Auf(er)stehen im Feuer der Selbstverantwortung

Ich kann entspannen. Ein einfacher Satz, ein fernes Ziel bisher. Was habe ich alles versucht, nichts hat in der Tiefe und langfristig funktioniert, alles war ein ständiges regulieren und halten der Lebensanstrengungen bis zu dem Tag, als die Botschaft in meinem System wie eine Atombombenreaktion einschlug. Jetzt bin ich erwachsen und kann in jedem Moment entspannen. Ich kann sagen was ich will, abwehren und abgrenzen was ich nicht will, in Kontakt gehen und wieder raus, für mich sorgen und meine Bedürfnisse wahr und wichtig nehmen.

Der Verstand fand das plausibel, der Körper lechzte ohnehin danach, die Gefühle waren neugierig aufs Ausprobieren aus und los ging es mit dem Selbstversuch des „entspannen Könnens“ in jedem Moment. Entspannen im Kontakt zu Menschen geht, entspannen im allein Sein geht, entspannen beim Essen geht, entspannen im Tun ist möglich, entspannen im Nichtwissen ist erleichternd, entspannen in der Meditation ohnehin der überwiegende Zustand, entspannen in rasender Wut genau dann wenn ein Teil von mir leidenschaftlich hasst ist auch möglich, entspannen in der Traumaaktivierung stellt eine Herausforderung dar ist aber auch möglich, selbst loslassen und entspannen im „nicht Sein“ in der Dissoziation in der Auflösung geht.

So einfach kann es sein, warum hab ich das bisher nicht erfahren? Es ist gar keine Wachsamkeit und Kampfbereitschaft nötig, um zu leben. Was jetzt? Innen bleibt eine einzige neue Konstante mit allem entspannt sein zu können. Mit jedem Zustand! Unfassbar eine neue Welt mit viel mehr Freude als ich je empfunden habe. Bedürfnisbefriedigung, Wunscherfüllung, spirituelle Gipfelerfahrungen alles sehr feine Sachen und nichts gegen entspannt sein mit allem.

Vielleicht ist das der Erdrutsch in der Heilung vom Traumaüberlebenszustand in Form von entspanntem Dasein. Ich kann als Erwachsene innere und äußere Abläufe gestalten, meine Aufmerksamkeit lenken, meine Haltung wählen, in Kontakt gehen und mich ausdrücken (naja immer öfter), den Körper spüren und mich mit allem zeigen. Wenn ich die Realität jetzt entdecke und meine Sicherheit überprüfe öffnet sich meine Wahrnehmung und ein Abgleich zwischen dem tatsächlichen Empfinden und Beobachten mit dem inneren eigenen Filmprogramm aus der Kindheit ist möglich.

Erst wenn ich etwas rein lasse kann ich etwas lernen und durch Integration Erfahrungen in Ressourcen wandeln! Solange ich nicht erkenne, dass ich diejenige bin, die festhält am inneren Film der kindlichen Programmierung, kann ich nicht loslassen. Kein Thema kann gehen ohne, dass es wahr- und wichtig genommen, rein und hergeholt wird! Mir wird bewusst wie ich die Geschichte am Leben halte mich darin vergrabe. Dann kann es durchfließen, im sich Zeigen ziehen und Wandel  geschehen. Loslassen ist eine Gegenwartspraxis! Jetzt loslassen nur jetzt und für jetzt. Das jetzige Leiden ist ein altes Leiden. Damals in früheren Zeiten was es aussichtslos. Heute ist da eine erwachsene Frau, heute ist vormals Lebensbedrohliches in sicherem Kontakt hervorholbar, lebbar, integrierbar und letztlich ungefährlich.  Am Anfang stehen immer die Teile, die nicht sein durften. In meinem Fall Wut, Hass, Aggression, Lust, sexuelle Begierde, Gier überhaupt, und vor allem Bedürftigkeit und Schwäche gingen gar nicht. Im Dunklen liegt tatsächlich die größte Kraft. Das „schützen wollen“ nach innen und außen unterdrückt, macht klein und begrenzt das Leben.

Wir sind psychisch zusammengesetzt aus Beziehungsvorstellungen (Erfahrungen, Erwartungen, Vermeidungen) und es gibt gute Gründe warum diese Dinge unbewusst bleiben. Bewusstsein heißt Licht aufdrehen, alles beginnt mit Licht, sehen und schauen was ist, mutig sich selbst echt zeigen. Kontakt halten macht erst ordentlichen Tumult im inneren Haus und dann kann es die tiefsten Löcher in mir füllen von und mit menschlicher Präsenz. Es gilt raus zu schauen statt rein! Sprich eine komplette Umkehrung meines bisherigen Lebensweges verstrickt in die Lüge es irgendwie allein schaffen zu können bzw. zu müssen.

Es braucht Menschen zur Stabilisierung des Nervensystems und Beziehungen sind der Halt im Leben. Die Autonomienummer ist ein Unsinn den ich mir bisher erzählt und angestrengt verfolgt habe. Ich existiere allein gar nicht, da ist niemand wenn ich alleine bin. Das Versteckspiel ist ein Selbstauslöschungsversuch, eine perfide Variante der Selbstzerstörung, die ich nun erkenne und voll Betroffenheit realisiere. Wut, Zorn und Hass bricht durch die Lethargie. Heute gibt es nicht destruktive Formen sie zum Ausdruck zu bringen. Erweckte Potentiale von Energie eröffnen Portale und ich stehe im Feuer der Selbstverantwortung. Lügen all die Lügen die ich geglaubt habe würgen sich aus der Tiefe der Vergangenheit in die Gegenwart.

