich bin krank und was die Nöte brauchen ist Verbindung, Zuwendung, Liebe.

Berührung ist die Tür zu mir. Berührung fühlen und spüren. Atmen und mitbekommen da ist wer und ich bin auch da. Langsam noch an der Hautgrenze prickelnde Unruhe bis Faszination wahrnehmen und dann da sein in mir. Berührbar bin ich auch über einen Blick und doch ist der Hautkontakt erleichternd. Die permanent bestehende Not mir Halt und Funktion geben zu müssen bekommt eine Pause. Eine Pause vom nach Verbindung suchen da draußen bei den Menschen, weil ich nur durch sie mit mir selbst in Verbindung komme. Lebendigkeit ohne permanente dissoziierte Erregung und ohne angestrengt etwas dafür tun zu müssen. Selbst mit Schmerzen ist dann eine Ruhe da, die sonst unzugänglich bleibt. Erleben und erlauben mich zu fühlen und zu spüren wie ich in Kontakt bin. In Not auf der Suche nach Linderung. Wenn ich mich habe, für einzigartige Momente ganz in mir mein Dasein erfahre, dann spüre ich Menschsein. So erlaubt der Körper in mich einzukehren. Bis die Berührung wieder weg ist und ich aus mir raus falle. Meist früher als später. Dann lädt sich die Anstrengung wieder auf und der Druck des mich halten müssen und nicht alleine aushalten Könnens prägt das Leben.

Mich zuzumuten und vollumfänglich hinzugeben fällt mir so schwer. Mich in mir mit dir vereinen ist flächenbrandgefährlich. Unzählige Wächter wollen mir die Liebe nicht mehr zumuten. Sie wollen vor unangenehmen Gefühlen und Körperempfindungen schützen. Der Verstand denkt ich brauche Unmengen an Schutz vor den Gefühlen, die in Beziehung hochkommen können. Es denkt, die Sexualität und die Liebe sind eine zu große Belastung. Verzweiflung, ich halte mich schreibend am Stift fest. Die Tränen fließen. Es schüttelt mich. Bilder, Sätze, Situationen aus meinem Leben. Wer bringt mir Entspannung? Du willst zu viel! Die anderen sind ohne dich besser dran. Herzrasen und dieser tiefe Wunsch nach einem Menschen, der mich wirklich und wahrhaftig ebenbürtig an seiner Seite haben will. Mir dort wo wir sind Raum, Zeit, liebevolle Zuneigung, echte Wertschätzung und Interesse einräumt. Mich zu mir lockt und geduldig einbezieht.

Ich kann mein zerstörtes Schloss nicht alleine wieder beziehen. Die Fundamente zu verändern braucht einen gemeinsamen Kraftakt. Vielleicht ist ja auch ein Abriss und die Auflösung von allem besser. Eine Ruhestätte für bewusstes Verabschieden. Ein Friedhofsgelände, wo ausgediente Vorstellungen zu Grabe getragen werden. Wo mein toxisches Schlachtfeld einfach kurz und klein geschlagen den Flammen übergeben wird. Wie auch immer: Alleine kann ich nicht lebendig werden. Ich brauche euch präsente, mitfühlende, achtsame, ehrliche Menschen! Und ich brauche in mir mein Mitgefühl, meine Achtsamkeit und meine Wahrhaftigkeit. Brüchige Mauern berühren, die Risse fühlen. Wer ist mit mir dazu bereit? Wer kommt und bleibt? An wen kann ich mich wenden? Mit wem endet meine Einsamkeit? Wer liebt genug, um bei mir zu bleiben?

Für die Liebe brauche ich Liebende und meine unauffindbare Liebe. Wann liebe ich das erste Mal? Im inwendig Lauschen ist klar, dass ich auch die Liebe zu mir selbst unterdrücke, weil da die Überzeugung ist, ich hätte sie nicht verdient. Ich müsste anders sein, um mir das mich lieb haben zu erlauben. Da habe ich mir als Jugendliche ordentlich die Bremse reingehauen aus dem Erleben, dass sich andere abwenden, wenn ich so bin wie ich bin. Alles Eigene auf das Mindestmaß reduzieren und in mir festgemacht. So spürte ich nicht mehr so viel und die anderen werden nicht verschreckt. Eine andauernde Selbstverletzung. Kann Lieblosigkeit heilen? Darf es um mich gehen?

Es geht um mich. Um das nicht alles fühlen wollen. Das ist umzukehren, um mich entwickeln zu lassen. Mein Verstand will immer bereiter sein und der Körper kommt mit dem, was ich mir wünschen, gar nicht klar. Das System erscheint unanpassbar wie ein wahrhaftig scheues Reh, dass nie als eine Löwin wandeln kann. Oder ein Bruchbude, die nur zum Friedhof taugt ohne je im Glanz erstrahlen zu können. Meine Wahrheit hört man in den Pausen, sie hält den Angriffen des Verstandes nicht stand, sie zieht sich einfach zurück. Sie kann und will sich nicht verteidigen oder erklären. Sie existiert mehrheitlich im Jenseits und mein Körper im Diesseits. Wahrheit in mein Leben lassen ist viel schwieriger als die Fakten zu kennen. Möge ich bald zu mir finden und mit all dem Vielen verbunden bleiben. Und womöglich erfahren, das ich anderen helfen kann, wenn ich komplett ich bin und mit allem was ich spüre und wahrnehme existiere.

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Der nackte Spiegel

Wer bin ich wirklich? Was wäre schön, wenn es bliebe?

Wie mache ich das eigentlich „in Kontakt zu sein“?

Was bringt mich zu mir? Bringt Gott mich zu mir selbst?

Jede Spiritualität dient der Annäherung an Gott. Gott ist unendlich groß, sprich ich muss großer (nicht kleiner) werden, um Gott näher zu kommen. Gott schafft sich ein Gegenüber der SelbstBEWUSSTEN Menschen… oft unerhört… ich höre. Und lausche dem wohl bekannten Satz: Die Heilung beginnt im Herzen. Was bedeutet das für mich? Nah an Gottes Herzen sein und mir im eigenen Herzen vergeben. Selbstgnade im bedingungslosen Miteinander. (Mein) Dasein als Geschenk annehmen wider jeder Logik und bisheriger Erfahrung. Fürsorglich mit meinem inneren Terror sein. Veränderungen erfordern Geduld. Radikale Geduld!

Wir, ich, neige(n) zu der Ansicht, dass alles, was wir erleben, in eine nutzbringende Lehre (Leere) verwandelt werden müsste, nämlich in Charakter (Stille). Der Berg soll uns nicht was lehren, er soll uns zu etwas machen. Ich bin in mir vom Verstand versucht zu fragen „wozu dient denn all das Erleben?“. Ich gehe vom Standpunkt der Nützlichkeit des Geschehens aus. Welch eine Absurdität, die meine Persönlichkeit damit ins Leben projiziert. Die Augenblicke auf dem Berggipfel sind seltene, meist wandern wir in Tälern und ich über (Ab-)Hänge durch Sümpfe und Lichtungen.

Den Mangel nach außen projizieren ist suchen. Der hört auf, wenn ich nicht mehr leben möchtest, dann suche ich nur mehr den Tod. In dem Moment wo ich Heilung suche, manifestiere ich Mangel in Form von Krankheit. Die Qualität meines Lebens ist die Qualität meiner Gefühle. Die Ablehnung der Gefühle verstärkt die Lebensqualen. Der Sehnsuchtsschmerz nach fühlen ist größer als die Suchtschmerzen dagegen. Ich bin nicht mehr an meinen Masken interessiert, sondern an meiner Nacktheit vor mir selbst. Ich brauche meine klare Willensentscheidung mich zu verkörpern. Ich bin bereit mich ergreifen zu lassen. Ein guter Eindruck ist ein wahrhaftiger Ausdruck. Echtes Nichtwissen nicht nur nichts wissen. Ja ich darf ein Ego haben, einfach weil es da ist. Ich will es ehrlich, egal ob es mir gefällt oder nicht. Gefühle sind Erlebnisse keine Autoritäten. Eine wirkliche Autorität ist nur die, die der Entwicklung dient. Entweder ich bleibe verletzt und einsam im Opfer. Oder ich nehme die Erfahrung des Schmerzes an und kreiere etwas daraus.

Mein Wille ist wiedergeboren. Mein Haupt liegt in den Beckenschalen des Schoßes. Ich will hier und jetzt da sein. Ich darf lernen mit den Symptomen der Nähe umzugehen. Die Alternative ist mich zu Tode zu schützen. Andere so nahe kommen lassen, dass mein Schmerz- und Lustkörper zum klingen kommt und meine Angst gefährlich schwingt, vielleicht auch mal verklingt. Offen werden und selbstständig bleiben. Nähe und Freiheit. Verbindung und Autonomie realisieren.

Jede Sache hat die Bedeutung die wir ihr geben. Wahrnehmung hängt ab von dem der schaut. Völlig ohne Bewertung ist alles Manifestation des Höchsten. Es geht um mein Leben, um Neutralität mir selbst gegenüber. Selbstneutralität! Kein Schöpfergott wird Bedingungen stellen oder Dienste einfordern. Gott ist neutral. Ich bin mein Himmel auf Erden. Größenwahn nein. Existenzscham ja. Und schon jetzt ist mit mir alles in Ordnung. Gott liebt meine Unordnung. Ein Schöpfer liebt seine Schöpfung. Meine Wahrheit zu bezeugen ist ein Schöpfungsakt.

