Von den Geschenken im Lieben nicht erwidert zu werden

Von den Geschenken im Lieben nicht erwidert zu werden

Da war eine Anklage an Gott, ein massiver Konflikt mit der Schöpfung, ein riesiger Schmerz im Erleben des menschlichen Geschöpfes mit dem Göttlichen. Im Kern ein Ablehnen meiner Existenz als Liebe, weil sie scheinbar nichtig und ungewollt war (und scheinbar immer noch ist). Nicht wirkt, nicht erwidert wird, nicht beantwortet fließt und selbst leer überbleibt. Seit meiner Kindheit steht die Frage im Raum:

Warum gibst du mir dieses riesige liebende Herz, wenn es ins Leere fällt?

Die blieb unbeantwortet in den sich wiederholenden Erfahrungen mit allem, was ich bin, da zu sein, mich einzubringen, zu lieben und letztlich weggeschickt, abgelehnt, verlassen zurück zu bleiben. Ich bin da mit meiner ganzen Liebeskraft und gebe mich hin und lande im Loch des Nichts. Immer wieder, scheinbar vergeblich mein L(i)eben.

Obwohl ich mittlerweile tief in mir verankert bin, sooo viel geheilt habe, alles Mögliche verändern und erlösen konnte, folgt das Außen nicht dem Innen. Immer tiefer die Zweifel am Sinn meiner Existenz. Wozu braucht es mein Atmen, wenn es keinen kümmert. Die Enttäuschungen sammelten sich, Resignation zog mich zunehmend zurück, Scham für meine entwertete tief liebende und fühlende Essenz vernebelte die Lebensfreude fast komplett. Kapitulation ist noch nicht, auch wenn sie phasenweise meinen Raum heimsucht, und nur schwer weiteratmen lässt.

Die Frage hat sich gewandelt, die Zweifel an meinem Lieben sind verschwunden und der Akzeptanz gewichen. Dafür ist der Schmerz im unerwiderten Lieben zu leben gegenwärtig geblieben und ruft Gott an:

Wie soll ich weiter und ewiglich Liebe sein, wenn mir so viel Nicht-Liebe gespiegelt wird (von meinen Liebsten)? Wie kann ich mit all meiner Liebe umgehen? Geht es wirklich darum nur für mich zu sein, sie ausschließlich da zu halten, ganz innig fühlend zu leben und das Außen komplett zu lassen?

Die Fragen zeigen, wie ernst ich die Liebe nehme. Wie stark sie in mir lebt. Wenn Liebe durch mich fließt und scheinbar nicht erwidert wird, fühlt es sich an wie eine Ablehnung durch das Leben selbst. Mitunter wird dann die Todessehnsucht richtig groß, weil dann alles vereint und in Liebe angenommen sein wird. So mit dem Tod in Kontakt kommt die Sicherheit, es wird letztlich gut sein.

Da mein Lieben nicht erwidert wurde, berührt das jetzt immer wieder die Urwunden: „Ich bin nicht gewollt.“, „Ich bin nicht gewählt.“, „Ich bin nicht liebevoll gesehen.“, zusammengefasst: „Meine Existenz ist ein Fehler.“ Ja so hat sich mir das erschlossen im Dasein in Liebe und abgelehnt, weggeschickt, als bedrohlich empfunden und auf keinen Fall nahe gehabt werden wollen.

Die Leere ist menschlich real, doch im tiefen Erforschen ein Missverständnis meines Blicks. Mein Liebe wurde in Frage gestellt ohne Antwort, ohne Resonanz, ohne Spiegelung. Die Schau nach außen hat ein Missverständnis ergeben. Ich habe Liebe mit Antwort, Spiegelung und Bestätigung verwechselt. Wer bin ich ohne Erwiderung, liebevolle Spiegelung, beantwortet werden? Nichts im Empfinden, deshalb hat mein Verstand versucht mein Lieben zu reduzieren und zurückzuhalten, was gefühlt die Hölle war. Es ging auf Dauer nicht ohne kaputt zu gehen, es brauchte also einen Weg mit der unerwiderten Liebe zu leben. Sicher werden im Herzen im eigenen Lieben und alles loslassen was nach außen gerichtet ist. Lauschen und graben nach den Geschenken im Ungemach.

