Wie geht annehmen?

Diese Frage scheint erst mal profan, weil ja nichts getan werden kann um das anzunehmen was ist. Dennoch fällt mir das beantworten schwer, weil es oftmals im eigenen Erleben wie selbstverständlich unreflektiert vor sich geht und dann wieder vermeintlich unmöglich scheint wirklich ja zu dem zu sagen was in und um mich gerade ist. Die Frage lebendig in mir durch den Alltag tragen, genau hinschauen wie mache ich das (nicht) annehmen und in die Antworten hineinleben.

Wie gehe ich damit um mich selbst auch zu geißeln und abzulehnen?

Besonders faszinieren mich die Bereiche bei denen es ein hin und her gibt, ein schwanken mit unsicherem Jein. Da offenbaren sich unterschiedliche Ebenen. Mal sagt das Herz laut und sehnsüchtig „ja ich will auch das lieb haben“ und das innere Kind bockt blockierend mit „sicher nicht“, dann wieder hat der Kopf schon alles begriffen „eh klar wie oft soll ich das jetzt noch sagen wie es den geht“ und das Herz blutet noch im Schmerz sich windend „aber es tut so weh“, und wieder ein anderes Mal steht die innere Intellektuelle mit ihrem Sinnanspruch „nicht annehmen ist gegen das Leben“ allen anderen überfordernd gegenüber. Ein brodelndes Gemisch widerstreitender Impulse, Hemmungen und Affekte.

Annehmen ist dann genau das sein zu lassen, den inneren Konflikt erleben, die Blockaden erfahren und dem „noch nicht integrieren wollen“ Raum geben. Alles was ist zum eigenen Werkzeug machen. Konflikt entfacht das Feuer der Emotionen. Jedes Feuer hat zwei Aspekte in sich, den der Verbrennung und den der Lichterzeugung. Das Licht bringt alles zum Erscheinen und die Hitze verbrennt alles Überflüssige. Emotionen sind die Hauptquelle aller Bewusstwerdung. Für mich gibt es keine Wandlung von Finsternis ins Licht oder von Trägheit in Bewegung ohne durchfühlte Emotionen.

Klar würde in mir, dass ich oft zu schnell über das Annehmen hinweg ungeduldig zum Lieben wollen übergehe. Damit erleide ich, vor allem wenn es um mich selbst geht, oft Schiffbruch und gehe unter in einem Minenfeld der schwarzen Löcher. Ja Selbstliebe ist wunderbar, erzeugt aber gern Druck und eröffnet in meinem inneren eine Liste an noch ungeliebten Aspekten. Ein „ich bin auch damit okay“ ist da hilfreicher weil es (erreichbarer für alle inneren Anteile) ein Gefühl von Stimmigkeit erzeugt.

Annehmen braucht Zeit und Wiederholung, es ist ein täglicher Schöpfungsakt in der inneren Auseinandersetzung mit sich selbst und den Anderen. Kreativität ist dabei ein Schlüssel! Wie kann ich kreativ, neu, anders als bisher mit dem umgehen was ist?

Mach was Neues und verlasse die Gewöhnungsräume in dir selbst! Auf ins Unbekannte fein spürend was das Unbekannte mit mir macht. Wer bin ich, wenn ich da bin wo ich noch nie war? Prickelnde Neugier, chaotischer Lebensdrang, die kindliche Energie wird wieder belebt. Ich springe in das Loch und vertraue auf einen kreativen Einfall. Der Abstieg in die Tiefe schient dem Aufstieg immer voranzugehen. Die Begegnung mit sich selbst bedeutet zunächst eine Begegnung mit den Schatten. Es sind die Momente des Zusammenbrechens, ein versinken in der Tiefe, ein hilfloses sich Ergeben und ein erzwungener Verzicht auf eigenes Können und Wissen. Eine unmissverständliche Niederlage des Ichs gekrönt von der panischen Angst der Demoralisierung. Darin geschieht das Annehmen der Demütigung und ein hingeben in Demut. In mir fühlt es sich wie eine Variante der Liebe an die sich loslässt und hingibt, die sich verliert ohne zu sich zurückzukehren.