Also die selbstauferlegten Regeln brechen, mein (nicht) Wollen erlauben und leben. Warum beuge ich mich einem Gesetzbuch, das ich nicht geschrieben habe? Kann ich mein eigenes RegelLOSwerk schreiben und den inneren Richter vom Schalter der Macht im Schatten ins Licht führen? Passiert ein Erdbeben, wenn ich die brüllenden Ordnungshütern in mir, die das künstliche Licht anlassen wollen, anschweige und sie auslösche? Nein, da sind dann „nur“ Gedanken meiner Schuldhaftigkeit wegen Ungehorsam. Schuldgefühle einzuimpfen ist die tiefste Art um Macht auszuüben. Das habe nicht nur ich gut gelernt. Viele Staaten, Systeme, Lehrer, Eltern arbeiten mit Angst, um Macht zu erfahren und generieren damit Ohnmacht in den Menschen(kindern).

In der Ohnmacht fixiert sich meine Schuld. Schuldlos geschieht etwas und im Dunklen sehend erwacht der Blick zu mir selbst. Da ist ein Licht ohne Licht in dem alles auftaucht. Auch ich, so wie ich bin. In Wahrheit gibt es keine Normen, nichts und niemanden muss ich folgen. Das beste ist Selbstautorität, dann brauche ich keinen (inneren) Regeln mehr zu folgen. Mir darf ich dann folgen! In aller Unsicherheit und Unstätigkeit, Unvoreingenommen offen. Meine Natur kann nicht zu etwas gezwungen werden, ihr darf ich vertrauen und mich um sie kümmern. Ja, ich gehe meinen Weg alleine und niemals nur für mich.

Unsere, meine, Heilung ist der tiefste Sinn von Beziehungen. Jede Beziehung bringt alte Verletzungen ans Licht. Es braucht die Sichtbarkeit der Verletzungen. Leid ist da ohne etwas, mich, kaputt zu machen. Ich kann fühlen ohne dass es mir dabei beschissen gehen muss. Alles existiert, jede Berührung, nur steuert sie mich nicht. Soweit die Utopie.

Hilflosigkeit bedeutet nicht dem Tod, sie ist Vertrauen in mich selbst und das Leben. Jede Abwehr (der Hilflosigkeit) bedeutet Selbstschutz vor der eigenen Verletzlichkeit. Ich versuche Materie zu lieben. Schreien, weinen, meinen Körper, selbst wenn der nackte Spiegel dabei in Ohnmacht fällt.Die Frau und der Spiegel sind eins. Auflösung darf geschehen. Ich entlasse mich in die Existenz, selbst wenn sich die Essenz darin verliert. Liebe ist für alles gleichermaßen da. Regelfreie, zwanglose Liebe sein das will ich. Bedingungslose Liebe für das Selbst. Es ist ein Weg, Liebe ist etwas Bewegliches. Es wäre schön, wenn am Ende nichts als die Liebe bliebe.

Lieben bedeutet mich in meinem Sein nicht selbst zu limitieren. Wie entspannend nichts mehr in mir zu versuchen, noch vorzugeben, zu leisten oder zu beweisen, um einen vermeintlichen Wert für mich zu kreieren. Ein Traum der näher kommt. Hingabe an das Leben, Krankheit, Heilung, Schmerz, Wunder, Tod und Gott. Einfach sein als verletzliches menschliches Geschöpf. Die Verletzlichkeit bekommt einen würdevollen Platz in mir und sehnt sich nach Zärtlichkeit.

In mir will etwas leben, es ist der Teil der die Wahrheit will, eine liebevolle Wahrheit die nicht schwankt. Sie lebt die Hoffnung auf Liebe. Die absolute Wahrheit als Fundament jenseits von Meinungen, Standpunkten, Interpretationen, Glauben. Eine Wahrheit, die wie Liebe, nicht vergeht sondern bleibt. Der einzig mögliche Zustand von Wahrheit kann nur liebend sein. Lieben meint annehmen des Seins wie es ist und diesem meinem Sein einen okay-Raum zu geben. LiebesLEBEN für mich selbst lernt atmend mich GANZ anzunehmen. Ich bitte euch mich liebevoll einzuladen, mir die Wahrheit zärtlich hinzuhalten wie einen Mantel anstatt ihn mir um die Ohren zuhauen, wie ich es oft selbst tue.

Mich gibt es oftmals nicht, weil ich mich nicht traue da zu sein. Genauso wenig, wie es den Spiegel für sich selbst gibt. Aber es gibt ihn durch alles, was in ihm sichtbar wird. Das macht den Spiegel zum Spiegel. Und was macht mich zu mir? Alles, was in mir erscheint, zeigt mir mich selbst in genau den Möglichkeiten, die gerade jetzt zur Verfügung stehen. Doch wenn ich mich in diesen Möglichkeiten sehe und festlege, dann gehe ich komplett an mir vorbei. Dann übersehe ich den Spiegel, als der ich alle Spiegelungen erlebe. Ich bin verloren in der schillernden Reflexion und leide an all den Farben, die mir zu eng sind, die mich begrenzen, die mich definieren. Dann kann ich meine Vielfalt nicht genießen, weil ich glaube mich auf einen Ausdruck beschränken zu müssen, um Jemand, um Etwas, um Dieses und Jenes zu sein. Um wahrgenommen werden zu können von all den anderen Farben, weil ich sonst NICHTS bin! Was ist meine Wahrheit? Gibt es das überhaupt, meine Wahrheit? Oder gibt es nur die Wahrheit dessen, was sich in mir zeigt?

Einzigartigkeit macht einsam. Ich bin wie ein Hyäne der in der Nacht am Knochen nagt. Untertags, wen ich mich traue, schreie ich ungehört in den Wind. Quelle von Nichts bin ich. Ich brauche nichts als Liebe. Alles Wissen ist nichtig, alles im Körper erschöpfter schmerzender Mangel, alles Gefühl in Einsamkeit getaucht. „Wo ist der unendliche, allumfassende Gott in mir?“ fragt sich der leere hungrige Geist. Nirgendwo kann ich so leiden, wie hier in meinem Menschen. Ausgehungert an Zärtlichkeit, emotionaler Nähe bin ich unerreichbar, unnahbar, getrennt von liebevoller Berührung.

Keine Erwartungen und keine Ansprüche mehr, um meines Friedens Willen! Es ist grausam auf ein besseres Leben zu hoffen, wenn dieses niemals erreichbar ist. Die falsche Hoffnung verneint die Dunkelheit. Und es ist die Hoffnungslosigkeit, die das Dunkle noch dunkler erscheinen lässt. Hoffen ist vertrauen und fühlen ohne jede Erwartung und jeden Schutz. Hoffnung kommt, wie die Atmung, durch Gnade in uns. Am Boden der Büchse der Pandora und in der Wurzel allem Übels entzündet Gott einen kleinen Funken in dem alles gesehen wird. Darin zeigt sich wie es im Moment ist und was es jetzt gerade braucht; nicht mehr und nicht weniger.

Es ist leichter in die Dunkelheit der Unterwelt hinabzusteigen, als sie zu durchschreiten und vielleicht auch wieder daraus hervorzukommen. Ich bin die Büchse der Pandora und sie wurde von mir geöffnet. Somit sind alle Leiden überbrachte und freigewordene Geschenke in Gestalt eines Feuers, dass aus dem kleinen Funken heraus jede Erwartung verbrennt. Hoffnung kommt über uns und verlässt uns wie der Atem. Nichtwissen bleibt übrig und ein fortwährend das Unbekannte umarmen, weil Leben ein Mysterium ist.

Was bleibt übrig, um in mir zu sein? Die Liebe nicht mehr besitzen wollen und meine Ansprüche an die Liebe erkennen. Die universelle überpersönliche Liebe einlassen und meine Verletzbarkeit in Stille kleiden. Gott ist innerlicher als wir uns selbst sind und er ist überpersönlich außerhalb von uns. Diese Parallelität ist auszuhalten. Licht und Dunkelheit gehen von außen in uns und genauso strahlt unser Körper Licht und Dunkelheit aus. Heiliger unheiliger Kern in heiligen unheilen Räumen.

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Wie wachse ich an Leid und Gewalt?

Meine Geschichte mit ganz vielen Tabuthemen lässt mich einsam fühlen. Die Narrative für meine Erfahren gibt es fast nicht. Gewalterleben und Übergriffe durch Nahestehende und Institutionen sind unter Menschen in ein Kleid von Schweigen gehüllt. Vorlagenlos suche ich Worte für mein Erfahren(es), um nicht isoliert mit der Gewalt in mir zu Grunde zu gehen. Missbrauchte gewesen zu sein und damit weiter zu leben erschöpft mich. Scheitern im Selbstmanagement und eingehen in die einsame Bedürftigkeit, die unter der Angst wieder Verletzt zu werden ausgehungert agiert. Auf dem unstillbaren emotionalen Hunger und dem tiefen Schmerz beruhen unzählige Versuche Sicherheit, Geborgenheit und Kontakt aufzubauen nur um dann wieder von den Angstwächtern zunichte gemacht zu werden. Eine einsame Heldin und totale Katastrophe, so bin ich in meinen Augen. Mein Mut mit Schwierigem raus zu gehen ist da. Worte aus meiner Bibliothek folgen. Ich werde schreiben solange ich es (noch) kann. Wer will kann in die Fußstapfen treten und etwas Eigenes (zurück) schreiben.