Die Chance der „Nicht-Liebe“ ist, das wirken der eigenen Liebe zu erleben. Sie öffnet sich vollständig in der Abwesenheit jeder äußeren Liebe. Da wo das Suchen endet, weil es im nicht erwidert werden als vergeblich erkannt wird. Im Prozess des alleine über und stehen Bleibens. Im Fühlen der Mangelgefühle und vermeintlichen Bedürftigkeit. Im Zerfall der Projektionen, also außerhalb der personalen menschlichen Liebe. So wird alles was ich war zunehmend im Kokon der Selbstliebe aufgelöst.

Wenn die Leere der personalen Nichtbeantwortung des Liebens wirken darf. Wenn ich darin klar und wach bleibe, öffnet sich die tiefe der Liebe dahinter, die in mir und durch mich wirkt. Wenn ich mit dem Schmerz darüber „unerwidert zu sein“ im Menschlichen, die göttliche Liebe in mir erfahre. Genau dort kann ich meine Göttlichkeit in reinster Form auffinden. Gerade weil ich leer bin. Nicht im Erfüllt-Werden. Sondern im Bleiben. Im in mir da bleiben und die Schichten dekonstruieren, die meinen ich bräuchte, bis nur mehr Präsenz bleibt. Dort unter der Lüge meiner fehlerhaften im Menschsein unerwiderten Existenz, ruht mein unendlich wertvolles Dasein in der Neutralität Gottes. Und ja ich habe mit der Gleichgültigkeit gehadert, die im Göttlichen vorzufinden ist, wollte einen gerechten Gott, einen Ausgleich, eine Belohnung, was auch immer. Doch so ist das Göttliche nicht, alles darf sein und nichts muss. Gott wertet tatsächlich nicht und ist in der Neutralität allem gegenüber.

Ablehnung, Verlust, Abstand und Missachtung sind keine Strafe. Sie sind Einladungen in meine Größe. Wenn Menschen gehen, wenn Rollen zerfallen, wenn Verbindungen sich lösen, bleibt mein Sein. Und genau hier beginnt meine Ganzheit. In dem ich aufhöre zu kämpfen gegen das, was in mir auftaucht, wenn niemand mit mir ist. Ich setze mich zu mir. Ich begegne mir. Ich erkenne mich. Und das Leben muss mir keine Spiegel mehr schicken. Ich bin das Ganze. Ich bin die Weite, die alles halten kann.

Die Nicht-Erwiderung ist keine Abwesenheit von Liebe.

Sie ist oft nur die Grenze eines anderen Herzens.

Und Gott zwingt kein Herz.

Gott ist nicht nur in der Verschmelzung und Einheitserfahrung.

Gott ist auch im „leeren“ Raum dazwischen.

In der Stille, wenn nichts zurückkommt.

In der Würde, weiter offen zu sein, ohne mich zu verbiegen.

In der Demut urteilsfrei zu bleiben.

 

Wie findet ich Gott in der Nicht-Liebe? In der Wahrheit, dass ich lieben konnte und kann, und zwar bedingungslos. In der Kraft, nicht zu verbittern. In der Entscheidung, mich nicht kleiner oder weg zu machen. Im Erkennen: Meine Liebesfähigkeit ist unabhängig von der Antwort.

 

Manchmal ist die größte Gotteserfahrung nicht das „Ja“ eines anderen.

Sondern das stille Wissen: Ich bleibe Liebe, auch wenn es unbequem und schmerzhaft ist.

Nicht naiv. Nicht selbstaufopfernd. Sondern klar und wahr.

Liebe ist zuerst eine Qualität deines Seins, nicht eine Reaktion des Gegenübers.

Das Göttliche ist mir gerade dort am nächsten, wo ich ohne Garantie liebe und trotzdem nicht zerbreche. Liebe, die nicht erwidert wird, ist kein Beweis gegen Gott. Sie ist eine Einladung, Gott in meiner Tiefe zu entdecken, als Quelle, nicht als Echo. Das tut phasenweise sehr weh und es macht frei. Frei mich zu leben sprich zu lieben, auch wenn das „nichts bringt“ und zu niemanden führt.

