Der letzte Abend

Vor einem Monat war ich fast nicht mehr da, es war zu viel und ich habe geplant, mit möglichst wenig Ungemach für andere Menschen, dieses Leben zu beenden. Die Details spare ich aus. Es war geplant und ich war da und bereit. Gleichzeitig war auch etwas Größeres am Werk, das den Plan vereitelt hat. Das Universum hat es schlicht nicht erlaubt. Das hat mich so demütig verunsichert zurückgelassen, dass ich in dieser langen, dunklen, einsamen Nacht entschieden habe Gott nicht mehr in sein Handwerk zu pfuschen und mein Leben zu akzeptieren. In der inneren Verwahrlosung, Resignation und Kapitulation kurz davor habe ich einen „letzten“ Text verfasst den ich hier mit dir teile:

Es ist Zeit Abschied zunehmen.

Es gibt den Moment wo der Rhythmus des Atmens und des Herzschlages versiegt.

Der Tod ist nicht die Strafe sondern die Belohnung.

Wie oft bin ich im Leben gestorben?

Der Blick auf das Ende erfüllt mit Dankbarkeit und Frieden.

Ich kann einverstanden sein mit dem was das Leben geschenkt, gebracht, genommen und abverlangt hat.

Ich bin mir bewusst bereit zu sein zu gehen – auch wenn manches noch offen ist.

Was wäre noch zu klären um im inneren Frieden zu sein?

Egal, es liegt nichts in meiner Hand.

Den Tod sehen entspannt mein Herz, ein Blick in das Wesentliche und Wirkliche erlöst.

Wirklich ist nur dieser Augenblick.

Es gibt nichts außer diesem Augenblick.

Und der ist unabhängig davon was geschehen ist oder geschehen könnte.

In Bezug zu diesem Augenblick brauche ich nichts.

In dieser inneren Realität bin ich frei.

Es braucht keine Erwartung, keine Absicht,  keine Erinnerung und kein Wissen.

Welche ein Segen zu gehen!

Heute bin ich anders da, vieles spannt sich aus dem Augenblick auf. Ich erkenne wie ich das Leid nicht fühlen wollte und taste mich da rein mir das zuzumuten was an der Grenze von Bewusst- und Unterbewusstsein auf mich wartet. In der Not spüre ich die Notwendigkeit zu leben. Einsicht und Erkennen in verschiedenen Kontexten bereiten einen nach dem anderen Schritt ins Nichts vor und tragen zum Schauen von Wahrheit bei. Durch die Demütigung hindurch gehend bricht der Stolz etwas in der Hand haben zu wollen. Es ist zu früh zum Sterben, weil ich mein Herz noch nicht voll gelebt habe. Mein falsches Selbst verhindert frei meine Liebe auszudrücken und mich hinzugeben im Leben an die Menschen.

Wie will ich sterben und wie will ich leben? Ganz in Kontakt mit diesem unmittelbaren Augenblick durchdrungen und gehalten vom unendlichen Herzensraum. Dann ist es gut.

Wie viel Tod enthält dieser Augenblick? In der Tiefe des Moments stirbt jede Form und jeder Zustand und der Tod erfährt sich wie das Leben. Vielleicht ist meine Todessehnsucht gar nicht gegen das Leben gerichtet. In ihr verbirgt sich ein Sehnen ganz im Herzraum aufgelöst zu sein und zu leben. Mich frei darin bewegen zu können und mich aufzulösen im unendlichen Herzen.

Liebe sein und ersehnen. Da fließt so viel Liebe in und durch mich. Diese Liebe, die keinen Ausdruck findet, brennt. Ein Höllenfeuer im Inneren endlos qualvoller Schmerz. Ich habe nichts in der Hand tod wie lebendig. Lieber Gott bitte heile mein Herz.

Der Augenblick ist jetzt, er fängt nicht an und hört nicht auf. Im Augenblick ist Liebe. Da ist ein überfordert sein aus Liebe. Bitte hilf mir ehrlich zu sein! Es tut so weh das ganze Verstecken, Zurückhalten und Täuschen. Meine Traurigkeit ist Liebe die sich nicht ausdrücken darf, sie ist bodenlos. Ich erfahre mich als leeren Raum voller Sehnsucht und unendlichem Energiedurchfluss.

Sinken in den tiefen inneren Grund erkenne ich in mir selbst Wahrheit: Liebe kann durch kein Tun erreicht werden, schon gar nicht gedacht werden (da liebe ich nur eine Phantasie). Liebe entsteht! So sehr es versucht wird, das Gefühl der Liebe ist nicht erreichbar. Es ist unmöglich etwas zu tun, um einen anderen zu lieben oder mich liebenswert zu machen. Für Liebe kann man nichts tun oder lassen. Liebe (und Selbstliebe) kann unmöglich gemacht werden. Liebe geschieht! Es ist ein innerer Zustand der passiert. Vielleicht gerade wenn der Auftrag „liebe dich, das Leben …“ fallen gelassen wird. Wie wäre das, wenn ich gar nichts lieben müsste? Wie fühlt sich das an? Wenn ich nichts lieben soll, dann kann Liebe, wie alle anderen Zustände auch, auftauchen. Mir bleibt nur mich anzunehmen wie ich bin – bedürftig, verletzt, sehnsüchtig, lebendig, liebend – und aufhören mich selbst zu negieren oder mir vorzuschreiben wie ich sein soll(te). In der Welt sein bedeutet alles lieben lernen. Heilung liegt in der Fähigkeit bedingungslos zu lieben.

Alles was wir nicht fühlen können und wollen steuert uns. Ich bitte darum in der Lage zu sein auf meine Wahrheit zu schauen und der (Selbst)Erfahrung zuzustimmen. Die Ohnmacht und Unentrinnbarkeit akzeptieren. Fühlen und hinschauen, beobachten und benennen was da ist. Es unterscheiden von dem was da sein soll(te).

Ich darf etwas von mir verstehen. Ich darf alles fühlen. Und ich kann mich ausdrücken. Das ist Gnade und Segen. Gottes und mein Wille fallen im Mensch sein zusammen. Ich bin und fühle mich erstmals wie eine von euch. In Liebe Barbara

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