Die auf den verschiedenen Kieferoperationen und dem temporären am linken Auge Erblinden beruhende Unsicherheit und Sprachlosigkeit bringt mich noch intensiver in die Innenschau und essentiellen schreibenden Ausdruckskanal. Er ist der Kommunikationsraum für die existenziellen Prozesse, die derzeit mein Erleben formen. Meine Sein möchte auf Papier, meine Wahrnehmung möchte verstehbar werden, meine Versuche sind zahlreich, der Ausgang wie immer offen und führt womöglich in einen Eingang. Mir schreibend als Gegenüber den Raum der Erlaubnis halten mit dem Atem als meinem Partner. Alles was ich schreibe ist ein Ausflug in Wahrhaftigkeit. Nirgends kann ich so ehrlich sein wie im Schreiben. Ich traue mich meine Geschichte zu schreiben wie sie im Moment da ist ohne Weglassen und Dazudichten. Ich mache (mir) keinen schönen oder schaurigen Maskenball, sondern bewege mich im Schreiben Wort für Wort an den Klippen der radikalen Ehrlichkeit. Dabei immer wieder Leere wahrnehmen und die Sehnsucht nach dem (respektiert) Werden des Eigenen und der Eigenzeit in den Prozessen. Es gibt keinen Raum zurück ins Funktionieren. Im Tal von den spitzigen Bergen verabschiedet sich alles und jeder. Dastehen in der Eingangswelt zum Totenreich und alles zurücklassen, vor allem die Verletzungen, um letztlich vielleicht als geläuterte Seele lebendig zu sterben.

Keine Erinnerung geht jemals verloren, selbst wenn wir noch keine Sprache und Bilder dafür hatten. Unser Körper vergisst nie. Alles bleibt gespeichert im Nervensystem und sorgt für Körpererinnerungen, bei mir vor allem Körpertraumareinszenierungen. Ich bin aufgewachsen mit einem Gefühl von Leere, Getrenntheit, einem tiefen Loch in mir, einer Angst, nicht zu bekommen, was ich brauchen, einem unstillbaren (emotionalen) Hunger. Vielleicht sind wir ja alle mehr oder weniger tief verwundet als westliche Gesellschaft und haben uns im großen Stil etwas sehr Wertvollem beraubt. Unser erstes somatisches Erlebnis von Liebe, zusammen mit dem warmen Hautkontakt und einem Gefühl von tiefer Geborgenheit.

Warum ist mein Körper in diesen chronischen Krankheitsschleife und was erhält sie am Leben? Die Antwort ist meine Lebensgeschichte mit frühkindlichen Traumata voller Ohnmachtserfahrungen die nun in einem Schutzwall an Kontrollverhaltensweisen eingesperrt mein Leben, Ernährungs- und Bewegungsverhalten bilden. Ich glaube so wenig an mich, traue mir wenig zu. Vor allem aber habe ich fast kein Vertrauen in die Welt und die Menschen, dass meine Bedürfnisse erfüllt werden würden. Dass ich wirklich satt werde mit dem, was ich individuell brauche. Das ist der andere Teil der Wahrheit, mein Körper kann nicht gut mit Nahrung umgehen und ich kann nicht gut mit mir und der Welt sein. Eigentlich ist mein Körper das Vertrauensvollste was ich habe. Meinem Verstand zu trauen wäre ein verrückter Akt und die Gefühle sind ähnlich labil gelagert.

Verschiedene Muster tauchen in meinem Leben auf: Das Pendeln zwischen diszipliniertem, krankheitsbedingten benötigten Ernährungs- und Bewegungsverhalten und erschöpften überwältigenden Schwierigkeiten mich tagsüber zu irgendetwas aufzuraffen. Ab und zu kommt es zu die Leere füllenden abendlichen Essattacken in Form von verbotenen Lebensmittel (die richtig Guten, die mit den Gluten). Askese dominiert fast immer, der Kopf kontrolliert die Zutatenliste schon beim Einkauf und Einladungen werden selten angenommen; vor allem wenn sie mit gemeinsamer Nahrungszufuhr geplant sind. Ab und zu rebelliert mein Inneres (Kind) und ist mit nichts mehr zu beruhigen. Ein andauerndes inneres Schreien nichts zu bekommen, keine Freude, keinen Genuss. Der Druck wird großer und irgendwann wenn es im Außen auch noch stressig ist, zum Beispiel weil ich mich verletzt, verlassen und einsam fühle, treibt es mich in den Konsum von leeren Kohlehydraten. Da gibt es doch noch ein Geschenk im Tiefkühler selbstgemachte Laugenstangerln. Und wenn nicht, dann gibt es diese großen Häuser die Milchstollen in Großpackung an die Frau bringen. Zum eingraben gut. Momente des Kontrollverlustes, die üble Folgen haben (Blähungen, Durchfall, Entzündungen, Nachtschweiß) und meine chronischen weiter Krankheiten anheizen. Im Moment geht nicht mal diese Notbefriedigung aus Mangel an Beißvermögen.

Und so zeigt es sich deutlich, dass alltägliche Unvermögen Lebensfreude zu empfinden, mir Genuss zu gönnen und zugleich die Angst damit zu kurz zu kommen. Mit Genuss körperliche chronische Beschwerden schmerzhaft zu provozieren. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Ich verstecke mich mit den Krankheiten auch ein Stück weit, weil ich mir selbst wenig vergönne und dann wieder im Überfüttern ein emotionales Loch der fehlenden Geborgenheit im Leben kompensieren will. Kompensationslos leben macht klar.

Tiefe Verletzungen bestimmen alles für immer, da kann man und frau nichts tun. Wie oft habe ich im mir endlich Hilfe holen erlebt, dass die mich im Stich lässt oder noch tiefer verletzt und meine Schmerzen vermehrt anstatt zu lindern. Überall wo ich hingehe bringe ich meinen Schmerz mit rein, selbst wenn ich ihn unterdrücke. Der tiefe Schmerz berührt alle meine Erfahrungen, durchdringt sie, verdirbt sie. Ich verderbe alles. Wenn ich laut werde, womöglich gar schreie oder weine, erzeuge ich Not bei anderen und sie wenden sich ab. Überall in mir ist auch Schmerz und ich kann nirgends hin damit. Ich muss es alleine schaffen und das funktioniert einfach nicht. So möchte ich nicht weiter leben und bin dennoch damit in meiner Ohnmacht zugegen. Meine Bodenlosigkeit ist nicht änderbar. Das große unerfüllte Liebesloch bleibt genauso wie der unstillbare Hunger. Dort wo Mangel herrscht fehlt es an Liebe. Und dort wo Liebe fehlt herrscht Mangel. Ich brauche einen Menschen, der mein Verderben (aus)hält. Und ich traue das keinem zu.

Im den Film meiner Lebensgeschichte hier schreibend anhalten, realisiere ich wie sehr ich ein Gefühl von Geborgenheit brauche. Mein Körper lügt nicht, er leidet, weil ich im Mangel an Liebe lebe. Da ist sie die Erinnerung an meine Urwunde. Mein Verstand ist enttäuscht von meinem Körper. Er nutzt ihn als Projektionsfläche. Eigentlich ist er enttäuscht vom Leben und den Menschen. Und fragt mich wie es möglich ist mich wirklich tief zu nähren. Nichtwissen immer wieder. Wolken des Nichtwissens türmen sich in alle Richtungen auf. Mein Verstand kennt die Liebe nicht. Ich kann aufhören mit ihm nach ihr zu suchen. Der Lebensfilm läuft weiter und meine Augen sind auf der Suche nach Liebe, die Füße können Schritte machen, die Hände können nur Milchbrötchen greifen. Es ist ein leeres Leben das Meinige.

Ausgehungert an Berührung… Berührung mein tiefstes Sehnen und meine vermisste Wahrheit!

Ab und zu spüre ich meine natürliches Wesen, das wahrhafte, unschuldige Berührung leben möchte, frei von Bewertung. Schlichter wahrhaftiger Austausch auf Augenhöhe, einfühlsam und achtsam. Und da ist sooooo viel in den Zellen abgespeichert aus dem eigenen Leben und den Ahnenlinien! Ich spüre immer wieder die tiefe Angst, missverstanden zu werden und missbraucht zu werden. Da ist es wieder das Tabuthema des Missbrauch. Das unsichtbare Damoklesschwert über meinem Kopf und der schützende Brustpanzer. Ich erlebe und spüre mich selber als Wesen, dessen Essenz verletzte Berührung ist! Es liegt so sehr in meiner Natur zu berühren, zu halten, mich anzuschmiegen… und gleichzeitig habe ich über viele Jahre so viel Ablehnung, Missbrauch und Missverstanden-werden erlebt. So gehe ich seit Jahren einen verzweifelten Weg der Heilung des berührbarer Werdens. Ich wünsche mir von ganzem Herzen Menschen, mit denen ich all das leben kann. Ein paar sind schon da, ich danke ihnen hiermit aus meinem Innersten dafür.