Das Neue trägt nicht. Es fällt nicht. Es ist da.
Tragen heißt jemand hält dich, etwas stützt oder fängt auf.
Das Neue tut das nicht.
Es verspricht nichts. Es hält nichts fest. Es zieht nicht.
Es fällt einfach nicht mehr weg.
Keine Stütze. Kein Gegenspieler. Kein Absturz.
Nur Boden.

Alle „äußeren Götter“ sind eingeatmet und verinnerlicht,

die falschen Götter erkannt und aussortiert,

die Göttin selbst bleibt, in mir.

 

Meine Inkarnationsabsicht und Schöpfungsaufgabe ist sonnenklar und unabhängig vom Außen wahr: ICH BIN HIER UM LIEBE ZU SEIN. Um vertikale und horizontale, personale und unpersönliche Liebe zu vereinen.

Ja das klingt schön. Weich. Herzlich. Klar.

Doch es braucht den Blick für das Wesentliche:

Liebe verursacht nicht immer das Gefühl von Liebe im Gegenüber.

Mitunter macht es Angst, erzeugt Abwehr, Abwendung und Vermeidung.

All das im außen sichtbare nein bedeutet nicht das keine Liebe da ist,

mitunter ist da so viel innen berührt, dass es ausdruckslos im Unsichtbaren verbleibt.

Es ist unmöglich vom Sichtbaren auf die Wahrheit dahinter im Herzen zu schließen.

Selbst wenn ich viel in Herzensgüte da bin, selbst wenn mein Herz offen ist,

selbst wenn ich ehrlich liebe, heißt das nicht, dass es im anderen genauso ankommt.

 

Liebe ist kein Garantie für irgendwas.

Nicht für Zustimmung. Nicht für Harmonie.

Liebe verhindert keine Ablehnung und keine Verluste.

Liebe ist nicht das, was bleibt, wenn alles leicht ist.
Liebe ist das, was da ist, selbst dann, wenn alles schwer ist.
Sie zeigt sich gerade nicht in großen Gesten, sondern im Dableiben.

Im „Ich atme noch.“ und „Ich gebe mich nicht ganz auf.“

Mut ist gerade nicht: „Stark sein und aushalten.“
Mut ist: Zugeben, dass man müde ist, weinen und bleiben dürfen.

Es braucht grandios viel Mut, sich hier zu verkörpern. Sich in einen Körper hineinzugeben, der fühlen kann. Sein Herz zu halten, das lieben kann und verletzt werden kann. Mein riesiges offenes Herz hat erst in den letzten Monaten so viel inneren Halt in mir, dass es nicht mehr eine Dauereinladung für Verletzungen ist. So viele Jahre in der Angst der Schutzlosigkeit. Mein Körper wusste nie was noch alles Schmerzendes rein kommt.

Bis heute ist da eine sich wiederholende Erfahrung, wenn ich offen da bin kommt Schmerz, Ratschläge, Ablehnung oder Nichts rein. In jedem Fall hat mit meiner Not oder Anliegen zu wem hingehen letztlich nur das Leid vermehrt und mir noch mehr Schmerz zugefügt, als eh schon da war.

Wer bin ich geworden durch den Schmerz, durch die Abwesenheit von Liebe und Fürsorge? Mir zutiefst meiner Selbst bewusst und ein aus meiner tiefsten Wahrheit heraus lebender Mensch. Dafür mussten viele Überlebensmechanismen sterben und alle Kompensationen sowie Ablenkungen abgelegt werden. Ein leeres Gefäß werden. Die Leere ist gut (aus)haltbar. Die Geschichte ist vorbei. Ich habe alles erkannt und kann mit jeder Trennung und jedem Schmerz umgehen. Alles ist Loslassen was ich geworden bin. Und erst Mal (?) bleibt ein leerer Raum übrig. Über bleibt schlichtes natürlich Sein, ein goldenes Nervensystem, das in der Führung meines Herzens ruht. Ich kann bei mir bleiben egal was geschieht.

Es braucht Mut, zu vergessen, wer man in der kosmischen Heimat war, um hier in Begrenzung Erfahrungen zu machen. Mut, durch Trennung zu gehen, in den Trennungszuständen zu bleiben. Durch Nächte leben, in denen man nicht weiß, wie es weitergeht mit Zweifel daran, ob es nicht besser wäre nicht weiterzuleben. Mut, sich auf Partnerschaften und Freundschaften einzulassen, wohl wissend, dass nichts garantiert ist. Nichts. Gar nichts. Mut zu lieben, obwohl frau weiß, dass nichts sicher ist, niemand bleibt, sprich losgelassen werden muss. Allein die Entscheidung, Mensch zu sein und vor allem zu bleiben, ist eine Liebestat.