Ich habe mich selbst vergessen. Mit Menschen, in einer Gruppe töte ich mich, verstecke meine Bedürfnisse, Körperempfindungen werden weniger, Gedanken und Gefühle zurückgehalten und ich verstumme, teile nichts mehr Wesentliches für mich mehr mit. Spüren was ich von der Außenwelt brauche und ehrlich mitteilen ist mutiger und spannender als alles was ich bisher gemacht habe. Was mitgeteilt wurde kann nicht mehr zur Flucht benutzt werden. Unsicher in Kontakt gehen mit Bedürfnissen (diese tief vergrabenen und versteckten Wünsche nach wahrgenommen, gesehen, gefühlt, gehalten, genährt werden und dieser unerklärliche Körperkontakthunger), schräge innere Wahrnehmungen und unerklärliche Gefühlszustände ohne realen Bezug bemerken. Wo lebe ich eigentlich in welcher Welt? Darf das was in mir ist in Beziehung sein? Scham und zwar viel davon mit einigen Teilen die Leiden und sich gegen das Zeigen, gegen die Auflösung im Sichtbarwerden wehren. Schutzmechanismen unterbrechen zwar sie verhindern den Kontakt jedoch nicht, auch sie können sich zeigen. Selbst das „nicht vorhanden sein“ ist kein Hindernis für Kontakt. Ich kann es ansprechen und unglaublich berührt erfahren, dass ich damit willkommen bin. Da wo die Angst ist, ist auch die Lösung. Endlich kann ich diesen Standardsatz selbst erfahren. Ich bin nichts, habe nichts, kann nichts die bekannte quälende innere Leere des ausgelöscht und/oder erstarrt seins. Ich bin mit meinem nicht vorhanden sein willkommen. Es berührt mich sosehr, es bohrt sich durch meine Schutzpanzer der Angst und legt abgespaltene erstarrte Traumaknoten frei. Eine Kernschmelze durch alle Strukturen  erleuchtet wie ein Fackelzug die eigene Finsternis. Ich darf in Erscheinung treten und verschwinden, ich darf leben und tot sein, ich darf alles, in bin jetzt erwachsen.

Meine Suche ist die nach Spielraum im Leben. Mein Ego ist der Teil der mit der Welt nicht klarkommt. Der Austausch von Zuständen, ein offenes alles Wahrgenommene ansprechen macht nicht nur verletzlich, sondern auch ungemein klar, real und mächtig. Es deckt alle Rollen, Masken, Machtkonstellationen und Manipulationen bei mir und beim Gegenüber auf. Wir zerlegen die Egos. Mein Ego bäumt sich auf, sucht ein Drama um sich bemerkbar zu machen und findet keines, weder im außen noch im innen, pure Verzweiflung im grundlosen Leiden. Warum glaube ich meine Überzeugungen? Warum vertraue ich meinem Mistrauchen? Wie mache ich das mich so konsequent von Anderen und vom Leben zu trennen?

Tiefe Blickkontakte, eine gereichte Hand und die trockene Hitze verschluckt die rollenden Tränen, nichts hilft mir, nicht einmal ein Sprung in den 14° kalten Pool, schlotternd weiter im inneren Aufruhr suchen nach Musik, Bewegung, Menschen, nach etwas das hilft, nur was? Ich hab keine Ahnung was ich brauche, Kontaktversuche scheitern, durch die abendliche Osho Meditation schüttelt, tanzt, weint etwas und langsam erfüllen die Tränen des Schmerzes die zerrissen hitzigen Fragmente meines Herzens wie ein erster Regen, der einen dampfenden Bergstumpf nach dem Vulkanausbruch auffüllt. Zum ersten Mal weine ich für mich selbst. Flüsse strömen aus mir heraus darüber wie ich erlebe. Eine Hand streichelt über meinen Kopf, den Schmerz bezeugen, es wird weicher, stiller, liebevoll. Etwas hält und ehrt den Punkt an dem ich stehe. Ich verzeihe mir selbst meine Lebensirrwege.

Ein Sinken in tiefen Schlaf durch die Vollmondnacht lässt mich im Morgengrauen wieder wach werden. Bin ich im Himmel auf Erden? Da ist nichts als Liebe, grenzenlose Liebe in und zu allem, grundlos, empfindsam, andauernd mit allen Zuständen in Frieden. In der Morgenmeditation völlige Entspannung im Körper, im Geist, in den Gefühlen nur helles Licht, Allverbundenheit, ein friedliches glückseliges bedürfnisloses Sitzen ohne jeden Zeitbezug. Liebe unendlich, zart und gewaltig, voller Güte, zentriert im Herzen, das seine Grenzen nicht mehr wahrnehmen kann. Seinsliebe! Das ist die Heilung der Trennung und der Einsamkeit des Bindungstraumas. In und bei den Menschen UND in und bei Gott sein. Die Welt und die Menschen sind (m)ein großer Körper. Diese Wahrnehmung hält an nun schon fast eine Woche bei wechselnden Zuständen. Ich gehe wieder in Kontakt von mir aus und erkenne wie viele, ja unendlich viele, Kontaktmöglichkeiten das Universum bietet. Vielleicht wird es eine Ewigkeit so weiter gehen bis ich mit dem Kontakt eins und verschmolzen bin.

In tiefer Dankbarkeit für Gopals Werk und Wirken aus dem Herzen eure Barbara

Zu Gopals Heilarbeit findet ihr alles unter  https://www.traumaheilung.net/

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