Da sind zwei Anteile: Der Eine, der in Verbindung sein will, der Nähe und Gemeinschaft will und der Andere (der sich überlastet, überfordert, ausgelaugt, erschöpft fühlt), der einfach immer nur denkt: „Geht alle weg! Was wollt Ihr von mir? Der auch aus den Erfahrungen resultiert und erlebt hat, dass die eigenen Bedürfnisse nicht zählen, sondern nur die der anderen und der Gemeinschaft, der sich alles unterzuordnen hat. Erschreckt hatte mich vor einiger Zeit, dass ein großer Teil von mir gerade gar nicht geben möchte, sondern selber nur empfangen. Ich möchte hingebungsvoll offen daliegen, genährt und verwöhnt werden und mich dabei vollständig sicher und gehalten fühlen, so lange, bis ich satt bin. Da ist der Wunsch eingeladen zu werden, es mir auf einem Schoss ganz gemütlich zu machen, meinen Kopf in der weichen Kuhle eines Schlüsselbeins zu spüren. Dort darf ich atmen, ein und aus, und mich geborgen fühlen. Die Wärme, den Atem, den Schmerz und meinen verängstigt erstarrten Körper spüren. Wir sitzen so und vergessen die Zeit, es gibt keinen Druck, kein Muss, keine Termine. Ich bin da, ich bin so lange da, wie wir es mögen. Es gibt nur das Gefühl der Wärme, den Rhythmus des Atems und das Schlagen zweier Herzen.

Es ist mir so bewusst geworden, wie blockiert ich war und bin mit dem auf der Ablehnung meines natürlichen Flusses an auf andere zugehen, berühren, umarmen auf der einen Seite und auf der Angst, wirklich tief berührt und gehalten zu werden aus Angst vor Missbrauch auf der anderen Seite. Pures Sehnen aufgeben zu dürfen und mich halten zu lassen und dann wenn es möglich ist bemerken wie der Körper festhält. „Gib auf“ kommt die Einladung von einer Frau und millimeterweise sinkt der Körper in die vertrauensvollen Hände, um wieder ins Festhalten zurückschrecken, hin und her erleben und damit geht etwas in Heilung. Da ist ein Mensch der mich zeitweise auch in meinem Schmerz aushalten und halten kann. Nichts an mir ist verkehrt findet und mit mir da bleibt für einen Bruchteil einer Stunde. Eine Frau bleibt mit mir da auch in meinem Abgrund. Das ist das Größte, die tiefste Entspannung. Mich in dem spüren was da ist hat die Qualität die ich leben möchte in allen Ebenen. Wahrhaftigkeit ist das Einzige was noch geht und mich noch führt.

Kein Stein wird auf dem anderen bleiben. Kein Mantel des Schweigens wird bestehen bleiben. Ein jeder Tag ist eine Einladung Altes zu bereinigen und Neues zu erleben. Das Leben hilft mit den Weg zu weisen. Die äußeren Augen zu richten auf Unstimmiges. Die inneren Augen zu richten auf Wahrhaftiges. Ich versuche aus dem Stocken ins Fließen zu kommen. Fließe im freier werdenden Willen mit im Fluss des Lebens. Im Großen sind wilde Wasser vorgesehen. Abwehrtürme, die einstürzen. Weltbilder, die sich in Rauch auflösen. Illusionen, die zu Asche zerfallen. Mein Lebenskonto bereinigt sich. Rauch und Asche rauben mitunter den Atem und die Sicht. Und es ist fruchtbare Asche, wenn ich ehrlich bin wird daraus etwas entstehen. Ich werde Himmel und Hölle für mich in Bewegung setzen, um zu erfahren wie fehlendes Vertrauen heilt.

Vielleicht durch das Finden und Sammeln von weiteren Puzzleteilen meiner persönlichen Geschichte. Ich möchte gerne ein neues vertrauensvolles Kapitel schreiben, wo das Leben, Essen und Bewegen (müssen und nicht gut mir angemessen können) nur mehr ein kleines Thema ist. So dass es mich nicht mehr in eine starke Stress-Zusammenklapp-Achterbahn bringt. So dass es symptomatisch wird und sich in körperlichen Missempfindungen ausdrücken muss. So dass ich nicht mehr den tiefen Schmerz des in der Welt nicht geborgen Seins und die Sehnsucht nach liebevollen Halt kompensierend, meine Bedürfnisse bis Begierden kriegerisch unterdrückend aushalten muss. So dass ich einfach mit viel mehr Freude durch den Fluss des Lebens, durch Geben und Nehmen navigieren kann. So dass ich wahrhaftig leben kann.

Vorerst annehmen wie es ist. Etwas in mir will heilen und ich kann es nicht. Also mein Unheilsein erlauben. Meine Brüchigkeit, Bodenlosigkeit, Widerwärtigkeit… all das Widerstrebende und die Ohnmacht. Kaputt sein und bleiben. Verletzt sein und übel bleiben. Scheitern und schreiben. Riskieren, dass nichts aus mir wird. Alles Gewordene hat zu nichts geführt. Also weiterleben im Niemandsland.

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Collage Writing

In Untiefen berührt von mir selbst, liebevoll gehalten im weit offenen und klar strukturierten Raum von Johanna Vedral1 (Danke wieder und wieder writersstudio Stipendium für den passion writing Jahreslehrgang!), umgeben von faszinierenden da bleibenden Frauen kamen die Techniken des Collagierens zur Anwendung. Nun sind sie da um zu bleiben, als Möglichkeit Zugang zum Unterbewussten zu bekommen. Dorthin wo Fühlen, Spüren, Sprechen, Sinnieren, ja nicht einmal Malen hinreicht, dort legen die Bilder intuitiv große Tiefen frei. Der Workshop „Collage Dream Writing“ veränderte die Art und Weise wie ich existiere und möchte ich dir einige Impulse weitergeben.

Die zurückliegenden Jahre, habe ich Bilder abgewertet, aus spirituellen Ansinnen, aus Gründen der Regulation von Traumaüberflutungen und den Einsichten des Enneagramms, die mir zeigten wie ich in Traumwelten aus der Wirklichkeit flüchte und am Leben vorbei lebe. Nun es waren radikale Schnitte und ein großer kreativer Teil meiner Selbst hat sich damit mit verabschiedet. Jetzt und hier wieder Bilder erlauben, sie da sein lassen, mich auf sie einlassen, kommt einer Umkehr gleich. Die Hände führen lassen, mich in meinen Bildern fühlen, das spüren was im Verborgenen liegt. Damit in Dialog treten im Achreiben, im Aussprechen was anklingt, im Gehört und Reflektiert werden geschieht Transformation. Sichtbar werden für mich und andere. Alles auch die Tränen, das Strudeln, das Lachen, die Überflutung, das Verbrennen, die Euphorie, das Ein- und das Wiederauftauchen erleben.

Der kreative Prozess ist faszinierend im mäandern und sich ausformen, im Spiel aus klarer Struktur, die den Halt gibt wie ein gutes Flussbett, für den freien tiefen Prozess des kreativen Schaffens als Lebensfluss darin. Lernen mit Regeln frei zu sein und in aller Freiheit sich einen Rahmen zu geben ist neu und wichtig. Ein Kern meiner Rebellion eröffnete sich in der unter Tränen realisierten Erkenntnis: Regeln einhalten tut gut, wenn sie Sicherheit und Geborgenheit erfahren lassen. Überabzählbar viele Male habe ich mich gequält mit dem Regeleinhalten und nicht erfahren dadurch sicher und geborgen zu sein. Und genauso viele Mal, habe ich dann aus Trotz und Verzweiflung gegen das Regeleinhalten rebelliert. Eine erschöpfende Lebensweise. Nun da es anders erlebt wurde, gehen Welten auf, die mir ermöglichen entspannt in und mit Strukturen sein zu können. Das aus dem wundervoll gehaltenen Workshop(schutz)-Raum raus sein und wieder ins eigene Grenzenlos fallen, liefert umgehend die Aufgabe die Grenzen zu (be)achten. Das Bewusstsein darauf zu halten, dass ich die Bilder und deren Energien habe, und nicht die Bilder mich. Offen zu bleiben im Forschen und Sein von Grenzen, Strukturen, Fließen und Auflösen. Mir meinen Container und heilsame Strukturen entwickeln innerhalb derer ich tief loslassen kann. Moment für Moment forschen: Wie viel Struktur brauche ich, um frei loszulassen? UND: Wie viel Freiheit benötige ich für meine Bedürfnisse, um kreativ zu sein und Formen entstehen lassen zu können? Wie bei so vielem macht die Dosis das Gift, und mitunter bade ich im Gift. Auch das erlauben, spüren, fühlen und erfahren wie ich eintauche ohne aufzutauchen. Alle Bilder schauen. Jedes Bild ist eine in Form verpackte Mischung aus Emotionen. Bilder sind eine große Fülle an Gefühlen! Jenseits von Erscheinungen nach dem alle Bilder gesehen wurden, eröffnet sich die Leere. Im Kern geht es auch im Zusammenwirken von Freiheit und Begrenzung darum in jedem Zustand bewusst(er) da zu sein.

Zurück zum Collage Writing:

Es gibt so viel mehr als vision boards und etwas von dem „mehr“ möchte ich hier mit euch teilen. Bilder und Geschichten bereichern einander. Bildercollagen erschaffen Geschichten die aus der Tiefe kommen. Es ist ein sich selbst überraschen, sich näher kommen und die Bilder erlauben. Sie suchen mich aus genauso wie die Worte. Collagieren ist ähnlich dem luziden Träumen und bewegt sich im bildhaften Denken. Collagenaugen führen Aspekte zusammen. Bringen Disharmonisches in einen gemeinsamen Gestaltungsraum. Was reif ist wird sich zeigen. Erlauben ohne Zensur zu schaffen ist die große Kunst. Da rein zu tauchen und anschließend durch das Schreiben und Sprechen wieder aufzutauchen leistet viel Integrationsarbeit. Gleichzeitig regeneriert der Prozess an sich schon das Gehirn genau wie im Traumschlaf. Ohne Rahmen entgrenzt Bildarbeit. Überflutungstendenzen regulieren sich durch Begrenzungen im Format, und der Zeit. Und der bewusste Ausstieg wieder ganz in den Körper transferiert zurück in alltagswache Zustände.