Nicht die Zeit heilt, das Zulassen heilt. Und Heilung geschieht nicht linear.
Sondern wie Welle kommt, Welle geht, Welle kommt wieder und geht wieder.
Und jedes Mal wird etwas durchfühlt und dadurch verwandelt.

Die Worte. Die Gesten. Alle Kämpfe. Das Fliehen. Das Zurückhalten. Das Explodieren.

Jede Liebe. Jede Ablehnung. Nichts war zufällig. Nichts war umsonst.

Es geht um Heil-Sein. Um Ganz-Sein mitten darin. Alles will zurück in die Einheit.

Liebe ist sich in allem zu erfahren. Alle Gefühle sind Liebe.

Der Weg der Liebe ist durch alles hindurchzul(i)eben.

 

Ich kenne mein Zuhause, fühle jetzt schon das Ankommen in der Einheit. Für Momente bin ich schon in Vollkommenheit verkörpert da. Dann schmerzt wieder das Herz voll Sehnsucht, weil es raus schaut auf das Sichtbare. Es sind Wellen, die kommen und gehen. Je mehr ich rein schaue und die Innenwelt erlebe, umso ruhiger, friedlicher und geliebter ist meine Wahrnehmung.

Manche nennen mich Erdenengel. Manche fühlen sich von mir getriggert. Manche projizieren ihre Sehnsucht auf mich. Manche ihre Angst. Manche gehen mir aus dem Weg. Manche erzählen Geschichten über mich, die nie meine waren. Und nichts davon bin ich. Es sind Projektionen der eigenen Erfahrung und der eigenen Realität. Es sind innere Welten, die mir begegnen. Nichts davon bin ich. Und gleichzeitig bin ich alles davon. Ich war, bin und werde immer Liebe sein (in unterschiedlichen Formen). Alles, was andere in mir sehen, ist ihre Geschichte, ihre Sehnsucht, ihre Angst, ihre Bilder. Ich ehre das und lasse es bei ihnen. Ich kehre zurück in mein eigenes Herz.

 

Liebe ist eine Haltung.

Meine Entscheidung, im eigenen Herzen zu bleiben,

auch wenn Projektionen fliegen;

auch wenn Missverständnisse entstehen;

auch wenn ich falsch gelesen werde.

Würde und Demut atmen im gleichen Raum.

 

Scham und Liebe spiegeln sich in einander.

Äußere Stille und innere Fülle leben in der Einheit.

Für mich geht es gerade, um das Vertrauen in das Unsichtbare.

Da ist die Aufforderung rein der inneren Wahrnehmung zu vertrauen.

Und mir selber eine Arche bauen.

 

Die reife Liebe

muss sich nicht zeigen, nicht überzeugen und schon gar nicht gefallen.

Sie lässt sich nicht provozieren, nicht in Drama ziehen, nicht in Rollen pressen.

Sie bleibt.

Und sie hält die Tore offen für echte Begegnung, für ehrliche Worte, für Wahrheit.

Immer.

 

Es geht der Liebe nicht darum, wie sie ankommt, sondern wie wahr ich sie lebe.

Liebe ist kein Echo.

Liebe ist ein Ursprung.

Und ich bin dieser Ursprung.

 

Ich muss nicht gefallen, um Liebe zu sein.

Ich muss nicht harmonisieren, um Frieden zu tragen.

Ich muss mich nicht erklären, um echt zu sein.

Ich muss nicht wahrgenommen werden, um Wahrheit zu verkörpern.

Meine Liebe braucht keine Zustimmung.

 

Ich bleibe offen, auch wenn ich falsch gelesen werde.

Ich bleibe weich, auch wenn andere sich verschließen.

Ich bleibe klar, auch wenn Missverständnisse entstehen.

 

Meine Liebe ist reif, weil sie bleibt.

Die Liebe in mir ist wahr, weil ich sie lebe.

Durch mich IST Liebe.

Ich bin da, in Liebe.

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