Wenn der Mensch bereit ist sich anzunehmen, findet er sich in Finsternis wieder. Die innere Leere wird bedrohlich, der Freiraum zur furchtbar einsamen Erfahrung. Keine Art von Leistung hilft weiter, alles was möglich ist, ist mich selbst damit immer wieder neu anzunehmen. Die traumatischen Verletzungen, die Jahr(zehnte) zu leiden und zu arbeiten geben, die können doch nichts mit Gott zu tun haben. Für mich ist das Göttliche die Urkraft, das Schöpferische und das Zerstörerische, die im Ganzen geborgene Liebe. Gott verletzt nicht wird gesagt. Unsere Zeit sieht Gott als lieben Gott, der keine dunklen Züge hat – allenfalls wunderliche. Wenn Gott nahe kommt, dann kommt er als etwas  Unbegreifliches. Du spürst die Nähe, bist ganz erfüllt, sie überwältigt dich und passt nicht in Worte und Bilder. Mit der Finsternis wächst geheimnisvoll das Verbunden sein mit Gott, die Kraft das Dunkle zu tragen. Wo ich Gott am nächsten bin, ist die gefühlte Gefahr am größten. Die größte Gefahr, die mich (dich) bedroht ist die Unabsehbarkeit der psychischen Reaktion. Erfahrungen von Vernichtung gibt es nicht nur in der Kindheit, wo die Lebenshoffnungen unzählige Mal in mir bis zum inneren Tod misshandelt wurden, sondern auch da wo ich Gott ganz nahe komme.

Manchmal begegnet mir genau dann in der Dunkelheit Gott und Botschaften, Gefühle, Erkenntnisse, Magie findet statt. Die Magie im Außen bzw. die Magierin/Hexe in mir sind am Werk. Eine Verbindung zum gemeinsamen Stammesgedächtnis und zur Weltenseele spült einen Aspekt des kollektiven Unbewussten in meine Wahrnehmung. Alle Wesen sind in diesem Wahrnehmungsraum miteinander verbunden. Wenn wir uns öffnen können, haben wir über Zeit und Raum hinaus Zugang zu den Informationen. An dieser Stelle wird ein weiterer wesentlicher Aspekt der Annehmens offensichtlich: Die Öffnung mit den Worten: „Ich bin bereit für eine neue Wahrheit meiner Selbst.“

In mir ist es die Magierin/Hexe, die den Zugang zu beiden Seiten ermöglicht und die Trennung von Diesseits und Jenseits aufhebt. Sie verbindet Unterwelt und Menschenwelt, Sicherheit und Wildnis, Unterbewusstsein und Bewusstsein. Dieses Raumgeben ist die Kraft der Magierin/Hexe in mir, die den Raum mehr wirken lässt als meine Vorstellung und damit kommt eine Dimension hinzu die für mich nicht in Worte gefasst und deshalb als Wunder bezeichnet wird. „Es“ wirkt und mein Beitrag ist das „Nicht-Wirken-Wollen“, das „Platz machen“ für diese Dimension, die viel genauer, viel ganzheitlicher wirken kann als ich selbst es vermag.

Durch das bewusste Nicht-Tun des alten Musters, macht sich die Lösung breit – nämlich das Lösen von Lösungen! Das Ja Sagen zur Lücke im Geschehen und dadurch wird was Neues möglich. Es ist ein sich Lösen von Lösungen ohne Eingreifen und damit den Sinn des Geschehen voll annehmen. Dann ist das was ist und nicht das was sein sollte! Gerade das zunächst Chaotische enthüllt einen tiefen Sinn. Ich möchte Mut machen zu den eigenen Dämonen, zu inneren Magierinnen und Hexen sie bergen Kräfte, Ressourcen und Potential, die wir nicht denken, wohl aber erfahren können. Damit wird es leicht(er) anzunehmen was ist.

Magie und Selbstverantwortung wie kommen die zusammen?

Sich selbst wieder erkennen als großes Bewusstsein in einem mangelhaften begrenzten Körper (mit Gefühlen, Empfindungen und einem Verstand) mit einer riesigen göttlichen Seele! Sich selbst in den Arm nehmen (wirklich körperlich) und fragen „wie kann ich mich heute beschenken?“ mit Zeit/Geld/Fürsorge/Annahme/Halt für mich selbst, die eigenen inneren Kinder und den eigenen Mangel annehmen, hernehmen und lieben lernen. Jedem Fehler mit „es macht nichts“ begegnen! Leben als Energiefluss mich transformieren oder still stehen lassen und mich einlassen auf die Reise des Wiedererkennens und Bewusstwerdens des großen Bewusstseins außer/über uns, dort wo wir her kommen und zu Hause sind, dort wo Liebe ist. Die Herausforderung besteht darin mich selber anzunehmen mit was auch immer ich gerade bin. Und die nächste Stufe blitzt dabei immer wieder auf: Mich mit allem lieben und damit zu Gänze erfahren Liebe zu sein.

Dies zu erfahren wünsche ich dir und schicke eine Umarmung! Barbara

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