Innere Orte/Personen/Wesen/Archetypen durch Collagen sichtbar machen:

Dabei werden inneren psychischen Energien einzeln auf kleinem Format (A5) Ausdruck geben. Meist mit einem größeren Hintergrundbild und kleineren Bildern im Vordergrund. Genau ein Wesen, eine Energie, eine innere Person, eine archetypische Kraft wird dargestellt; manchmal auch auf mehreren Collagen bis sie ganz sichtbar wird. Hier beginnt eine Beziehung mit den aus dem Inneren heraus geborgenen Bildern arrangiert zu einem Klumpen aufgeladen mit Energien und Emotionen. Manche Teile in uns können nur in Bildern sprechen und andere stecken fest, beide können nun bewegt werden. Dafür kann aus den Collagen heraus geschrieben, mit den Bildern ein Dialog zwischen ihnen oder Bildelementen und dem Selbst entstehen. Abschließend wechselt die Perspektive zum über die Collage schreiben und ihr einen Titel geben.

Offener von der Struktur sind Seelencollagen in einem A4 Format. Hier leitet die Seele und offenbart was sich zeigen möchte. Man kann mit offenen Augen frei auf Papier mit Bildern träumen. Strenger und damit sicherer in der Struktur sind Heilungscollagen für die zeitlich Teilschritte mit Auf- und Wegräumpausen dazwischen guten Halt geben. Dabei ist der thematische Fokus auf die Teile in sich die nach Heilung verlangen. Zuerst gibt es 10min Bildersuche, dann 15min Ausschneiden und Betrachten, als nächstes 10min Arrangieren und zuletzt 15min kleben und finalisieren der A3 Collage. Nach einer erdenden Praxis kann eine schriftliche Reflexion folgen, bei der die Heilungscollage in neun Teile abschnittsweise einzeln mit assoziierenden Worten bewegt wird. Die geometrische Mitte offenbart eine vereinende, zusammenführende und verbindende Kraft, der umgebenden häufig gegensätzlichen Bereiche.

Einige Beispiele aus der eigenen Schöpfung:

Opferselbst

Aus der Collage schreiben:

Ich bin die rechte Brustwarze in die die Messerspitze ragt. Taubheit erlebe ich und flehe darum so wenig wie möglich Luft zu bewegen. Jeder Atemzug vertieft mein Wundsein. Ich bin die lange Kehle in der ein Skalpell steckt. Es schneidet tief runter, trennt mich von meinen Lauten. Ich bin angeschwollen, durchtrennt, beschnitten, gefoltert bis ins Schweigen. Ich bin das fest geschlossene tierische Maul und halte am blutroten Vorhang fest. Ich bin das übergroße dritte Auge in dem ein schwarzer vertikaler Balken steckt. Ich sehe viel an den Rändern, doch nichts im Zentrum. Finstere Mitte, kein Kern, so bin ich zur Selbstblindheit verdammt. Ich bin der linke weit aufgespannte Flügel. Ich versuche abzuheben, doch ein totes drei-fingriges eingesponnenes Etwas in mir macht jeden Versuch die Schwerkraft zu überwinden zu Nichte. Ich bin hilflos! Ich bin auch noch da. Die rechte Ellenbeuge in der ein Tropf mit einer Spritze hängt, jene vom Teufel. Er initiiert sich in mich. Ich bin das ganze eine gefolterte Hexe geopfert um totlebendig in Qualen zu sein. Meine Träume werden niemals frei. Es gibt keinen guten Ausgang. So bin ich und beginne eine endlose schmerzende Beziehung zum Leben zu führen. Angenommen du Sehende und ich Leidende wir sind gemeinsam da und so weniger einsam. Lass uns näher kommen.

Über die Collage schrieben:

Es war einmal ein menschlicher Phönix. Geschaffen, um zu leiden. An den chronisch krank machenden Tropf der Medizin gehängt. Ganz selbstverständlich gefesselt und gefoltert von den Vertreter Gottes als weibliches Etwas. Die Brüste durchbohrt mit Angelhacken. Eingeritzt und aufgekratzt die Haut. Die Kehle im Griff kräftiger Finger, um jeden Laut zu verhindern. Still leiden so gehört sich das. So liegt ein menschlicher Phönix blutend totlebendig in seiner Form. Die Seelenanteile aus dem Körper im Universum verstreut suchen Gott, Göttin. Suchen Rettung und fliehen ohne wiederzukehren. So verlassen hält sich der Schnabel am blutroten Vorhang fest. Die Gedanken kreisen um die Sehnsucht, dass endlich der letzte Vorhang fällt. Nichts mehr festhalten müssen und von niemand mehr festgehalten werden; davon träumt ihr ruheloses Herz.

Aus den Collagen schreiben:

Eine Hand liegt auf meiner Brust. Die Berührung ist achtsam absichtsvoll. Sie bleibt da während mein Brustkorb zu vibrieren beginnt und in ein Beben wechselt. Rohe Energien steigen auf und verstecken sich wieder in Erstarrung. Die Hand bleibt in Kontakt mit meinem Ringen. Körperlich sexuelle Energien schützend abwehren und gleichzeitig emotional das Sehnen nach nahem bleibenden Kontakt spüren. Zerrissen-werden in Splittern und Fetzen in Kopf und Genital. Die alte Trennung spannt sich auf. Einlassen wollen auf den ersehnten verschmelzend auflösenden sexuellen Akt und zitternd die rollenden Tränen der Angst gewahr werden. Bleibend die Hand auf meiner Brust und forschend das Glied locker zart anliegend in Berührung mit meiner Yoni. Feuchte Verschlossenheit, anbahnender Kontrollverlust, stockender Atem.. Blackout, schwarz, nichts mehr, orientierungslos, zeitlos, raus geflogen dissoziiert im Nirgendwo, isoliert vom Körper. Schwarze Hände wollen mich greifen und rot geschwollene Augen suchen mich. Es sind meine eigenen Augen. Alles verschwimmt. Blut tropft. Ich spüre nichts.

Über die Collagen hinaus eine nächste Szene schreiben:

Schatten von Händen. Schatten einer Frau. Reale Hände körperlos ein paar Zentimeter über meiner Haut. Ich sehe sie vom Universum aus. Schatten eines Engels. Goldener Schatten umrahmt verborgene Schönheit. Über die Berührung ergießt sich ein farbloses Licht in meinen Körper, durchbohrt gleißend die Zellwände und dringt ein bis in den Kern. Ich spüre alles.

Es tut weh, erhellt mein Grauen. Ich bin da im vergeblichen Kampf was Eigenes zu bewahren. Durchdrungen werden einer Zerstörung gleich, wird schmerzhaft sichtbar was zu verstecken ich mir zur Lebensaufgabe gemacht habe: Den Missbrauch, die Wollust, die Gewalt, die Gier, die Züchtigung, die Maßlosigkeit, die Hilflosigkeit… den Selbstmissbrauch, die Selbstunterdrückung, die Selbstkasteiung, die Selbstbeschneidung, die Rage, die Lustverbote, die zueigen gemachte Quälerei.

Der Hass und die Angst brodeln, lodern, verbrennen darin schreckhaft fahrig. Flirrendes Nervensystem, bitterer Geschmack, übles Grauen im Bauch, unkoordinierte Gedankenfetzen. Angst vor allem in mir und Angst davor über all das in mir die Kontrolle zu verlieren. Unmengen an Angst über den Hass die Kontrolle zu verlieren.

Meine Chamäleonhaut der (Selbst-)Täuschung reißt, erhitzt und trocknet. Ein amorpher Rohzustand zerplatzt mich und bleibt bestehen. Ohnmacht greift mich. Die Wahrnehmung verschwimmt zwischen fremder und eigener Gewalt. Berührt gewaltsam hungernd nach Kontakt.

Und dann bin ich aufgewacht. Unberührt, allein mit meiner Inszenierung. Ohnmächtige Schöpferin im eigenen Unheil. Am Holzweg zu mir selbst finden. Wach sein im Arsch der schmutzigen Tatsachen. Erkenntnis ist Gift. Mitgift ist Erkenntnis. Hier ist mein Scheitern. Ich habe bekommen was ich gebraucht habe. Zu früh zu viel Sexuelles und dann lange nichts mehr. Ganz früh gefallen über den Rand der Welt und schier unendlich lange am Rückweg in den Körper.

Intuitive Heilungscollage

Aus den Collagen schreiben:

Ich bin die Mitte eine nur mit weichem Blick sichtbare große offene Vulva. Dunkelrot, groß mit grauen Schattierung ins Zentrum geklebt, ganz aufnahmefähig, komplett offen. Ein starke verletzliche Mitte bin ich. Unbekannt und dunkel genau wie mein vermutetes Zentrum. So war ich noch nie, so wäre ein Teil von mir gerne. Unmöglich denkt es. Nur in der Bewegung des Verschließens kann ich mich halten. Sonst sinke ich auf den bodenlosen Grund. Grenzenlos offen bin ich der Fall ohne je wo anzukommen. Gestalterin oder Geformte, was habe ich schon in der Hand?

Müdigkeit, da ist eine tiefe Erschöpfung. Wer lenkt meine Müdigkeit? Was macht meine Augen sehend? Sie wollen sich schließen, nichts mehr sehen. Wer liebt meine zerstörten Orte? Ich kann meinen Raum nicht ausmachen, ausloten, er ist unendlich. Hier und jetzt schreibend kraftlos die Teile bündeln. Ich bin da. Traurig ohne Grund. Ich spüre die weichen Wellen des inneren Fließens, das in brandenden Wogen an die Ufer meiner Berührbarkeit drängt. Einzelne Tränen fließen, sie schmecken salzig.

Wie kann ich jemanden wirklich vertrauen lernen? Mit einem Menschen meine Verschlossenheit anschauen. Mit einem Menschen mein „nicht erwachsen Gewordenes“ zulassen. Wer schaut mit mir meine Wunden an ohne etwas zu fordern? Mit einem Menschen sein, der nichts will und einfach nur da bleibt, danach sehnt sich alles in mir. Nach einem Menschen der mich nimmt wie ich bin. Mich mit all dem Gehassten! Und wirklich bleibt. Eine Person die nicht geht, sondern bleibt, selbst wen ich dissoziiere. Mit mir fühlt und sich fühlt. Mit mir spürt und sich spürt. Ein Mensch mit dem ich lerne bei mir zu bleiben und in mir okay zu sein. Ich sehne mich so sehr nach einem Menschen, der genug Liebe, Zeit und Raum in sich vereint, um bei mir zu bleiben. Ein Mensch bei dem ich vertrauen lerne. Mit dem Anvertrauen geschieht, sich Herz und Vulva anvertrauend öffnen, und geborgen sein möglich ist. Mich tief gemeinsam ausruhen und runter fahren wie hochschießen erleben. Nicht wieder nach der Intensität und Überflutung mit mir alleine erst bei absoluter Erschöpfung heruntergefahren werden vom Körper. Es geht um die Sehnsucht vertrauen zu können. So wie die offene weiche Yoni umgeben von allem und jeden aufnahmebereit da ist für Schmerz wie Ekstase. Es geht in meiner Heilung darum mich dem Vertrauen zu öffnen.

Über die Collagen hinaus ein Pantun schreiben:

Bitte bleib.

Ich fühle mich in meinen Bildern.

Unbekanntes Vertrauen in beklemmender Brust.

Offener Schoß, weich atmend.

Ich fühle mich in meinen Bildern.

Da schau her!

Offener Schoß, weich atmend.

Bitte fühl die Wunden mit mir.

Da schau her!

Lass mich… diesmal nicht alleine.

Bitte fühl die Wunden mit mir.

Der Zuschauer ist der Tod.

Lass mich… diesmal nicht alleine.

Offener Schoß, weich atmend.

Der Zuschauer ist der Tod.

Bitte bleib.

1 Mag.a Johanna Vedral Psychologin/ Autorin/ Schreibtrainerin, Herausgeberin SCHREIBRÄUME https://schreibraeume-magazin.at/, Web: https://schreibstudio.at/
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Fragwürdiges Niemandsland – Nullpunktmale(rei)

Wahrnehmung ist eine menschliche Leistung! Aus unendlichem Sein werden endliche Gebilde und geformte Abbildungen, die wiederum auf das Unendliche verweisen können.

Die Blockade erlauben, das Verwehrte ermöglichen…

Unaussprechliches in Bilderformen gebären und mir Freiraum gewähren…

Jedes Anfangen ist eine Zensur, das unendlich Unwahrscheinliche erlaubt sich und der Schritt ins für mich selbst Unbekannte ergreift mich…

13 Bilder an zwei Sommertagen erschienen auf dem Hintergrund der äußeren Landschaft und in radikaler Erlaubnis hoben sich die inneren Landschaften in den Vordergrund…

Hier und heute bis auf Widerruf die öffentliche Schau:

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Die Geisterbahn in mir und Impulse von Gabor Maté zum Navigieren in Abhängigkeitsprozessen

Sucht und Abhängigkeiten sind Strukturen in die ich hinein inkarniert bin. An fing es schon im Mutterleib wachsend in einer sport- und magersüchtigen Frau, deren Mutter zu der Zeit in der Alkoholsucht unterging nachdem ihr Mann an den Folgen der Alkohol- und Zigarettensucht verstarb. Auf der Vaterseite schaut es ähnlich dicht mit Abhängigkeitsprozessen aus. Zwangsverhalten und Süchte umgaben mich und so habe ich einiges ausprobiert und manches mir zu eigen gemacht, um das Leben auszuhalten wie es war. Erst mal mit 8+ Jahren ab und an zu viel Alkohol und als das in einer richtig bösen Erfahrung im betrunkenen Zustand mündete, ging es in die Gegenrichtung weg von Kontrollverlust suchen hin zur Selbstkontrolle. Mit 16+ Jahren etablierten sich Sportzwang und Magersucht. Mama lässt grüßen. Letztere ließ sich abschwächen ohne mich in der Tiefe ihrer inneren antreibenden Strukturen bis jetzt verlassen zu habe.

Die Verhaltensweisen sind gesünder, aber der innere Druck ist immer noch vorhanden. Oft stecke ich in einer Anspannung mir weder begegnen noch vor mir mehr weglaufen zu können. Vielem in und um mich bin ich ausgeliefert. Da ist eine Verzweiflung zu wissen, dass ich mit mir in Kontakt sein muss, um zu leben und es oftmals nicht zu können. Milder sein, weicher mit mir ein steiniger Weg. Es kostet viel Kraft Teile von mir anzuhalten. Zügellos wirkt die gnadenlose Disziplin bis zur Zerstörung des Körpers. Da ist ein „du musst alles geben, egal wie es ausgeht, zumindest muss voller Einsatz von dir gekommen sein“ sonst ist da ein unangenehmer Vorwurf am Laufen. Mitunter kommt es mir vor als wäre ich fürs Überleben am Schlachtfeld oder auf der Intensivstation gemacht und nicht für ein friedliches, entspanntes Leben. Genau hier liegt das Problem: Leben braucht keinen Kampf und keine Kriege mehr. Es muss nicht mehr erzwungen werden, denn es ist längst da. So findet auch der bester Krieger und die größte Kämpferin das eigenes Ende nicht unter dem Schwert eines anderen, sondern im Ozean der eigenen Tränen.

Eine Zeit lang hat die Disziplin mich am Leben gehalten und dann viel länger Halt gegeben. Gleichzeitig ist sie eine mitunter bewunderte geheime Bürde, die ich nicht erklären und in Kontakt bringen kann. Was es gibt an guten Konzepten bis hin zum Yoga macht sich in mir mit Druck breit als Verpflichtung. „Steh auf, wenn du kannst dann beweg dich! Beatme dich sonst stirbst du, mach dich hart, bereite dich auf den Lebenskampf vor, trainiere sonst wirst du schwach, hilflos(er), lethargisch und letztlich nutzlos, weil nicht mehr hilfreich und funktional. Atmen zumindest musst du mehr atmen und Atemübungen machen.“ so klingt das wenn mein Verstand denkt er muss mich zum Leben zwingen. Zwingen zum Weiterleben, zum wachsam Sein, zum Lernen, zum Arbeiten, zum Helfen, zum Tun, zur Bewegung, zum Essen. Es hat was Maschinelles das menschliches Dasein versucht und alle möglichen Programme ausprobiert ohne weiterzukommen, weil ihm das menschliche Anfangsgefühl fehlt. Dieses Netzwerk und die Vielfalt an Bewusstseinszuständen sind schwierig, wenn das Körpergefühl und die Liebe zum Navigieren fehlen. So habe ich gelebt getrieben auf Wahrheitssuche und andauernd mich regulierend, um dazu zugehören und weiter am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Bis es nicht mehr ging und auch nicht mehr geht, weil der Zwang alle Lebensenergie verbraucht (hat). Letztlich zerstörte der Zwang sich selbst und legte mich flach mit der Botschaft „Knie dort nieder und lasse deinen Kopf voller Aufrichtigkeit hängen!“. In den folgenden Monaten des Krankseins wurde ich mehr und mehr aufgebrochen und einiges zerbrach auch ganz.

Gestoppt ist da ein Tornado an Not, die kontaktlos alleine zu halten ist. Immer hilfloser werdend im „Muster stoppen“ erlebe ich viele Versuche wieder auf sie zugreifen, um den Halt zu erfahren den sie mir geben. In mir ist viel Angst vor Haltlosigkeit und Kontrollverlust. Massen an verzweifelt auszuhaltender Not wieder so hilf- und haltlos zu sein, wie ich war bevor ich meine Bewegungen und Nahrungszufuhr steuern, lenken und kontrollieren konnte. Gerade die Bewegung und die Ernährung sind ein lebenslang in Balance zu bringender Lebensinhalt der nicht wie andere Substanzen oder Verhalten weggelassen werden können. Es braucht fortwährend ein Heilsames zuführen und anderes so es geht weglassen. Beim Essen fällt es mir mittlerweile leichter, weil die Gluten- und Histamin-Intoleranz mitsamt den Nahrungsmittelallergien ohnehin nicht viel Raum lassen. Was verdaubar und nicht tierisch ist wird gegessen. Bei der Bewegung ist es ein langsam wieder freier dafür werden und tageweise unterschiedlich viel Energie zur Verfügung haben.

Alle meine Leiden, Krankheiten und Symptome haben Angst (vor dem Leben, den Menschen, mir selbst) als Wurzel. Da ist eine tiefe Angst mir selbst zu begegnen. Mein ganzer Körper ist voller Angst und Anspannung, die sie zu regulieren versuchen. Nichts kann da helfen. Außer vielleicht Hilfe meine Angst zu spüren, zu bewegen, zu halten, zu fühlen in einer sicheren fürsorglichen dableibende Umgebung (räumlich und menschlich), die mir ermöglicht selbst da zu bleiben. Ab und zu kann ich bei einem Menschen wie auf einer rettenden Insel für kurze Zeit landen und dann werde ich wieder übernommen von den Gewalten des Ozeans. Dann muss ich wieder mit mir alleine sein und erleben wie in der Angst letztlich das Nervensystem kollabiert und gefühlt ewig lange nichts geschieht. Der innere leere Raum für den es keine Sprache gibt, weil er stumm, verlassen, formlos und dunkel ist. In mir ist dann kein Anfang, kein Ende und kein Ziel. Existenzielle Leere fällt mir so schwer, aus der Angst, dass das Nichts womöglich irgendwann nicht mehr aufhört. So spinnt sich ein unheilsamer Kampf gegen und Flucht vor der Leere, weil ich sie als endlose Gefahr wahrnehme. So viel steht dem identitätslosen Raum entgegen, eine Vielfalt an Identifizierungen, unzählige innere Konflikte, Abspaltungen in Schützengraben, scheinbar lebensrettende innere Kritiker, Fragmente der Psyche, mannigfaltige Konditionierungen. Dauerdruck und die Rebellion dagegen übernehmen den Raum. Sucht kommt meiner Erfahrung nach nicht von Suche sondern von Siechen, ein Versuch der große innere Not (Leere, Angst) zu entgehen, ihr – sie begrenzend – zu begegnen und dem Siechtum für Momente zu entkommen.

Jeder tiefere Atemzug könnte die Schmerzen verstärken. Jede Regung ist potenziell noch schmerzhafter als die Erstarrung und Schutzhaltung in der An- bis Verspannung. Wenn die Verhärtung schmilzt tut das sehr weh körperlich und emotionale Angstmassen kommen in Bewegung und überrollen in Wellen alles was ist. Bisher war meine Angst gezähmt durch die beruhigende Vorstellung, dass ich mich jederzeit umbringen kann. In letzter Zeit merke ich, dass ich es nicht mehr übers Herz bringe, den Körper zu zerstören, wo er doch das Ehrlichste ist was ich habe. Ich passe also nicht einmal mehr unter die Lebensmüden. Das bedeutet nicht, dass das „sterben wollen“ Programm aufhört. Schön wäre es, wenn nichts mehr dem Tod entgegen streben würde und alles einfach ist. Für einen Moment würde ich dann vielleicht denken, dass leben schön ist. Utopie. Die Realität ist, dass ich ein Feigling bin und meist nur über meine Angst hinweg ging, um furchtlos zu erscheinen. Mein größter Mut bestand lange darin mich nicht umzubringen.

Je traumatischer die Kindheit war, umso gnadenloser ist der innere Kritiker. Wir sind fast alle süchtig oder beinahe süchtig sprich immer in Gefahr es (wieder) zu werden. Warum, weil der innere Rebell sagt „ich habe keine Lust auf dieses Scheißleben, lieber betäube/berausche ich mich, als so nüchtern hier weiterzumachen“. Hat er gewirkt kommt danach der innere Kritiker zurück an die Macht und haut mit „nie wieder“ Beschämung und Druck zurück und schmiedet Pläne. Während diesem Konflikt stürze ich ab und lande in Einsamkeit und Verlorensein (wie in der Kindheit). All das lenkt von den wirklichen Gefühlen und Erfahrungen ab. Den pure einfachen kindlichen Gefühlen die da sind. In Echtzeit sagen was ich denke, ausdrücken was ich spüre und fühlen wie ich fühle ein lange gehegter Traum. Groß ist die Angst vor den Folgen im Inneren wie Scham, Verloren sein, Wut fühlen, Eifersucht, Rage spüren und im Äußeren wie verraten werden, Ablehnung erfahren, Verurteilung erleben und potentiell gnadenloser Abwertung.

Wenn ich es aushalten könnte, hätte ich es längst getan, dann müsst ich nichts mehr von mir beschützen in und vor der Welt. Das innere Tribunal die Unauthentizität hat mir das Leben gerettet. All diese Prozesse sind Teil meines Schicksals und werden wohl auch immer da sein. Die gehören zu mir. Eine Aussöhnung ist möglich, wegmachen sinnlos. Sie wollen mich, komme wer oder was wolle schützen vor Intimität samt Überflutung und anschließendem benutzt Verlassenwerden und in bodenlose Hilflosigkeit stürzen.

Der Guru/Priester ist der äußere oberste innere Kritiker. „Ich bekämpfe mein Trauma durch die Erleuchtung“ ist der größte bullshit den ich je geglaubt und ausprobiert habe. Spirituelle Erfahrungen können Mechanismen lockern und beobachtbar machen, heilen wird dadurch keine Sucht. Ja ich habe das Nichts als angestrebte Alternative gewählt (aus der Not im Abgrund des Lebens). Und da ist immerwährende Bereitschaft für Transformation, sowie Sehnsucht nach echter Präsenz im Körper. Keiner hat das Recht uns den Atem zu nehmen und schon gar nicht im Namen Gottes! Auch ich habe das Recht auf Atem und darauf meinen Schmerz (öffentlich) zu zeigen. Niemand nimmt mir mehr den Atem – meine Daseinsberechtigung. Die Kraft dieser Erlaubnis zu spüren ist befreiend. Ich darf GANZ EINFACH da SEIN wie ich bin. Ich lasse jetzt Gerechtigkeit für mich walten. Mit dieser Erlaubnis lerne ich nährende Bewegungen im Moment zu suchen statt geplante zehrende Programm abzuspulen, Und übe mich darin den tatsächlichen körperlichen Bedürfnissen nachzugeben. Alles was nicht messbar und funktional ist hilft mir dabei.

Genauso wie Menschen die in einer Güte mit sich selbst und ihrem Unliebsamen offen da sind. Die die Härte gegen sich und in sich kennen, die Verzweiflung es mit aller Willensanstrengung nicht hinzubekommen und den inneren Druck in sich erleben unter dem Abhängige stehen. Jene, die die Sucht als verzweifelten Versuch der Selbstregulierung achten, und mir ermöglichen selbst Mitgefühl mit Abgelehntem zu haben. Oft ist das echteste Gefühl, das ich habe das Nichts. Eine Art Abwesenheit und Teilnahmslosigkeit ohne erkennbaren Sinn. Ich schätze das Leben nicht und bin unfähig zu lieben. Das so ehrlich zuzugeben lässt mich Scham fühlen. ES ist so als würde mir essentiell Menschliches fehlen. Wie kann ich etwas erschaffen – (bedingungslose) Liebe – was ich nie erlebt habe? In meinem Erleben ist das Leben ein Problem, das jeden Tag aufs Neue zu lösen ist. Wenn ich meinem Instinkt vertraute, würde ich ununterbrochen um Hilfe schreien. Gleichzeitig ist mir klar, dass es keine Version ohne mich gibt. Letztlich bin ich es, die mein um Hilfe schreiendes Ich (aus)zuhalten hat.

Da sind Begleiter*innen (Danke Eva, Gregor, Angela, Romana, Verena, Ingeborg, Claudia, Kata, I-Dschyn) an meiner Seite wie auch Gabor Maté der mit seinem vor Jahren gelesen und verinnerlichten Buch „Wenn der Körper nein sagt – Wie chronischer Stress krank macht und was sie dagegen tun können.“ vieles ins Bewusstseinsfeld meiner Wahrnehmung brachte was vorher verborgen war. Beeindruckend ist seine Weite an Perspektiven (aus der Forschung, Hausarzttätigkeit, jahrelanger Arbeit in einer Suchtklinik als Psychiater und dem traumatherapeutischen Wirken) und die Tiefe des Mitgefühls als selbst Betroffener (ADHS, Arbeits- und Kaufsucht) der sich ganz offen legt (auch mit den eigenen familiären Prozessen). Sein aktuelles Buch habe ich als Schatz im letzten Monat mit mir getragen, mehrfach und stückweise gelesen, verdaut und essenziell verdichtet. Deshalb gibt es an dieser Stelle erstmals einen inhaltlichen Beitrag zum Thema Sucht und Abhängigkeiten:

Essenzen aus Dr. Gabor Maté „Im Reich der hungrigen Geister – Auf Tuchfühlung mit der Sucht – Stimmen aus Forschung, Praxis und Gesellschaft“ (2021, unimedica Verlag)

Eine falsche Bindung an etwas, das die Seele nicht nähert, ist kein Irrtum, der nur auf Süchtige zutrifft, sondern der allgemeine Zustand der Menschheit. In einem Zustand emotionaler und spiritueller Armut werden wir von was auch immer verführt, das uns unsere große Angst nicht fühlen lässt. Das ist der Ursprung des Abhängigkeitsprozesses. Dazu kommt der Drang etwas von außen aufzunehmen was korrekterweise von innen entstehen sollte. Wenn das Ewige vernachlässigt wird, trennt man sich von der authentischen Quelle der Kraft und verliert seine Stimme. Je weniger wir uns der eigenen Wahrheit bewusst sind, desto verzweifelter suchen wir nach Sicherheit außerhalb unserer eigenen Selbst. Je größer die Angst, desto stärker die Anziehungskraft des Abhängigkeitsprozesses.

Sucht ist nicht die Aktivität/Sache, sondern die Beziehung zu diesen, der starke Fokus der Aufmerksamkeit auf diese Tätigkeit/Substanz (externe Quelle des Lebens). Typische Zustände sind Verlangen, Scham, Manipulation, Täuschung, Reizbarkeit, Trostlosigkeit, Haltlosigkeit, Angst, Verbitterung und (Vermeiden der) Leere. Unvollständigkeit ist ein Grundzustand des Süchtigen. Da ist eine Überzeugung nicht genug zu sein, um mit den Anforderungen des Lebens klar zu kommen. Kaum etwas scheint Halt zu bieten. Süchte werden als Möglichkeit empfunden Struktur zu erzeugen. Chronische Angst ist bei vielen Abhängigen oft unbewusst am Wirken. Sie ist da, genau wie die Sucht selbst, mit der die Angst unterdrückt und zu kontrollieren versucht wird. Die Angst wird immer ein Ziel finden, existiert aber unabhängig von ihren Zielen. Sie verschwindet nicht, man kann nur die Beziehung zu ihr verändern und sich mit ihr verbinden.

In unserer Kultur ist die Unterdrückung von Emotionen eine Hauptursache von Stress und damit von Süchten. Früher Stress beeinträchtigt die Entwicklung des Gehirns und das emotionale Wachstum, vor allem aber zerstört es den Kontakt des Kindes mit seinem Selbst und das Vertrauen in ein fürsorgliches Universum. Sucht ist oft ein fehlgeleiteter Versuch der Stresslinderung. Für Menschen sind die meisten Stressoren emotionaler Natur. Es ist unmöglich den Schaltkreis des süchtigen Gehirns zu kühlen, wenn wir ihn durch chronischen Stress immer wieder neu erhitzen.

Ein Suchtende eröffnet sich im Sehen und Erleben der Leere des Verhaltens. Ich erfahre, dass ich die Aktivität/Substanz benutzt habe, um Leiden zu betäuben und Leere zu verhindern.

Sucht ist eine Möglichkeit Intimität zu meiden und letztlich ein Liebesersatz. Wo Liebe sein sollte logiert die Sucht. Sie erschafft das Leben bis zur Wahl der Abstinenz (sich zwingen ohne Verhalten/Substanz sein, was unweigerlich Widerstand und Gegenwillen auslöst und somit in einem Kampf mündet) bzw. Enthaltung (etwas Anderes von größerem Wert machen und sich somit befreien).

Wege zur Enthaltung (Abstinenz):

Die eigene Wahrheit zu leben ist der Sinn des Lebens! Entscheidend für jede Transformation ist das Loslassen von Verurteilung und Selbstverdammung. Groll zerfrisst innerlich und Verbitterung kommt einem seelischen Selbstmord gleich. Wenn man sich zwischen Schuld und Verbitterung entscheiden muss, ist die Schuld zu wählen. Die Auswirkungen der Sucht sind wahrzunehmen ohne die Sucht zu verdammen. Die Sucht ist nahe am Kern des Selbst angesiedelt und somit ist ihre Verurteilung eine Selbstverdammung. Wenn wir uns in diesem Thema ablehnen, lehnen wir auch den Menschen ab der all das erlebt hat und das ist lebensverneinend. Es ist immer wieder Zeit ein anderes Leben zu wählen. Die Ausrichtung darauf die Wahrheit zu sagen und Kreativität auszuleben sind ein guter Anfang. Außerdem wo es geht Selbstregulation von innen (statt von außen durch Verhalten/Substanzen) erlernen und praktizieren.

Sowohl spirituelle als auch psychologische Arbeit ist erforderlich, um unsere wahre Natur zurückzuerobern. Ohne psychische Stärke kann spirituelle Praxis leicht zu einer weiteren suchterzeugenden Ablenkung von der Realität werden. Umgekehrt neigen wir ohne spirituelle Perspektive dazu, in der begrenzten Erfahrungswelt des verstehenden Egos stecken zu bleiben, selbst wenn es ein gesünderes und ausgeglicheneres Ego ist. Der Hunger der Seele nach Bindung und Sinn bleibt ungestillt. Ziel einer Therapie ist es, das unzulängliche Selbst zu stärken, indem der Ursprung des emotionalen Schmerzes einer Person aufgedeckt wird und die gegen den Schmerz aufgebauten, starren Abwehrmuster gelöst werden. Die spirituelle Forschung pflügt den selben Boden, zielt aber mehr darauf ab wiederzuentdecken, was ganz ist und nicht abwesend war, sondern nur im Dunklen verborgen lag. Spirituelles Erwachen meint einen Mensch, der seine volle Menschlichkeit einfordert.

Offene Akzeptanz nach innen und außen üben. Sich nicht „nur“ den Inhalten, sondern auch den Prozessen des Geistes bewusst werden. Ohne Bewusstheit hat man keine Wahl. Entscheidungsfreiheit ist ein Kontinuum. Mitfühlende Neugier auf sich selbst ohne Rechtfertigung und Rationalisierung kann entwickelt werden. Wenn wir uns nicht gegen andere und vor allem gegen uns selbst verteidigen müssen, sind wir offen dafür wie die Dinge sind. Den Suchtdruck mit bewusster Aufmerksamkeit beobachten und die Schuld direkt dem Gehirn zuschreiben. Es ist das Gehirn, das die falsche Botschaft sendet. Die Sucht hat in Bindungs-,Belohnungs-, Anreiz- und Motivationskreisläufe Einzug gehalten und die Kontrolle übernommen. Der Drang repräsentiert emotionale Bedürfnisse die unbefriedigt sind. Wir können Phasen der Entwicklung nur durchlaufen, wenn die Bedürfnisse, die wir in jeder einzelnen Phase haben, vollständig befriedigt sind. Dann kann das Gehirn loslassen. Das süchtige Gehirn kann niemals loslassen.

Die Verantwortung für die Angst vor der Leere übernehmen und sie als was zutiefst Eigenes anzunehmen, statt sie mit sich selbst zu gleichzusetzen. Das kann gelingen, wenn wir die verborgene Leere im Kern nicht mehr (zwanghaft) auszufüllen versuchen. Die Leere liegt in der Wahrnehmung kein Mitgefühl zu erhalten und nicht gespürt zu werden. Das Gefühl der Leere als Kernzustand jedes Abhängigen ist nicht auslöschbar, es zu versuchen raubt Energie/Leben/Wachstum. Die Leere, die nie weg geht stückweise da sein lassen. Mit Mitgefühl erkennen wir, dass die Sucht die Antwort war – die beste Antwort, die wir zu diesem Zeitpunkt in unserem Leben finden konnten – auf das Problem der Isolation von unserem wahren Selbst und vom Rest der Schöpfung. Darüber hinaus ist sie es die uns niedergeschlagen, traurig und wütend macht. Nicht die Welt, nicht etwas außerhalb von uns ist, sondern was wir in uns tragen, hält uns gefangen. Wir sind nicht verantwortlich für die Welt, die unseren Geist erschaffen hat, aber wir können die Verantwortung für unseren Geist übernehmen, mit dem wir unsere Welt gestaltet haben.Eine wertvolle Forschungsfrage ist: Wenn ich mein Suchtverhalten ohne zu urteilen untersuche, WEN finde ich da?

Ein Gefühl für das Selbst entwickeln in dem das Gefühl der unzureichenden Leere ein Teil ist. Selbstwertgefühl ist nichts bewusst Gedachtes, sondern die Eigenschaft der Selbstachtung, die sich im emotionalen Leben und den Verhaltensweisen zeigt. Von unserem natürliche Selbstmitleid isoliert zu sein, gehört zu den schlimmsten Beeinträchtigungen, die wir erleiden können. Mit unserer Fähigkeit unseren Schmerz zu spüren, verlassen uns unsere größten Hoffnungen auf Heilung, Würde und Liebe.

Emotionale Reife fördern vor allem in der Gleichzeitigkeit von Verbundenheit (emotionalen Kontakt) und autonom bleiben. Lernen mit Anderen zu interagieren ohne sich selbst zu verlieren. Förderlich dafür ist ein gesunde emotional reife menschliche Umgebung in der man sich Liebe (offen und verletzlich auf einer tiefen emotionalen Ebene) erlauben kann. Liebe für sich akzeptieren, rein und raus fließend zu lassen und (aus)halten lernen kann. Einstimmung ist die echte Sprache der Liebe. Einstimmen meint emotional erreichbar und präsent sein sowie mit den emotionalen Zuständen mitschwingen. Das größte Geschenk, dass wir bekommen können, ist uns gefühlt zu fühlen und zu erfahren der andere ist ganz bei mir.

Inseln der Entlastung schaffen: Nicht den suchtkranken Teil verändern wollen, sondern das Umfeld und den Umgang mit den Abhängigkeiten verändern. Als Angehöriger ist es wichtig klar zu haben, dass die Umwandlung des Süchtigen von innen heraus kommen muss und „nur“ die Faktoren der eigenen Beziehung zu ihnen und das unterstützende Umfeld verändert werden kann. Kurz: Veränderung der äußeren Umgebung UND Modifizierung des inneren Klimas lockert Abhängigkeitsprozesse.

In tiefer Dankbarkeit für dieses Meisterwerk und alle mitfühlenden Menschen!

Barbara

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